Der BMW E30 M3: Pausbäckchen auf der Rennstrecke

Der BMW E30 M3: Pausbäckchen auf der Rennstrecke


Autos, die Geschichte machten

Ja die gute alte Zeit, als ausgestellte Kotflügel, die Platz für breite Sportreifen auf leichtgewichtigen Alu-Felgen schaffen sollten, noch ein Zeichen technischer Notwendigkeit und somit in einer professionellen Liga spielten, sind endgültig und unwiederbringlich vergangen.

Posen oder Performen

Zu viele Polos mit Hosenträgergurten und 265er Bereifung hat man schon gesehen, deren Spurtvermögen einem wackeren Handwerker mit seiner Schubkarre in nichts nachstanden. Deshalb sind sie heute selten geworden, die dicken Autobacken, der Zeitgeist hat die exzessive Verwendung dieses Gestaltungsmittels gnadenlos abgestraft, man darf sich eigentlich in so einem Auto überhaupt nirgends und schon gar nicht bei Tageslicht sehen lassen. Aber der gute alte E30 Dreier, dem bayrischen Erfolgstyp, gönnten die Verantwortlichen ebendiese Verbreiterungen in repräsentativer Größe, seine breitere Spur machten sie einfach notwendig. Es waren halt andere Zeiten, damals, als auch ein Spoiler für den nötigen Anpressdruck in den Geschwindigkeitsbereichen des sportlichen Hochadels sorgen mußte.

Die M-Züchter

Die BMW M-GmbH hatte dem damals kleinsten Modell der Bayern ordentlich Dampf gemacht und fast schien es, als ob dieser über die Kotflügel seinen Weg nach Draußen gefunden hätte. Unter Haube sorgte der bewährte Reihenvierzylinder für Vortrieb, für seinen Auftritt als Hans Dampf in allen Gassen war das gedrosselte Renntriebwerk  mit 2,3 Litern Hubraum und Vierventiltechnik ausgestattet. Denn der M3 sollte bei der DTM für Furore sorgen, das war sein eigentliches Einsatzgebiet, die "zivile" Variante entstand nur zur Homologation. Deshalb wurde auch konsequent Gewicht gespart, die Aerodynamik verbessert und die Steifigkeit der Karosserie erhöht. Die 195 PS der ersten Serie hatten mit den 1.200 kg des Wagens leichtes Spiel. Der M3 bot eine ungeheuer beeindruckende Portion Fahrspaß. Die Operation, mit überschaubarem Aufwand aus einer sportlich orientierten Familienlimousine ein kompetentes Rennwerkzeug auf die Räder zu stellen, war der M-GmbH überraschend gut gelungen. Und der neue Stern am Sportwagenhimmel erfreute sich größter Beliebtheit, auch bei denen, die leider nicht in den Besitz eines originalen BMW M3 kommen konnten.

Wenn zwei das Gleiche tun...

Aber mit Kunststoff und Begeisterung liess sich auch der heimische Familientransporter zumindest optisch in die gewünschte Richtung lenken. Ein Vorgang, der hundertfach praktiziert, zu folgenschweren Wahrnehmungsveränderungen führte. Die nun überall auftauchenden Verbreiterungen, Verspoilerungen und Tieferlegungen an braven Limousinen, deren Motoren aus Kostengründen meist auf entsprechende Modifikationen verzichten mussten, untergrub die Glaubwürdigkeit des Urbildes erheblich. Heute kann man sich ein Schmunzeln beim Anblick eines originalen BMW M3 kaum verbeissen, seine Epigonen haben seine Kriegsbemalung der Lächerlichkeit preisgegeben. Natürlich kann er nichts dafür, der BMW M3, insofern könnte fast Mitleid mit ihm aufkommen. Glücklicherweise gibt es aber genug Zeitgenossen, die mit selektiver Wahrnehmung gesegnet, alles mit BMW-Signet goutieren, denen auch die Bangle-Ära nicht übel aufstieß, die auch einen X6 als gelungenes Automobil feiern. Deshalb gibt es für die Unentwegten, die immer noch BMW E30 M3 fahren und ihm die Treue hallten, nur zwei mögliche Weltanschauungen, die Ersteren mögen ihn, weil er ein BMW ist, die Anderen mögen ihn, weil sie Mut zur eigenen Meinung haben. Letzteren gilt unser tiefster Respekt.