Datsun Laurel – Das Japan-Schiff

Datsun Laurel – Das Japan-Schiff

Was Datsun mit dem Laurel Diesel Anfang der 80er anbot, hatte kein Konkurrent im Programm: Ein kräftiger Diesel, verpackt in einer gut ausgestatteten Limousine – zu einem hervorragenden Preis. Karl-Heinz fährt Laurel aus Überzeugung

Viele Menschen suchen irgendwann nach ihren automobilen Wurzeln. Das kann das erste eigene Vehikel sein, der Wagen, mit dem die Eltern einen im Kindersitz durch die Gegend chauffierten – oder, wie bei Karl-Heinz, jenes Fahrzeug, an dem man das professionelle Schrauben erlernte.
„Nach so einem Auto habe ich jahrelang gesucht“, gesteht Karl-Heinz aus der Nähe von Osnabrück. „Aber du findest schon lange keine mehr – alle aufgebraucht und weggeschmissen oder im Export gelandet.“ Der groß gewachsene Mann mit dem grau melierten Lockenkopf muss es wissen – er ist schließlich vom Fach. „Meine Eltern gehörte zu den ersten in Niedersachsen, die damals eine Datsun-Vertretung aufgemacht haben“, berichtet er.
Der Laurel, das war damals die Top-Baureihe, zunächst als sehr amerikanisch aussehender C 230 mit durstigen Sechszylinder-Benzinmotoren. Zu Beginn der achtziger Jahre kam dann die Baureihe C 31, optisch eindeutig vom zeitgenössischen Opel Senator beeinflusst. Allerdings boten die Japaner in ihrem Laurel erstmals ein Selbstzünder-Triebwerk an, während Opel damit im Konkurrenzmodell noch Jahre warten sollte. „Aber die eigentliche Konkurrenz war der Benz“, erinnert sich Karl-Heinz. „Der Laurel 2.8 D ist damals gegen den 300 D der 123er Baureihe ins Rennen geschickt worden.“ In der elterlichen Firma wurden die kräftigen Diesel sehr geschätzt, vor allem als Zugfahrzeuge für Autotransporte. „Damit haben wir Kundenfahrzeuge geborgen, aber auch Neuwagen abgeholt“, erinnert sich der Kfz-Handwerker. Doch als Karl-Heinz Jahre später wieder nach einem solchen Laurel suchte, war keiner mehr aufzufinden – bis der Zufall Karl-Heinz zu Hilfe kam. Bei einem Treffen von Oldtimer-Wohnwagengespannen im westfälischen Münster stand unerwartet ein goldfarbener Laurel Diesel vor einem alten Tabbert Wohnwagen. Karl-Heinz sprach den Eigentümer an (es handelt sich zufällig um den Verfasser dieser Zeilen) und war sehr erstaunt, als ihm direkt ein Verkaufsangebot gemacht wurde. „Allerdings handelte es sich nicht um den Wagen, den ich dort gerade betrachtete, sondern um ein baugleiches Modell“, stellt der Laurel-Fan richtig. „Den habe ich mir noch am selben Tag in Dortmund angeschaut. Er war eigentlich als Teileträger erworben worden, wurde dann dafür aber als zu schade befunden – obwohl er nicht anspringen wollte.“ Man wurde an Ort und Stelle handelseinig, und am nächsten Wochenende holte Karl-Heinz seine Neuerwerbung im Ruhrgebiet ab. Es handelte sich um ein 1983 gebautes Exemplar in Top-Ausstattung, in dem alles vorhanden war, was die – erstaunlich kurze – Aufpreisliste hergab, nämlich Automatikgetriebe, Klimaanlage und Schiebedach. Alle anderen Annehmlichkeiten, vom höhenverstellbaren Fahrersitz mit Rückenstütze über eine Scheinwerfer-Waschanlage bis hin zu Leselampen in den hinteren Dachsäulen bot der Datsun Laurel bereits ab Werk, „und das zu einem Preis, zu dem es bei der schwäbischen Konkurrenz maximal die Buchhalter-Ausstattung gab.“ Den Reihen-Sechszylinder mit 2.8 Litern Hubraum wieder zum Leben zu erwecken, erwies sich für den Fachmann als vergleichsweise einfach. Der Motorantrieb selbst läuft zwar über eine Steuerkette. Die Dieselpumpe aber wird über einen Zahnriemen angetrieben, und der litt in diesem Fall unter Zahnausfall in Folge von Altersschwäche. Das Ersatzteil war über Nissan problemlos beschaffbar, der Einbau für den Fachmann eine der leichteren Übungen: „Nachdem ich mir die korrekten Steuerzeiten aus alten Archivunterlagen heraus gesucht hatte, sprang er ohne Schwierigkeiten an, und seitdem läuft das Auto wieder prima“. Neue Stoßdämpfer hinten, ein anderer Endtopf und eine Anhängerkupplung optimierten den Zustand des Laurel. Rost fand sich nur in engen Grenzen und an der Oberfläche, geschweißt werden musste nicht. Insgesamt war der Zustand für einen Japaner, der immerhin ein Vierteljahrhundert Alltagsbetrieb hinter sich hatte, überraschend gut.
Für den Alltag nutzt Karl-Heinz seinen Youngtimer, der zuvor erst zwei Besitzern in Süddeutschland gedient hatte, natürlich nicht; die Steuern für einen Kat-losen Diesel dieser Größe sind inzwischen astronomisch. Stattdessen bewegt er ihn zu Veranstaltungen auf den roten Nummern des immer noch in Familienbesitz  befindlichen Nissan-Autohauses oder auf Kurzzeit-Kennzeichen. „Die paar Jahre bis zum H-Kennzeichen kriegen wir zwei problemlos überbrückt“, schmunzelt der Kfz-Fachmann, der zeitweise mit dem Laurel einen fast 40 Jahre alten Münsterland-Wohnwagen zieht. „Ich finde, der Laurel ist ein sehr gemütlicher Reisewagen“, erklärt Karl-Heinz seine Sympathie für die goldfarbene Stufenheck-Limousine. Wer es nicht glaubt – Mitfahrer sind willkommen…

Diese Heldengeschichte über den Datsun Laurel entstand mit freundlicher Unterstützung des Carsablanca-Mitglieds Karl-Heinz.

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Datsun Laurel im Carsablanca-Lexikon