Das Original – VW Golf I GTI

Das Original – VW Golf I GTI


Marktbeobachtung

Dies ist ein Youngtimer, vielleicht nicht so, wie er sein sollte, aber ganz bestimmt so, wie er sein darf: Von der Blechsubstanz her gründlich aufgearbeitet und abschließend lackiert, aber unter der Haube und im Innenraum atmen Dich 30 Jahre Alltagseinsatz an – Bravo!

Herrlich: Zerknautschte Sportsitze, der Bezugstoff nicht mehr wirklich straff, aber authentisch Jahrgang 1978, ein abgegriffenes Original-Spucknapf-Lenkrad, das leicht zerkratzte Plexiglas der Tachoabdeckung und die Hutablage aus Presspappe auch ein wenig aufgequollen. So liebe ich automobile Klassiker. Ohne Löcher im Unterboden, aber eben auch nicht in den Türverkleidungen von der letzten HiFi-Inferno-Montage. Yepp. Ein Auto wie ein ungeschminkter Rod Stewart im Jahre 2008. Oder wie Udo Lindenberg: Äußerlich immer noch der Alte, aber wenn er den Hut abnimmt, sieht man halt die Glatze. Das nenne ich Ehrlichkeit. 

Das ist zumal wichtig bei einem echten Einser-GTI, einem Automobil, von dem es in ganz Europa noch geschätzte sechs Exemplare im Originalzustand gibt – bezogen auf die erste Ausführung mit kurzen Blechstoßstangen. Die hat unser heutiger Netzfang knapp verfehlt, er besitzt bereits die "voluminösen" Kunststoff-Stoßfänger – aber ein ehrlicher Plastikbomber ist mir allemal lieber als ein hastig auf Blech umgeschraubtes Exemplar mit verräterisch verschlossenen Löchern im Kotflügel (da, wo die seitlichen Führungen der Kunststoffbretter saßen). Und: Es handelt sich um eines der letzten Exemplare mit kurzen Heckleuchten. Die wurden nicht selten im Rahmen schauderöser Tuningmaßnahmen in den späten 80ern gern auch mal mittels Stichsägeneinsatz im Heckblech gegen die breite, modernere Version ausgetauscht. Kopfschüttel. Gänsehaut bekomm.

Ja, was waren das für Zeiten: Die Testfahrer, die die ersten GTI-Vorserienexemplare über das Testgelände in Ehra-Lessien trieben, trugen schwere Lederjacken wie Jerry Cotton und Nolan-Sturzhelme. Als der GTI pünktlich zur Beerdigung des BMW 02 auf dem Markt erschien, hatte die Welt einen würdigen Ersatz für die dynamischen Zweitürer aus Bayern gefunden, die an sich noch heute produziert werden sollten – und ich schreibe dies nicht, um das Geheule der 02-Fraktion an dieser Textstelle in Grenzen zu halten.

Als der GTI, von dem es nur ursprünglich lediglich 500 Exemplare geben sollte, debütiert, ist er nur in drei Farben erhältlich. In weiß, rot oder schwarz summen die 110 PS starken Knubbelkisten aus Wolfsburg durch die Lande, ein Schiebedach gab es auch erst ab 1978 – Volkswagen hatte bis dahin Probleme mit der Verwindungssteifigkeit der Golf-Karosse, die für solch infernalische Leistungsanhäufung – man halte sich das damalige VW-Programm vor Augen – per se nicht konzipiert war.

Bis hin zu der 175er "Sport"-Bereifung auf Stahlfelge ist dieser GTI original, allein die schwarze Klebefolie rund um das Heckfenster fiel der Restaurierung zum Opfer – ein Ersatzteil, das schon lange nicht mehr original lieferbar ist. Der Folienkleber des Vertrauens indes wird's schon richten. Also: Kohle hingeblättert, Folie zugeschnitten und geklebt, Zündschlüssel herumgedreht. Und ab zum 02-Treffen.

Autor: Knut Simon

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