Das Grollen – Jensen C-V8 Mk III

Das Grollen – Jensen C-V8 Mk III


Marktbeobachtung

Er ist eine vollends kultivierte Erscheinung und aus bestem Hause zumal. Zeitlebens polarisierte der Jensen C-V8 seine Klientel mit seinem aggressiv-dynamischen Design. Ob man ihn nun mag oder nicht: Wer ihm einmal in die Augen schaute, konnte ihn nie wieder vergessen.

Nirgends ist die Grenze zwischen Upper und Middle Class so deutlich gezogen wie im Vereinigten Königreich, wo es im Prinzip nur ganz weit oben und ziemlich weit unten gibt. Will sagen: Wer zu Zeiten von Morris Minor und Hillmann Imp einen Rolls-Royce fuhr, war reich. Fuhr man Bentley, äußerte sich in Gestalt des "Flying B" auf dem Kühler wahres Understatement. Zirkelte man jedoch einen Jensen C V8 durch die gepflegten Grafschaften zwischen Wales und Schottland, gehörte man dem kleinen Kreis des wahrhaft wissenden Adels an, der garantiert nicht verarmt war – sonst hätte er den günstigeren Jaguar E-Type gewählt. Es galt die Maxime, dass man Stil nicht kaufen könne, ohne selbst eine gehörige Portion dieser Eigenschaft zu besitzen.

Im Universum von Bristol, Gordon-Keeble und Aston Martin traf man seinerzeit auf die feinen und kraftvollen Coupés der Marke Jensen. Durch geschickte Unternehmenspolitik gelang es dem kleinen Unternehmen, nach dem Zweiten Weltkrieg an seine früheren Verkaufserfolge anzuknüpfen. Als 1956 der Jensen 541 debütierte, schaute die Welt sprachlos nach West Bromwich, wo ein kultiviertes Coupé mit GfK-Karosserie und – erstmals – vier Scheibenbremsen konstuiert worden war. Der elegant und harmonisch gezeichnete 541 festigte den Ruf der Marke Jensen, besonders hochwertige und kultivierte Fahrzeuge hervorzubringen.

Zum selbstbewussten Coup geriet 1961 die Einführung des Nachfolgers. Hinter der Bezeichnung C-V8 steckte nicht weniger als ein üppiger Chrysler-V8 mit anfangs 5,9 Liter, später mit 6,3 Liter Hubraum. Die aggressiv gestylte Karosse war einmal mehr aus GfK, so dass der Bolide lediglich 1.500 Kilogramm auf die Waage brachte. Entstanden war ein kraftvoller Tourer, der durch poliertes Wurzelholz, Connolly-Leder und nicht zuletzt durch sein extravagantes Äußeres bestach. Durch sein beeindruckendes Leistungsgewicht avancierte der C-V8 zum damals schnellsten Viersitzer-Coupé. Beinahe ein Novum für den britischen Automobilbau war die Tatsache, dass der Jensen C-V8 als technisch außerordentlich zuverlässig galt.

Insgesamt 499 Exemplare des C-V8 (Mk I–III) wurden bis 1966 gebaut. Dann kam der Interceptor, der bevorzugt zum Auto des Geldadels wurde und somit mit einer feinen Unternehmenstradition brach, was seiner Faszination jedoch keinen Abbruch tat. Es war halt – ein Jensen.

Wer ein wirklich augefallenes, dabei absolut stilsicheres Hochleistungscoupé sucht, sollte sich den heutigen Netzfang nicht entgehen lassen. Ausgestattet mit einer lückenlosen Historie wird der viertletzte der C-V8-Gattung feilgeboten. Leider ist er seines Herzens beraubt worden, alles funktioniert jetzt noch besser, und auch das klassische Dreigang-Torqueflight-Getriebe wich einem modernen Ersatz. Erneuert wurden weiterhin wesentliche Teile der Innenausstattung, während die originalen Connolly-Ledersitze erhalten blieben. Inwieweit das wahre Ich dieses C-V8 damit verloren ging, muss jeder Interessent für sich selbst beantworten. Am besten, man investiert die überschaubare Summe von 87.000 Euro und freundet sich mit dem Neugeborenen an. Die Bilder sagen: Er ist sich treu geblieben.

Das Angebot finden Sie hier.