Cuore Lusso – Alfa Romeo 2600 Spider

Cuore Lusso – Alfa Romeo 2600 Spider


Marktbeobachtung

Es gibt viele Gründe, der junge Alain Delon im Jahre 1965 zu sein. Neben Romy Scheider, filterlosen Zigaretten und der ewigen Sonne über dem Yachthafen von Nizza vor allem einen: mit Leichtmetallmotor, zwei Nockenwellen und 145 PS, die eine der schönsten Touring-Karosserien über endlose Küstenstraßen beschleunigen. Alfa Romeo 2600 Spider.

Welch ein Gegensatz: Während im deutschen Kohlerevier Ford 20M durch Bottrop und Duisburg starrachsen, in Osnabrück gerade einmal dem Karmann Ghia ein Hauch mediterranen Flairs gelingt und ansonsten Sindelfingen zwar feinst verarbeitete, aber ansonsten kreuzstaubige Sternenkreuzer fabriziert, geht jenseits der Alpen die Sonne auf. 1962 präsentiert Alfa Romeo seine starken Sechszylinder-Modelle 2600 als Coupé, Spider und Berlina. Und die Welt wird schlagartig schön.

Zum Preis von 25.000 Mark bleibt ein 2600 Spider nur den wenigsten deutschen Durchschnittskäufern vorbehalten. Das Gros fährt weiterhin – na klar, wir können die Geschichte langsam nimmer hören – mit dem vollbepackten Käfer gen Rimini. Wer Stil besitzt und ihn sich darüber hinaus auch noch leisten kann, wählt hingegen den Alfa 2600 Spider – vorzugsweise als 2+2. Auch ist Rimini nicht wirklich das angemessene Ziel für solch einen dachlose Offenbarung, schon eher passt sie zum am Lago di Como vertäuten Riva-Boot. Und eben zur filterlosen Gitanes im Mundwinkel von Delon, der den fliegenverklebten 2600 Spider für eine kurze Rast bei Espresso und Pernod an einem Straßencafé abgestellt hat. Können Sie die Mehrklangtonhupe hören?

Sicherlich: Da gibt es ja noch den Mercedes 190 SL. Ähnlich teuer. Ähnlich edel. Aber in den passt eher Rudolf Prack. Und den, pardon, können wir uns nun wahrlich nicht mit offenem Hemd, zerzauster Frisur und einer kleinkalibrigen Pistole im Handschufach vorstellen. Und am Steuer dieses Alfa. Hilde Knef neben Delon, das wiederum ginge. Nachts bei offenem Verdeck an der Cote d'Azur entlangbrausend, kurze existenzialistische Dialoge zwischen engen Kurven, die Verbindung von vitaler Jugend und kraftstrotzender Maschine. Vergessen wir neben der Knef nicht das ebenfalls betörende Blechkleid des 2600 Spider, gezeichnet von Touring. Es ist der von Pininfarina karossierten Giulia zwar ähnlich, aber nicht gleich. Glatte 60 Zentimeter Länge trennt die  vierzylindrige Giulia von einem 2600 Spider. Und deren jeweilige Besitzer mehrere Monatslöhne. Wenn ein 2600-Lenker überhaupt arbeiten muss.

Wollten wir prosaisch bleiben, wäre da ein weiteres Gedicht: der Motor. Die Maschine. Eine Augen- und Klangweide. Zwei obenliegende Nockenwellen. Leichtmetallmotor. 145 PS. Sechs Zylinder. Vergaser, natürlich. Noch regieren die 60er, der erste Ölschock ist gedanklich so weit entfernt wie das Fahrgefühl des Alfa von dem einer Isetta, ein aufwendig konstruiertes Fahrwerk nebst Scheibenbremsen lässt jede Passkehre zum Herzrythmus-erhöhenden Kick, die serienmäßigen füng Gänge (die es nur 25 Jahre später auch bei Mercedes gab) bestimmen die Tonlage der zwischen den Baumwipfeln kaskadierenden Klangfolgen des Reihensechsers. Und auf der Geraden läuft dieser erste Alfa mit selbsttragender Karosse glatte 200 KM/H.

Noch Fragen? Ja: Wo kann man das bittebitte kaufen? Hier.