Cremeschnittchen – BMW 507

Cremeschnittchen – BMW 507


Marktbeobachtung

Wie lange hatten sie darauf gewartet. Darauf, dass der Sympathieträger BMW ihnen einen Nachfolger des agilen 328 brächte. Bis 1953 mussten sie sich gedulden, dann stand er da, plötzlich und beeindruckender, als man ihn erträumt hatte. Da machte es auch nichts, dass man ihn sich nicht leisten konnte. Hauptsache, der BMW 507 war schön und stark.

Der 328 von BMW war vielleicht das einzige deutsche Vorkriegsauto, das die Bezeichnung "Sportwagen" tatsächlich verdient hatte. Sein zäher, agiler Zweiliter klebte an den ansonsten unberührbaren Silberpfeilen, zumindest thematisch war er von dieses Boliden nicht weg zu denken. Denn Mercedes war damals das Größte, zumal Mitte bis Ende der Dreißiger Jahre fast schon der verlängerte Arm des Staates auf der Siegerspur. Doch die wahren Herzen des Publikums, weit abseits dieses Tam-Tams, erfuhr sich der kleine BMW.

Vor diesem Hintergrund lässt sich mehr als nachvollziehen, wie stark die Erwartungshaltung der BMW-Enthusiasten gegenüber einem neuen Sportwagen mit dem blau-weißen Propeller im Schild war – denn für Autos interessiert man sich immer, vor allem in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Stellten die automobilen  Neuerscheinungen mit ihren schimmernden Karossen doch willkommene Abwechslungen und eine kleine Flucht aus dem ansonsten anstrengenden Alltag dar – von diesen für die meisten unerreichbaren Glitzergestalten auf vier Rädern ließ sich prächtig träumen!

Dabei wusste BMW selbst nur zu gut, wie die Realität aussah: Beineidenswert war bereits jemand, der ein Fahrrad sein eigen nennen konnte, von einem Motorrad ganz zu schweigen. Gerettet wurde das Unternehmen BMW, welches den Automobilbau mit der Präsentation des 507 im Jahr 1953 endgültig in die Spähren der schönen Künste zurückführte, mitnichten durch die Anfertigung ihrer eng anliegenden 507-Gewänder, sondern durch die Isetta-Konfektion. 

Doch BMW und die Anhänger dieser wieder auferstandenen Marke brauchten sehr wohl die Bestärkung eigener Fähigkeiten, vor allem der, formale Anmut mit brillanter Technik zu kreieren. BMW würde keinen Pfennig am 507 verdienen, das schien von vornherein klar, doch schloß man mit diesem kultivierten Fahrzeug wieder ein Stück zum unerschütterlichen Konkurrenten Daimler-Benz auf. Freilich ohne den 300 SL zu erreichen, ließ ein 507 leistungsmäßig dort merklich nach, wo der 300 SL noch einmal richtig durchstartete. BMW wollte es so. Der 507 war eher ein souveränder Ausdauersportler als ein Zylinderhitzkopf auf der Zielgeraden.  

Immerhin 180 KM/H (späte Exemplare gar 220 KM/H) schaffte jeder 507 spielend, in knapp 11 Sekunden erreichte er die magische 100-KM/H-Marke, sein Fahrwerk führte den soliden Kastenrahmen unter der betörend eng von Albrecht Graf von Goertz geschneiderten Karosse beinahe neutral durch alle Fahrsituationen, nur die etwas starre Hinterachse, nun ja, die spürte man schon ... Dafür waren die Innenverkleidungen der Türen aus echtem Leder, der Motor ein Musterbeispiel an Laufruhe und kultivierter Agilität, die Verarbeitung bestechend präzise. Zeitgenössische Tester monierten an diesem Traumwagen leichte Windgeräusche, empfahlen als Gegenmittel jedoch, einfach das Knie gegen die Fensterkurbel zu drücken oder die Seitenscheibe ein kleines Stück herab zu lassen. So hemdsärmelig und erfrischend unverkrampft wünscht man sich heute so manchen Motorjournalisten.

Bis heute ist der BMW 507 sich selbst treu geblieben. Er ist wie damals himmlisch schön und sündhaft teuer. Seine Harmonie von äußerlichem Charakter und inneren Werten besticht. Und wie damals warten wir bei BMW auf ein Auto, einen kleinen Sportwagen, der wieder so sympathisch oder so schlicht überzeugend und beeindruckend ist, wie 328 und 507 es waren. 

Dieser Artikel erschien am 20.07.2008