Corvetten-Kreuzer – Ford Thunderbird

Corvetten-Kreuzer – Ford Thunderbird


Marktbeobachtung

Über der durch schwere Verkaufssee stampfenden Corvette kreiste ab 1955 der Thunderbird von Ford. Leicht im Gesamtentwurf und filigran in seinen Details war der zierliche Donnervogel eines der schlichtesten US-Cars der Fünfziger Jahre. Eine ganze Dekade sollte sein Siegeszug anhalten, bevor sein Konzept zunehmend verwässerte.

Der Donnervogel. Eine indianische Gottheit, die Regen und Wohlstand über das Land bringt – und dem gemeinen Volk frische Luft um die Nase fächelt. Genau das konnte der preisgünstige Ford Thunderbírd, der 1955 als Antwort auf die Chevrolet Corvette am Markt platziert wurde, besonders gut. Erschwingliche Preise ließen Ford's "kleinen" speedy Roadster schnell zum Verkaufsschlager werden – die innovative und damit mit Skepsis bedachte Leichtbau-Corvette war schnell überholt: 16.155 Käufer fanden sich im ersten Angebotsjahr – 24 Mal mehr als bei der Vette.

Dabei kam dem Thunderbird wohl seine selbst für US-Verhältnisse konservative Auslegung zu Gute. Er führte, im Gegensatz zur sechszylindrigen Corvette, acht Töpfe unter der schlichten Haube, deren Holley-Vergaser einer kleinen, aber unübersehbaren Hutze bedurfte, die bald stilbildend für den T-Bird werden sollte. Auf der Geraden hielt dieser problemlos mit der Corvette mit, nur Kurven sollten einem nicht passieren ... Dafür war der Thunderbird aber eben auch ein komfortabler Roadster, keine Rennmaschine. Viele Komponenten, wie zum Beispiel Scheinwerfer und Heckleuchten, hatte Designer Bill Boyer den seinerzeit aktuellen Ford-Großserienlimousinen entliehen. Das schuf Markenidentität und sparte Kosten. Ein Traum für jeden Marketingfuzzi. Und in diesem Fall auch ein Glück für das Publikum, denn der T-Bird wirkte bei allen Gleichteilen zu anderen Modellen nie mühsam abgekupfert. Im Gegenteil: Er begründete, wohl auch zusammen mit der Corvette, eine ganz neue Dimension im US-Automobilbau.

Das Auto war beinahe klassenlos. Neben dem Buchhalter und der Ärztin von Nebenan bestellten auch Promis wie Jayne Mansfield und Marilyn Monroe – und ölten bei geschlossenem Verdeck schlicht hinweg. Erst spätere Exemplare des T-Bird erhielten diverse Modifikationen, die die Wärmeabstrahung des Getriebes merklich verringerte.

Mit 4,4 Metern Länge rangierte der T-Bird im US-Mittelfeld, und dies bei einer sportlichen Bodenfreiheit von nur 14 Zentimetern. Je nach Motorisierung rannte ein T-Bird zwischen 170 und 200 km/h, das war schon damals mehr, als die Polizei (und die serienmäßige Fahrwerksauslegung, siehe oben) erlaubte. Dazu konnte man sämtliche Extras bestellen, die die Ford-Regale hergaben: Servolenkung (Aufpreis 98 Dollar), elektrisch verstellbare Sitze, elektrisches Verdeck, ein Automatic-Getriebe und vieles mehr machten den Donnervogel zum souverän dahincruisenden Klipper.

Dass bald darauf aus dem zweisitzigen Roadster mit den charakteristischen Überhängen (vorne kurz, hinten lang) erst ein Viersitzer und danach Blechbarockorgie auf Rädern mit irreführendem "Thunderbird"-Schriftzug wurde, freute nicht wenige Menschen – bei Chevrolet, deren Corvette immer zorniger wurde. Am Ende wurde der Thunderbird eben doch wieder nur – ein Ford.

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