Citroen 2CV Hot Rod-Custom

Citroen 2CV Hot Rod-Custom


Portrait

Der Citroen 2CV ist eins der beliebtesten Custom Cars: Entenbesitzer verändern ihre Autos mit Leidenschaft nach eigenen Ideen. Wenn man es möchte, kann eine Ente sogar ein Custom im klassischen Westküsten-Stil werden

Rote Stahlfelgen, darauf Weißwandreifen; auf der Radkappe Pinstripes, das sind mit feinem Pinsel gezogene Zierlinien. Darüber schwebt eine Macke im Radlauf, das Blech hat einen Haarriss, dort zeichnet sich Rost durch den alten grauen Lack. Rostpickel sammeln sich auf dem Lampentopf, auch der Zierring ist pockennarbig. Die Wellblechfläche der Motorhaube daneben schillert in perfekt leuchtendem Metal Flake-Candyrot, die Flugzeugfigur darüber erblüht in stiller Korrosion, wie es nur alternder Aluguss kann.

Die Kunst besteht darin, eine ausdrucksvolle Balance aus Neu und Alt zu finden, aus perfekt ausgearbeitet und tief patiniert, aus schnell und langsam. Man nennt es Customizing, die Amerikaner haben es erfunden. Es ist ein Spiel mit Spannungen.

Wolfgang Möhler beherrscht diese Kunst, und er setzt noch eins drauf: Anstatt eines US-Mobils aus den Fünfzigern baut er sich eine Ente auf. Was anderes kommt gar nicht in Frage, er gehört zu den Menschen, die den Citroen 2CV so tief verinnerlicht haben, dass sie anderen Autos nur noch beiläufiges Interesse entgegenbringen. Entenfahrer sind ein gutgelauntes und undogmatisches Völkchen, sie bauen sich gern ihre Autos zu den erstaunlichsten Spezialmobilen um.

Einen 2CV-Custom im Westküstenstil ist allerdings selten - zu weit liegen die französische Baguette- und Batschkapp-Kultur und der Rock n' Roll der Customszene auseinander. Das möchte man zumindest vermuten. Doch Wolfgang Möhler interessiert sich wenig für solcherlei vorgefasste Meinungen. Der Stil, den er Rockabilly nennt, ist seine zweite Leidenschaft. Also verschmolz er die eine Passion mit der anderen.

Perfekt zum Modifizieren 

Auch ohne Begeisterung für den 2CV hätte er kaum ein anderes europäisches Auto finden können, das sich für Customizing so eignet wie die Ente. Sie ist im Grunde ein Baukasten und absolut schlüssig aufgebaut - sobald mans kapiert hat, ist es einfach wie Lego. Außerdem passen viele Teile von Baureihen, die sich vom 2CV ableiten. Wolfgang wählte die Federung vom Ami 8, der größer ist und eine richtig durchgestaltete Karosserie besitzt. Weil der Ami auch schwerer ist, hat Wolfgangs 2CV jetzt ein richtig straffes Fahrwerk und Umstehende werden nicht mehr vom Zugucken seekrank, wenn er eine Kurve zügig nimmt.

Die Basis ist ein 1963er 2CV, unter Entenfahrern beliebt wegen der Wellblechhaube, der geschlossenen C-Säule und einer Instrumentierung, die für ein Mofa sparsam wäre. Der Karosserie wollte Wolfgang die Spuren eines langen Lebens lassen, setzte sie aber auf einen neuen, vollverzinkten Rahmen - noch so ein Spannungsfeld. 

Neue Rahmen werden in Serie gebaut, wie überhaupt so ziemlich alles, was man an eine Ente bauen kann. Theoretisch könnte man eine Ente komplett aus Neuteilen zusammenbauen. Diese bekam neue Bremsen und eine 12V-Elektrik. Wolfgang fährt einen anderen 2CV im Alltag und weiß, wie wenig einen diese Autos im Ernstfall schützen können - ihr wahrscheinlich einziger Nachteil. Also optimiert man, was vorhanden ist.

Candy-Color Tangerine-Flake auf der Wellblechhaube 

Alles selbstgemacht, wie es die Jungs in Kalifornien machen. Die Krönung dieses Kustom-2CV ist die rotglühende Motorhaube. Sowas ordentlich auf die gewellte Oberfläche zu bekommen, ist ein ziemliches Kunststück, zumindest für den Laien. Wolfgang will eben alles selbst machen, und wenns beim ersten Mal nicht klappt, dann übt er, bis ers drauf hat. Dann hat er eine neue Idee und bringt sich auch dazu die passende Technik bei.
Darum ist ein Custom nie fertig. Der Zustand ist fließend, die Details ändern sich dauernd. Eins aber bleibt: Dem Auto sieht man seine Abstammung an, dabei ist es sehr eigener Ausdruck seines Besitzers. Eine Rockabilly-Ente? Nur echt bei Wolfgang Möhler.

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