Chrysler Windsor Sedan 1956

Chrysler Windsor Sedan 1956


Marktbeobachtung

Hemingway hat ihn gemocht. Der Literatur-Nobelpreisträger von 1954 schätzte den Chrysler Windsor mit Powerflite, dessen 1956er Modell er auf Kuba bewegte. Warum die Wahl des Schriftstellers ausgerechnet auf ein Full-Size-Einstiegsmodell fiel, ist nicht überliefert. Vielleicht lag es der vergleichsweise zurückhaltenden Formensprache des Wagens, die so gut zum knappen Schreibstil des bärtigen Meisters passte. Oder waren es dann doch die an an einen Marlin erinnernden Windsor-Heckflossen?

Eigentlich bahnen sich beim Betrachten von US-Cars der 50er ja immer verzerrt-schrille E-Gitarren ihren Weg ins Kleinhirn. Elvis im Kopf. Oder, noch schlimmer, Ted Herold. Innen rascheln Petticoats auf mintfarbenem Kunstleder und es richt nach Burger-Braterei. Brr! Aber – ein Windsor?

Ehrlich gesagt: Jein. Denn die von 1940 bis 1961 gebaute Windsor-Reihe war Chryslers Einstiegsmodell im Full-Size-Segment (Radstand über 2,79 Meter), im aktuellen Fall bereits mit einem klassischen V8 ausgestattet. Warum ausgerechnet das preiswerteste Automobil aus Michigan den Familiennamen der britischen Monarchie adaptierte, ist ungewiss. Erhoffte positive Assoziationen seitens der geneigten Kundschaft erscheinen jedoch wahrscheinlicher als eine schmachvoll gerittene US-Attacke gen Sandringham Hall.

Mag auch sein, dass Chrysler aufgrund einer technischen Besonderheit die Nähe zum britischen Eiland mit seinen überwiegend handgeschalteten Fahrzeugen suchte: Der angebotene Chrysler Windsor verfügt über das Schalten-ohne-zu-Kuppeln-System Powerflite – und damit nicht über die sonst übliche schnöde Automatik). Eine lustig zu bedienende Jukebox-Klaviatur von Knöpfen ermöglicht per Hydraulik die Gangwechsel im Getriebe. Die Außenlackierung entspricht dem damals angebotenen Farbton Desert Rose und auch sonst wirkt der Windsor nicht modifiziert und angenehm original.

Das dynamische Blechkleid übrigens ist eine Schöpfung von niemand Geringerem als Virgil Exner. Exner, vormals Stylist bei Studebaker, war von dort abgeworben worden und setzte alles daran, die altbackene Anmutung der  Chrysler-Formensprache ("Chrysler-Kunden müssen bequem mit Hut einsteigen können") einer Frischzellenkur zu unterwerfen. So postulierten die 1956er Windsor-Prospekte dann auch selbstbewusst "The Look Forward".

Besonders gesucht sind heute die Zweitürer-Coupés in der Ausführung Windsor Nassau, aber bereits ein klassischer Sedan im guten Zustand erzielt Preise um die 20.000 US-Dollar. Die aktuelle Ebay-Auktion weist zur Zeit auf einen leicht niedrigeren Endpreis hin. Dranbleiben! Nicht nur wegen des Hemingway-Bonus!

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