Chefsache – Jaguar MK II

Chefsache – Jaguar MK II


Marktbeobachtung

Am besten, so eine gängige Weisheit aus dem Arbeitsalltag, am besten läuft eine Firma ja, wenn der Chef nicht da ist. Es sei denn, der Boss heißt Lyons, Sir William Lyons.

An dieser Stelle lassen wir uns den Vorwurf, Ewiggestrige zu sein, gern einmal voll Zustimmung gefallen. Denn bei Jaguar war im Jahre 1960 tatsächlich noch so manches besser. Der Chef persönlich legte seine begnadeten Gestalterhände an ein Auto, das nach dieser Behandlung als Mark II in die Geschichte der unvergänglichen Automobile einging. Lyons kerbte seiner Schöpfung eine leicht athletisch gespannte Panoramaheckscheibe ins Dach, ließ den Motor auf bis zu 3.8 Liter Hubraum erstarken, verschlankte Tür- und Dachpfosten und spendierte der Hinterachse ein Minimum an größerer Spurbreite, was deutlich spürbare Fahreigenschaften zur Folge hatte. Und einen andauernden Geschäftserfolg.

Geschichten wie aus dem Märchenbuch, oder? On top könnten wir jetzt an dieser Stelle noch erwähnen, dass es durchaus eine britische Handwerkstradition gab, derer sich die Jaguar-Arbeiter sogar noch erinnerten. Mehr noch: Sie handelten auch nach ihr. So existierten an einem Jaguar tatsächlich so etwas wie penibel ausgerichtete Spaltmaße. Passen Sie auf, dass Sie vor lauter energischem Kopfschütteln nicht die Besinnung verlieren. Hübsche Miezen sind so.

Gilt übrigens auch für die Leistung dieses famosen Tourers: 220 PS brachten die selbsttragende Karosserie in 8,8 Sekunden auf 100 KM/H, mit einer Spitze von 200 KM/H gehörte der MK II 3.8  zu den seinerzeit unerhört agilen Limousinen und trug seinen Familiennamen zu Recht. Seine fast vier Liter Hubraum ließen ihn denn auch schnurren wie eine Katze,  die das von Frederick Gorden Crosby entworfene Jaguar-Symbol trugen. Eine Leistungscharakteristik, die das Sandwich und die Thermoskanne Tee auf den optionalen Picknicktischchen der Vordersitze durchaus in Bewegung bringen konnten. Oh dear.

Selbst als der erfolgreiche XJ 6 antrat, blieb der MK II noch in der Rennbahn. Zwar nicht mehr mit dem prestigeträchtigen 3.8-Liter, den er an den erwähnten Neuling abtreten musste, aber als 240 oder 340 getaufte, kleine, feine Alternative zum neuen Beau. 

Der MK II gehört zu den wenigen Autos der Geschichte, die es vom Montageband direkt auf den Klassikersockel gebracht haben. Wir verneigen uns davor mit vom Fahrtwind zerzausten Haaren. Und wie bekommen wir bloß die Sandwichflecken wieder aus dem Tweed?


Dieser Artikel erschien am 09.07.2008

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