Carsablanca-Auto des Jahres 1964: Von Schmetterlingen und Bienen

Carsablanca-Auto des Jahres 1964: Von Schmetterlingen und Bienen

Wer wohl das Beste Auto aller Zeiten gebaut hat, werden wir wohl nie erfahren und manche warten immer noch auf sein Erscheinen auf einem zukünftigen Automobilsalon. Wir wollen uns im Folgenden die Auswahl des Jahres 1964 näher anschauen.

Im Jahr 1964 kannte die Laufbahn eines amerikanischen Boxers nur eine Richtung: nach Oben. Mit dem spektakulären Sieg über das "Monster" Sonny Liston war dem auf breiter Basis Unterschätzten Sprachwunder Muhammed Ali der Weltmeistertitel sicher. Auch auf anderer Ebene war das Jahr an Überraschungen nicht arm, der gefürchtete Herrscher des Ost-Block, Nicolai Chrustschow war überraschend vom Politbüro entmachtet worden und der Franzose Jean-Paul Sartre lehnte den Nobel-Preis ab. Genau die richtige Zeit also, ein revolutionäres Gefährt zum "Auto des Jahres" zu küren, so war zumindest die Meinung der Juroren. Würden wir es heute genauso machen?
Auf diese Frage wollen wir eine Antwort finden und rufen heute erneut zur Wahl  zum Auto des Jahres 1964 auf, die drei erfolgreichen Wagen der ursprünglichen Entscheidung und fünf weitere, von der Carsablanca-Redaktion vorgeschlagene Fahrzeuge.
Hier die drei Erstplatzierten der Wahl zum Auto des Jahres 1964: Carsablanca-Auto des Jahres 1964: Von Schmetterlingen und Bienen 1. Platz: Rover 2000 P6, 76 Punkte
Mit dem Jet 1 von 1960 hatte sich Rover weit aus dem Fenster gelehnt, im Turbinenantrieb sollte die Zukunft des Automobils liegen. Um den revolutionären Antrieb herum konstruierten die Briten ein aufsehnerregendes Fahrzeug, das zur Markteinführung auf die neue Technologie verzichten musste, die Turbine hatte sich zum großen Bedauern der Mineralölkonzerne als Holzweg herausgestellt. Doch der P6 konnte auch mit klassischem Motor überzeugen, zumindest die Juroren, Sie auch?   Carsablanca-Auto des Jahres 1964: Von Schmetterlingen und Bienen 2. Platz: Mercedes-Benz 600, 64 Punkte
Eigentlich ein Skandal, da entwickeln die schwäbischen Ingenieure ein Auto der Superlative mit allen erdenklichen Sicherheits- und Komforteinrichtungen dieser Welt, der Konzern lässt sich dieses Prestige-Objekt einiges kosten und nimmt sogar eine nicht kostendeckende Fertigung in Kauf, und trotzdem reicht es nur für den zweiten Platz? Das kann und darf doch nicht war sein. Sie können das Ruder jetzt herumreissen!   Carsablanca-Auto des Jahres 1964: Von Schmetterlingen und Bienen 3. Platz: Hillman Imp, 31 Punkte
Hillman wer? Heute kennen das kleine Auto aus dem Norden Großbritanniens nur noch Eingeweihte. Dabei sollte sich der kleine Teufel, was Imp im Deutschen bedeutet, mit dem Mini um den Thron des besten Kleinwagens balgen. Das Talent dazu hatte er, ein kleiner Vierzylinder von Coventry-Climax über der Hinterachse und ein ansprechendes Fahrverhalten konnten überzeugen. Trotzdem kam er über den dritten Platz nicht hinaus und wegen vieler Schwierigkeiten beim Produktionsanlauf auch noch zu einem denkbar schlechten Ruf.  
Ein spannendes Feld meinen Sie? Doch schauen wir mal, was sich sonst noch auf dem Automarkt von 1964 tummelte, hier die Carsablanca-Vorschläge:   Carsablanca-Auto des Jahres 1964: Von Schmetterlingen und Bienen Vorschlag 1: Chevrolet Corvette C2
Mit der zweiten Auflage der Corvette hatten die Ingenieure von Chevrolet nicht nur erfolgreich das sportliche Profil ihres bis dahin etwas flügellahmen Flitzers geschärft, sondern waren auch der innovativen Karosserie aus Kunststoff treu geblieben. Bei den Motoren kam zwar keine Haute Cuisine sondern deftige Hausmannskost auf den Tisch, dafür entschädigten die riesigen V-8 Maschinen mit Hubraum und Drehmoment ohne Ende. Gekrönt wurde das Paket von einer wunderschönen Karosserie-Linie.   Carsablanca-Auto des Jahres 1964: Von Schmetterlingen und Bienen Vorschlag 2: Trabant 601
An Hubraum herrschte beim Trabant hingegen Mangel, bei der Konstruktion dagegen Einigkeit mit dem burgoisen Sportler aus Amerika, wenn auch bei der Wahl des Kunststoffes eigene Wege eingeschlagen wurden. Mit nur zwei Takten bahnte sich der kleine Wagen durch die Geschichte und trotz seiner anfangs modernen Trapezlinien konnte er mit der Konkurrenz nie ganz mithalten. Dennoch könnte jetzt die Stunde der Wahrheit schlagen, denn überlebt hat der Trabant seine Mitbewerber um Jahrzehnte und Tausenden Mobilität ermöglicht.   Carsablanca-Auto des Jahres 1964: Von Schmetterlingen und Bienen Vorschlag 3: Porsche 911
Über den Nachfolger des Porsche 356 ist schon viel geschrieben worden. Sein Fahrwerk, sein Motor, seine Karosserie, alles an dem schwäbischen Sportwagen prägte das Bild von Sportwagen für Jahrzehnte. Ihm hier noch einen Lorbeer-Kranz zu winden, hieße Eulen nach Athen tragen. Bleibt nur die Frage, wo die Herren Juroren den ihre Augen hatten, dass sie den 911 übersehen konnten?     Carsablanca-Auto des Jahres 1964: Von Schmetterlingen und Bienen Vorschlag 4: Panhard 24 CT
Für die französischen Autobauer der ältesten Automarke der Welt waren harte Zeiten angebrochen. Seit sie unter der Fuchtel von Citroen geraten waren, durften sie nicht mehr schalten und walten, wie sie wollten. Ein letztes Aufbäumen stellte der 24 CT dar, der mit seiner modernen Form, seiner beispielossen Windschlüpfrigkeit und seiner Leichtigkeit fast das Handikap des schwachbrüstigen Motors vergessen lassen konnte, aber eben nur fast. Das Konzept war wegweisend, aber gefühlte 40 Jahre zu früh am Start. Aber Heute sind wir doch schlauer, oder?   Carsablanca-Auto des Jahres 1964: Von Schmetterlingen und Bienen Vorschlag 5: DKW F102
Auch der F102 hatte die schwere Last der letzten Hoffnung auf den Schultern. Auch er war das letzte Aufbäumen eines traditionsreichen Unternehmens, dass in die Breduille geraten war. Seine Form und Konstruktion blendete mit Modernität und Genialität, sein Motor aber war ein Aufguss aus alten Tagen, der Dreizylinder Zweitakter mit der berühmt-berüchtigten Frischölautomatik. Dass DKW ein tolles Auto entworfen hatte, stellte später der anhaltende Erfolg der neuen Audis unter Beweis, die seine Karosserie und sein Fahrwerk modifiziert übernahmen. Den Motor hingegen nicht!