Cadillac Eldorado Seville

Cadillac Eldorado Seville


Marktbeobachtung

Cadillacs sind vulgär. Nie erreichten sie die feine mechanische Ziseliertheit eines Packard. Nie waren sie derart zurückhaltend wie ein Buick es sein konnte. Nie schienen sie so kraftvoll wie ein Facel. Nie waren sie revolutionär. Im Gegenteil, die Synchronizität monsterhafter Ausmaße und nicht minder bizarrer Optik musste eigentlich erschrecken. Cadillacs waren eigentlich nur eines: Masse für die Massen.

Ein wenig Blech, ein wenig Lack – fertig ist der Cadillac: Ähnlich kurz wie dieser zeitgenössische Reim auf die Güte besagter Automobile waren einst die Modelllaufzeiten der US-amerikanischen Automobilindustrie. Ach, was, von wegen "Laufzeiten": Einige Zyklen erinnern eher an verzweifelte Sprintversuche hastig zusammengezimmerter Lager-Restbestände mit einer Kugel aus Detroit-Stahl an der Starrachse.

Merken Sie's? Wir sprechen von den späten 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Dem Jahrzehnt, in dem die Dinosaurier fahren lernten. Immerhin das schafften die Amis: einer als ausgestorben geltenden Spezies Flügel wachsen zu lassen. Und dies in einem Tempo, bei dem jeder japanische Tourist ("Doing Europe in three days!") vom Fahrtwind Schlitzaugen bekäme: Evolution in fünf Jahren. Form follows krude Gedanken. Klasse! 

Mitte bis Ende der 1950er Jahre schmissen die GM-Designer unter Harley Earl ein paar Pillen ein, klemmten ihre Zeichenbretter unter den Arm und guckten sich den nächstbesten Godzilla-Film im Kino an. Kichernd warfen sie im Dunkel der Nickelodeons archaische Striche auf das Papier, übernachteten im Büro und wachten am nächsten Morgen verkatert an ihrem Platz auf. Was, zum Teufel, hatte sie bloß vergangene Nacht wieder geritten, dachten sie beim ersten Styroporbecher Kaffee angesichts ihrer nächtlichen Zeichenausflüge in die Paläontologie des Automobilbaus.

Die Eldorado Seville waren das wohl exklusivste Modell der Baureihe, die sich jedoch nicht so gut wie der Vorgänger verkaufte. Ebenso hatte die Eldorado-Verarbeitung gelitten und irgendwie hatte Cadillac seine vom Vorgänger begründetete Vorreiterrolle beim US-Design eingebüßt. Die Flossen der Konkurrenz wurden niedriger. Cadillac konnte jedoch, Ironie der Geschichte, dank kurzer Modellaufzeiten binnen Jahresfrist nachziehen. Und baute die dritte Genartion des Eldorado reumütig bis ins Jahr 1966.

Mal abgesehen von allem theoretischen und modellhistorischen: Was waren diese Autos lässig! Bärig blubbernde Vauacht, Goodies wie elektrische Fensterheber, Klima, Power-Steering und automatisch abblendendes Fahrlicht gehörten ebenso zum Standard wie die 2,4 Tonnen Leergewicht und 30 Liter Verbrauch auf 100 Kilometer Fahrstrecke.

Eines der wenigen erhaltenen Eldorado Seville-Coupés befindet sich zum nicht genannten Kurs im Verkauf. Das Fahrzeug ist dem Vorbesitzer nach original und unverbastelt, Fotos und Informationen sind reichlich vorhanden, zudem beantwortet der Eigner Fragen prompt und angenehm. Es ist ein Ohne-Worte-Fahrzeug, bei dessen Anblick man im Prinzip selbst mit einem ebenso aufgerissenen Maul wie der Eldorado Seville dasteht. Da kann man nix machen. Außer Europe in three days – was wahrscheinlich billiger wäre als der Eldorado Seville ...

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