Bremer Benz – Borgward P 100

Bremer Benz – Borgward P 100


Marktbeobachtung

Rums!, das hatte gesessen: Während Mercedes-Benz sich noch im Selbstmitleid über die fehlende Luftfederung im brandneuen 220 wand, rollte Borgward seinen stolzen P 100 mit eben diesem Feature ins Licht der Öffentlichkeit.

Borgward musste etwas tun. Gut aufgestellt in der Kleinwagen- und Mittelklasse, wandten sich gesättigte Isabella-Kunden von der Bremer Marke mangels der entsprechenden Oberklasse-Alternative ab. Das wollte der engagierte wie Image-bedachte Carl Borgward ändern.

1960 rollte der stattliche Borgward P 100 in die Verkaufsräume. Ausgestattet mit topaktuellen Panoramafenstern, kleinen Heckflossen und kommod eingerichtetem Innenraum war er ein Kind seiner Zeit. Der Clou: Im Gegensatz zu Mercedes war der P 100 mit Luftfederung verfügbar. 

Den ersten P 100-Vorführwagen in Hamburg setzte ein gewisser Carl-Dieter Heckscher gegen die Straßenbahn. Heckscher, der später unter dem Namen Dieter Thomas Heck einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangen sollte, verdingte sich auf elterliche Weisung als Verkäufer bei Hugo Pfohe in Hamburg. Wie Pfohe auf den Exitus des Glanzstücks reagiert hat, ist nicht überliefert. Zumindest möchte Heck es nicht erzählen.

Die Pleite von Borgward, die keine war, setzte dem P 100 ein vorläufiges Ende. Carl Borgward musste sogar seinen eigenen Firmen-P 100 aushändigen – eine unnötige Schmach. Nach dem Exitus von Borgward in Bremen wurde der P 100 allerdings in Mexiko gebaut und vertrieben – dem Vernehmen nach sollen Borgward's gute Kontakte nach Mexiko (er war zeitweilig dessen Honorarkonsul in Deutschland gewesen) die Verbringung der P 100-Produktionsanlagen erreicht haben.

Von 1966 bis 1970 liefen noch rund 2.200 P 100 von den mexikanischen Bändern. Der heutige Netzfang ist nichts für Traumtänzer. Hier ist noch viel Arbeit, Zeit und Geld zu investieren, bis der inserierte P 100 wieder fährt. Aber es lohnt sich – feiner und exklusiver kann man die Bremer Variante des gehobenen Automobils nicht zelebrieren.

Autor: Knut Simon
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