Body and Soul – Alvis TD 21 Drophead Coupé

Body and Soul – Alvis TD 21 Drophead Coupé


Marktbeobachtung

Merry old England. Saftige Weiden, gutes Beefsteak und Bitter Ale. Und vor dem Pub ein Alvis TD 21. Sie haben das Gefühl, alles an diesem Bild stimmt? Stimmt!

Doch wie immer im Leben hat auch diese Fassade ein Innenleben. Im Falle des passionierten Automobilhersteller Alvis waren es immer wieder zwischenduch aufblitzende Finanzierungsnöte, die dieses außergewöhnliche Beispiel feinstem britischen Car Manufacturings oft beinahe das Überleben gekostet hätte. Aber Alvis hielt durch – bis 1966 Rover sich den Hersteller einverleibte. Was dann geschah, ist leidensvoll bekannt und kann hier in Kurzform abgehandelt werden: British Leyland.

Waren Alvis-Fahrzeuge bereits vor dem Krieg ein automobiles Must-Have für Enthusiasten und Geldadel gleichermaßen, schaffte es der Automobilbauer auch nach 1945, die wissende und zahlungwillige Kundschaft um seine Neuschöpfungen zu versammeln. Allerdings leistete sich Alvis seine Automobil-Sparte zunehmend als Kür: Geld verdiente das Unternehmen, dessen Fabrikanlagen in Coventry beim Überfall der deutschen Luftwaffe 1940 stark zerstört wurden, pikanterweise mit dem Bau von Flugzeugmotoren – oft als Subunternehmer von Rolls-Royce Aero Engines.

Allerdings sah sich Alvis bald mit einem Problem konfrontiert, mit dem alle  Kleinserienhersteller in der Nachkriegszeit zu kämpfen hatten: Die traditionellen Karosseriebauer wie Mulliner oder Tickford, die auf Honorarbasis für das Einkleiden der Alvis-Fahrgestelle verantwortlich zeichneten, gaben nach und nach auf oder wurden von Herstellern aufgekauft, für die sie dann exklusiv tätig waren. Es wurde eng für Alvis.

Allerdings gab es ja noch immer Hermann Graber. Der Carossier aus der Schweiz schuf für den TD 21 atemberaubende Hüllen, die allerdings ihren Preis hatten. So lief Alvis (mal wieder) Gefahr, dass die abschließende Bilanz aufgrund einer zu teuren Produktion nicht aufging. Der erfolgreiche Ausweg hieraus schien man in England selbst zu finden: Anhand zweier bei Graber karossierter TD-Prototypen fertigte Mulliner Park Ward nicht nur ebenso anmutige Fahrzeuge, diese boten dank ihres optimierten Aufrisses auch noch mehr Platz für Passagiere und Gepäck.

Den klassischen Alvis Three-Litre-Sechszylinder gab es als zwei- oder viertürigen Saloon, außerdem in einer Drophead Coupé genannten Cabriolet-Variante. Vorn verzögerten Lokheed-Scheibenbremsen, Einzelradaufhängung gestattete sowohl komfortables als auch für damalige Verhältnisse sportives Reisen. Die amtlich dimensionierten SU-Vergaser versorgten die 120 PS mit Lebenssaft, was einen TD 21 105 Miles per Hour schnell machte. Dies alles war eingebettet in feinste Alvis-Mechanik, denn erst später ging man – und dann auch nur sehr behutsam – dazu über, fertige Komponenten von anderen Herstellern einzukaufen. Für den TD galt: Wo Alvis drauf steht, ist auch Alvis drin. 

Zum Ende des Alvis-Automobilbaus schufen Graber und Mulliner Park Ward noch einige unvergleichliche Coupés und Cabriolets unter der Bezeichnung Alvis TC 21. Alvis starb eines ehrenvollen Todes, denn das Unternehmen, das noch heute existiert und im Engineering-Bereich tätig ist, hat sich stets einer fremdgesteuerten "Wiederauferstehung" der Marke mittels Badge-Engineering verschlossen. 

Es gibt sie halt noch, die absolut stimmigen Bilder.