Berühmte Rennfahrer: Paul Pietsch

Berühmte Rennfahrer: Paul Pietsch

Der am 20. Juni 1911 in Freiburg im Breisgau geborene Paul Pietsch startete seine Motorsportkarriere 1931 als blutjunger Privatfahrer. Gegen den Widerstand seiner Mutter kaufte sich Pietsch nach seinem 20. Geburtstag vom Erbe seines Vaters einen gebrauchten Bugatti 35B.

Paul Pietsch versuchte sein Glück, im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Fahrern der 1930er-Jahre, nicht mit den Silberpfeilen von Mercedes-Benz und Auto Union, sondern als Privatfahrer mit meist italienischen Autos.

Der erste Einsatz mit seinem Bugatti am 29. Mai 1932 bei einem Rennen in Wiesbaden-Erbenheim geriet spektakulär: Als Pietsch klar in Führung liegend einem sicheren Sieg entgegenfuhr, blieb der Bugatti plötzlich stehen. Doch statt eines technischen Defekts stellte sich Spritmangel als Ursache heraus: Pietschs Mechaniker hatte vergessen, genug Treibstoff in den Tank zu füllen.

Der zweite Versuch beim Internationalen Kesselberg-Rennen führte den jungen Badener zum ersten Mal aufs Siegerpodest: Hinter dem Rudolf „Carratsch“ Caracciola und dem Schweizer Bergspezialisten Hans Stuber kam „das Rennbaby“, wie Pietsch danach halb spöttisch, halb anerkennend genannt wurde, als Dritter ins Ziel. Der erste Sieg ließ nicht lange auf sich warten: Am 28. August 1932 gewann Pietsch bei seinem zehnten Start das Riesengebirgs-Rennen, gefolgt von einem weiteren Sieg am 11. September beim Rennen um die Elbepokal in Leitmeritz in der Tschechoslowakei. Damit hatte sich der Nachwuchsfahrer Respekt und einen guten Ruf verschafft. 1933 bis 1934 etablierte sich Pietsch auf Alfa Romeo durch viele Rennerfolge als feste Größe im Rennzirkus und wurde 1935 gemeinsam mit Bernd Rosemeyer als Nachwuchsfahrer in das Team der Auto Union berufen. Nach nur einem Jahr – Pietsch hatte Differenzen mit dem Rennleiter und Probleme mit den Auto-Union Sechzehnzylindern – geht der Breisgauer wieder als Privatfahrer auf Alfa Romeo und später auf Maserati erfolgreich an den Start.

Als ein Höhepunkt der Karriere des Rennfahrers Paul Pietsch gilt der Große Preis von Deutschland am 23. Juli 1939 auf dem Nürburgring. Auf seinem Maserati 8 CTF bot Pietsch in einem bravourösen Rennen der Übermacht der Silberpfeile von Auto-Union und Mercedes-Benz überraschend die Stirn und ließ sie für kurze Zeit hinter sich. Wegen technischer Probleme mit seinem Rennwagen konnte Pietsch die Führung nicht halten und musste sich Rudolf Caracciola und Hermann Müller geschlagen geben. Paul Pietsch gab Jahrzehnte später zu Protokoll: „Ich glaube schon, dass der Große Preis 1939 mein bestes Rennen war.“ Der Zweite Weltkrieg, der wenige Wochen später mit dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Polen begann, ließ keinen Motorsport mehr zu. Paul Pietsch wurde am 2. Januar 1940 zum Militär eingezogen und musste wie Millionen anderer Männer in den Krieg ziehen.

Nach der Rückkehr aus dem Krieg, nach zweifacher Verwundung und Gefangenschaft, begann Pietsch 1946 seine zweite Karriere als Verleger. Im zerbombten Freiburg traf Pietsch auf zwei Bekannte, die er aus seiner Rennfahrerzeit vor dem Krieg kannte: Ernst Troeltsch und Josef Hummel. Die drei kamen auf eine verwegene Idee: Wir machen eine Autozeitschrift! Ein Ziel dabei war, mit den erhofften Einnahmen wieder in den Rennsport einzusteigen. Mitte 1946 legt das Trio eine Nullnummer auf den Tisch der französischen Militärdienststelle Baden-Baden, die für die Lizenzierung von Presseorganen zuständig war. Nach zähen Verhandlungen mit der französischen Militärregierung („In Deutschland wird es nie wieder so viele Autos geben, dass eine Autozeitschrift nötig wäre“) erhalten sie 1946 das begehrte Dokument, die Zeitschriften-Lizenz Nummer 1308. Im Dezember 1946 erscheint zum ersten Mal „DAS AUTO“ für eine Reichsmark mit einer Auflage von 30.000 Exemplaren. Ab Juni 1947 erscheint „DAS AUTO“, Vorläufer der späteren auto motor und sport, einmal im Monat. Die Auflage klettert auf 50.000 Exemplare. Tatsächlich bahnt der wirtschaftliche Erfolg des Verlages für Pietsch den Weg zurück in den Motorsport. 1950 startet er in dem blauen Veritas RS seines Freundes Josef Hummel und zeigt beim ersten Start, dass er in den elf Jahren Zwangspause nichts verlernt hat: Am 11. Juni 1950 gewinnt er das Eifelrennen auf dem Nürburgring in der Klasse der Sportwagen bis 1,5 Liter. Mit Siegen beim Schauinsland-Rennen und auf der Solitude rundete er sein Comeback ab. 1950 gewinnt er die Deutsche Sportwagenmeisterschaft und 1951 die Deutsche Rennwagenmeisterschaft.

Paul Pietsch mit seinem Bugatti 35B Ein schwerer Unfall auf beim AVUS-Rennen am 28. September 1952 und die wachsenden beruflichen Belastungen führten zu seiner Entscheidung, die Rennfahrer-Karriere an den Nagel zu hängen und sich voll auf den Verlag zu konzentrieren. Nach dem unerwarteten Tod seines Freundes und Geschäftspartners Ernst Troeltsch 1956 führte Pietsch den Verlag allein weiter und machte aus ihm das größte Special-Interest-Zeitschriftenhaus Europas, dessen Geschäftsführer er bis zu seinem 65. Lebensjahr blieb. Zudem stieg er Anfang der 1960er Jahre als Verleger in das Buchgeschäft ein. Ende 1976 zog sich Pietsch aus dem Tagesgeschäft des Verlags zurück. Er blieb als sehr aktiver Vorsitzender des Beirats dem Unternehmen weitere 20 Jahre eng verbunden und beeinflusste dessen Geschicke maßgeblich. Paul Pietsch ist 99 Jahre alt und lebt in Karlsruhe. 

Anlässlich des anstehenden 100. Geburtstags des Rennfahrers und Verlegers Paul Pietsch am 20. Juni 2011 zeigt die Motor Presse Stuttgart im Rahmen der Retro Classics 2011 in Stuttgart eine Ausstellung über das Leben des letzten noch lebenden Zeitzeugen, der die Epoche der legendären Silberpfeile als aktiver Rennfahrer miterlebt hat. In Halle 1, Galerie Stand Z05, der Messe Stuttgart sind zahlreiche Fotos und Exponate rund um die Rennfahrer-Karriere von Paul Pietsch ausgestellt.

Fotos: (c) Messe Stuttgart
Quelle: Messe Stuttgart