Bentley 4 1/2 Liter Blower: Still blowing after all those years

Bentley 4 1/2 Liter Blower: Still blowing after all those years


Autos, die Geschichte machten

Die Konkurrenz aus Sindelfingen hatte den Kompressor in den Zwanzigern zur Blüte gebracht, die Mercedes-Benz SSKs dominierten den Motorsport nach belieben.

Die mechanische Komponente

Damit der Motor durch den Leistungsschub des mechanischen Gebläses keinen Schaden nahm, hatten die Sindelfinger Tüftler die Aggregate fürstlich dimensioniert, allein die Kurbelwelle wog mehr als ein moderner Kleinwagenmotor und der Block hätte wahrscheinlich der hohen Verdichtung eine Dieselkompression standgehalten. Walter Owen Bentley überzeugte dieser Weg der Leistungssteigerung allerdings überhaupt nicht. Der findige Entwickler und talentierte Konstrukteur vertraute eher dem eleganten Weg zu mehr Pferdestärken: mit aufwändiger Ventilsteuerung, optimierter Gemischbereitung und Hubraumvergrößerung. Bentley 4 1/2 Liter Blower: Still blowing after all those years

Lieber mehr Zylinder

Wem das nicht reichte, der sollte sich doch einfach einen Motor mit mehr Zylindern kaufen, so seine feste Überzeugung, Schliesslich stand ja nicht nur der 4,5 Liter große Vierzylinder in den Verkaufslisten, sondern auch Motoren mit 6,5 und 8 Litern Hubraum. Ohnehin waren Bentley keine grazilen Leichtgewichte, Spötter sprachen gar von rasenden Lastwagen. Trotzdem konnte den vornehmlich in "english racing green" gehaltenen Fahrzeugen ein Mindestmaß an Eleganz nicht abgesprochen werden. Und sie hatten viele Freunde, darunter auch geradezu fanatische Anhänger, die dem Meister die dicken Schiffe aus der Werkstatt wegkauften und auf den Rennstrecken Europas verheizten, zugegeben, nicht ganz ohne Erfolg. Bentley 4 1/2 Liter Blower: Still blowing after all those years

Against the Krauts

Aber die Deutschen waren nur noch sehr schwer zu schlagen, Bentley musste endlich ein Einsehen haben, und auch einen Kompressor einsetzen, das sollte doch für ein Genie wie ihn keine große Sache sein! Bentley gab schliesslich wider besseres Wissen nach und ließ das Unheil seinen Lauf nehmen. Zusammen mit Amherst Villiers, der einen Verdichter nach dem Rootes-Prinzip unter eigenem Namen verkaufte, machten sich die Experten an die Aufrüstung des 4 1/2 Liter zum Blower. Obwohl schon im Vorfeld der Motorblock verstärkt worden war kam es beim Verdichtereinsatz zu heftigen Verformungen des Aggregats. Das Gebläse selbst hatte keinen Platz  im knapp geschnittenen Motorraum des Bentley 4 1/2 Liter gefunden, er wurde vor dem Kühler angebracht und ragte in den Fahrtwind. Bentley 4 1/2 Liter Blower: Still blowing after all those years

Das kränkelnde Rennpferd

Das Zusammenspiel des an sich kultivierten Bentley-Motors mit dem Villiers-Gebläse konnte nur wenige Male bei Renneinsätzen überzeugen, meistens schied die vom Firmenchef ungewünschte Paarung schon nach wenigen Runden mit einem technischen Problem aus. Für ein Auto mit so geringer Fortune bei sportlichen Einsätzen war die Außenwirkung jedoch spektakulär, noch heute ist das riesige Ungetüm im automobilen Bewußtsein verankert, noch heute freuen sich Enthusiasten über den Anblick des englischen Schlachtschiffes. Aber nur wenige kommen in den Genuß dieses mobile Monument tatsächlich zu begegnen, denn von den 55 gebauten Exemplaren haben zwar immerhin 40 überlebt, doch diese geringe Anzahl sorgt für gehörige Exklusivität. Bentley 4 1/2 Liter Blower: Still blowing after all those years

Ein Opfer des schwarzen Freitags

Immerhin war der Bentley 4 1/2 Liter Blower das teuerste Automobil des Vereinigten Königreichs, mehr als zehnmal so teuer wie ein damals unerschwinglicher MGM. Der Blower war eines der letzten Fahrzeuge, die unter der Ägide von Walter Owen Bentley entstanden, die Wirtschaftskrise der Dreißiger Jahre hatte seinem Unternehmen schwer zugesetzt und auch seine reiche Freunde und Förderer konnten den Konkurs 1931 nicht aufhalten. Rolls-Royce übernahm die Namensrechte und bot wenige Jahre später Fahrzeuge mit eigener Technik unter Beibehaltung der klassischen Bentley-Linie an. Endlich durften auch Fahrzeuge mit sportlichen Fahrleistungen glänzen und auch Renneinsätzen, die sich für einen Rolls-Royce als nicht standesgemäß von selbst verboten, konnten sich im Nachruhm der exklusiven Blower sonnen.