Badewannen-Tango – Ford 17M P3

Badewannen-Tango – Ford 17M P3


Marktbeobachtung

1960: Ford geht baden, wenn auch im positiven Sinne, denn mit der neuen "Linie der Vernunft" schaffen die Kölner es endlich, an die Zulassungszahlen des Erzrivalen Opel aufzuschließen – ein kurzer Erfolg, denn nach dem cleanen Design des P3 verfing man sich wieder in rheinischem Barock ...

Das die Deutschen ihn schnell "Badewanne" tauften, nun ja, es ist verzeihlich und auch liebenswert. Und so weit vom ursprünglich für das glatte Blechkleid über kantiger Technik vorgesehenen Namen war der Volksmund nicht: "Adria" hatte sich Ford für seinen Taunus P3 ausgedacht, eine Bezeichnung, in der die gesamten Assoziationen von Eleganz der italophilen Bundesbürger mitschwangen. Wer träumte nicht von Capri (damals noch eine Insel), von schnellen Riva-Booten auf dem Lago di Como, von gekühlten Drinks unter schattenspendenden Markisen in Rimini?

Wie das Äußere ohne Arabesken wies auch dieser Taunus grundsolide Qualitäten auf, hatte er doch die Technik von seinem Vorgänger übernommen. Aber das war ja im doppelten Sinne nichts Neues – und irgendwie auch nicht schlimm. Ford verkaufte über 600.000 P3 des windschlüpfrigen und fast schon avantgardistischen Autos, das erstmals Breitbandscheinwerfer und in die Karosserie integrierte Stoßstangen aufwies.

Neben dem frischen Außeneindruck konnte der P3 zumindest mit einem technischen Trumpf aufwarten: Bedingt durch die strömungsgünstige Karosserie brauchten die Wagen rund 20 Prozent weniger Sprit, als ihre überladenen Vorgänger – nämlich etwa 8 Liter auf 100 Kilometer. Dass sie immer noch "muntere" 20,5 Sekunden von 0 auff 100 benötigten, hielt die Menschen nicht von ihrer Unterschrift auf den Kaufverträgen ab.

Einzelsitze waren Serie, die knautschig-lümmelige Sitzbank gab es als Option, auch eine Automatic, Typ Saxomat, konnte geordert werden. Noch heute sind die P3 erschwinglich, die Preise für gute Exemplare erreichen den ungefähren Neupreis von einst. Ein tolles Auto für wenig Geld, zumal mit beherrschbarer, grundsolider Technik, viel Raum für Passagiere und Gepäck – haben Sie schon die aktuellen Herbstprospekte für Italien gesichtet? Denken Sie einmal darüber nach. Mit dem Taunus in die Vogesen – Schloss Chambord in Frankreich besuchen Sie dann besser und passender im P2 ...