Vorstellung Autobianchi / Lancia A 112 ( 1969 - 1986)

Vorstellung Autobianchi / Lancia A 112 ( 1969 - 1986)


Marktbeobachtung

Kurz und gut, knackig und kantig, Kart-Feeling inklusive: Nein, wir sind im Netz nicht auf einen zum Verkauf stehenden Mini gestoßen, aber auf einen nahen Verwandten des genialen Insel-Winzlings: Autobianchi/Lancia A 112. Im Gegensatz zur rasenden Hutschachtel des Vereingten Königreichs ist der A 112 so gut wie verschwunden. Schade, dass Hüte aus der Mode sind, denn sonst würden wir ihn mehr vermissen.

"Während Sie acht Mal Luftwiderstandsbeiwertkoeffizient sagen, ist der A 112 schon auf 100." So bewarb Lancia im Jahre 1983 augenzwinkernd auf farbigen Doppelseiten den großartigen Kleinen A 112, der zum besagten Zeitpunkt seit 14 Jahren produziert wurde – und damit nicht wirklich ein Auto der 80er war. Doch so standhaft, wie der als Autobianchi geborene A 112 in den Anzeigen dem Windkanal trotzte, in dem er von herumfliegenden Datenblättern ebenfalls hinwegwehender Ingenieure posierte, so beharrlich hielt sich der kleine Kraftzwerg im Verkaufsprogramm. Immerhin bis 1985. Sein offizieller Nachfolger, der Lancia Y, konnte nicht annähernd an das Charisma des A 112 anknüpfen. Der war schon eher Handtäschchen als Hutschachtel.

Wie alle anderen Autobianchi-Modelle nutzte Konzernmutter Fiat den A 112 als Versuchsballon und Technikträger. Unter seinem kraftvollen und dennoch eleganten Linien verbarg sich die Technik des kommenden Fiat 127 mit quer eingebautem Frontmotor und Getriebe. Das war neu, und wäre es beim Publikum nicht angekommen, hätte zumindest der Ruf der Marke Fiat keinen Schaden genommen. Man kann also behaupten, der A 112 verdanke seine Existenz Turiner Hasenfüßlertum.

Sei's drum: 23 Jahre (!) nach Produktionseinstellung taucht der A 112 wieder auf – zumindest virtuell im Netz, und als Lancia, denn unter diesem Namen firmierte der A 112 ab 1982. Für 990 Euro steht ein 1985er A 112 Elite zum Verkauf, laut Besitzer lediglich mit oberflächlichem Kantenrost. Das ist beim A 112 ungefähr so selten wie perfekte Töne bei Adriano Celentano oder tiefsinnige Dialoge in einem Belmondo-Streifen, denn nicht selten besaßen A 112 bereits bei der zweiten TÜV-Untersuchung die Struktur von Cantuccini. Allerdings bei diametral engegengesetzter Konsistenz.

Der angebotene A 112 scheint gut beieinander zu sein, zudem ist er unverbastelt. Der reduzierten Karosserie stehen selbst die voluminösen Schutzschilde der späten Vollplastik-Ära, bullig und unverwechselbar – und liebenswert. In den Zeiten des Retro-Designs wirkt der A 112 alles andere als deplaziert, dazu gesellen sich zeittypische Goodies wie Ausstellfenster vorn und hinten. Keck aus den Flanken herauswachsende Lampentuben lassen Herzen weich und die zum Telefon greifenden Hände zittrig werden. Luftwiderstandsbeiwertkoeffizient, Luftwiderstandsbeiwertkoeffizient, Luftwiderstandsbeiwertkoeffizient, ...

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