Aus der Sternenflotte: 220 S Heckflosse von 1961

Aus der Sternenflotte: 220 S Heckflosse von 1961

Wenn jemand seine Hobby-Schraubergarage „S Klasse Schmiede“ nennt, ist eigentlich schon klar, für welchen Autohersteller das Herz schlägt. Star der Sternenflotte ist bei Kai Langer seine Heckflosse W 111.

Die Flosse habe ich jetzt seit mehr als zehn Jahren“, erläutert der Mann aus dem Ruhrtal. „Als ich sie aus erster Hand erwarb, war sie noch ungeschweißt – aber leider nicht für lange!“ Die im Oktober 1961 gebaute „große Heckflosse“ wurde in Wiesbaden an einen Hotelier ausgeliefert, der sie aber offenbar mehr pflegte als nutzte, bis er sich im Winter 1998 entschloss, den Benz abzugeben.

Schon von frühester Jugend an hatte Kai Langer den Wunsch gehegt, einmal am Steuer eines eigenen Heckflossen-Benz zu sitzen. Als im Winter 1998 ein Sparvertrag zur Auszahlung fällig wurde, sagte er sich: „Wann, wenn nicht jetzt?“ Die Suche begann, doch am Anfang standen einige Enttäuschungen: Keiner der angebotenen Wagen entsprach Kai Langers Vorstellungen. Endlich entdeckte er ein ansprechendes Inserat in einer Oldtimer-Zeitschrift. „Am Neujahrstag 1999 bin ich dann in die hessische Landeshauptstadt gefahren. Der Benz wurde während der dreistündigen Besichtigung den Erwartungen, die ich nach dem Studium der Anzeige und dem Telefonat mit dem langjährigen Erstbesitzer hatte, gerecht. Nach einer Probefahrt und kurzer Preisverhandlung – der Mann wusste durchaus, was er da besaß – habe ich mir schließlich meinen Kindheitstraum erfüllt.“

Die 400 Kilometer lange Heimfahrt über winterliche Autobahnen durch Hessen an den Nordrand des Sauerlandes verlief problemlos. Bei einer genaueren Begutachtung einige Zeit später offenbarte sich dann aber doch, dass der Zahn der Zeit  auch an diesem Prachtexemplar deutschen Automobilbaus stellenweise genagt hatte. „Weil ich aber erst mal Spaß mit der Flosse haben wollte, beließ ich es bei einer schnellen Schadensbegrenzung: Technik instand setzen, Löcher zu machen, versiegeln und dann den Sommer über zunächst  Fahren.“

Die gründliche Sanierung war ein Projekt für die folgenden langen Winterabende. Kai begann mit dem rechten Schweller – und dahinter verbarg sich, wie befürchtet, mehr Arbeit, als nach dem äußeren Anschein zu Erwarten war. „Die rechte Aufnahme für den Wagenheber war vorn faktisch nicht mehr vorhanden und hinten ebenfalls marode. Der Innenschweller war ebenfalls so dünn gerostet, dass auch da nur der Totalersatz Abhilfe schaffen konnte. Das dem Originalteil nachgefertigte Ersatzteil hat nun 1,5 statt 1,0 Millimeter Wandstärke, für alle Fälle. Die Türen schlossen erstaunlicherweise jederzeit  wunderbar, selbst auf der Hebebühne…“.  Bei dieser Gelegenheit wurde auch der untere Teil der A-Säule saniert – und auf der anderen Seite begann das Spiel von Neuem. Die Türen nahm Kai ebenfalls in Kur, sie hatten sich vor allem an den Unterkanten bereits teilweise dem Rost ergeben. Die Radläufe hingegen erwiesen sich als erstaunlich stabil, hier musste der neue Eigentümer lediglich die Endspitzen und die im Radhaus befindlichen Rundungen sanieren. 

An der Front verlangte die Traverse nach einem Totalersatz, während sich die Längsholme in beruhigend gutem Zustand präsentierten, ebenso  die Bodenbleche. Bei der Vorbereitung für die Neulackierung im Originalfarbton nahm Kai dann noch einige Verbesserungen vor. „Unter anderem habe ich die Abläufe für das Schiebedach verlegt, so dass das Wasser jetzt besser nach unten hin abfließen kann.“

Nun sollte eigentlich der Motorraum geräumt werden, um Platz für den Lackierer zu schaffen. Doch es kam anders: „Ich bekam im nahe gelegenen Fröndenberg-Altendorf  einen größeren Hallenplatz angeboten. Also war an einem Wochenende Umziehen angesagt, mit allem Werkzeug, den Fahrzeugen – und der zerlegten Flosse. Zum Glück war sie zu diesem Zeitpunkt noch fahrbereit“, ist der Benz-Fan immer noch  erleichtert.

Die Demontage des Sechszylinders und der Nebenaggregate, die bei dieser Gelegenheit optisch und – soweit nötig – auch technisch überarbeitet wurden, erfolgte dann am neuen Standort, ebenso wie der Zusammenbau nach erfolgter Neulackierung. Seitdem bereitet „Elise“ – wie Kai seine Flosse in Anlehnung an eine Zeichentrickfigur aus „Paulchen Panther“ nennt – viel Freude, nicht nur ihrem Eigentümer, sondern auch vielen Besuchern von Oldtimertreffen, an denen die Beiden teilnehmen, oftmals mit einem klassischen Wohnwagen im Schlepp.

Autor: Michael Grote

Diese Heldengeschichte über den Mercedes-Benz W111  entstand mit freundlicher Unterstützung des Carsablanca-Mitglieds Sternenflotte.

Mehr Informationen zur Mercedes-Benz Große Heckflosse

Fotos von der Großen Heckflosse

Mercedes-Benz Große Heckflosse im Carsablanca-Lexikon

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