Audi 100 CD 5E Typ 43

Audi 100 CD 5E Typ 43


Marktbeobachtung

Ende der 70er begann Audi sich zu verpuppen. Aus dem drögen Unternehmen  schlüpfte alsbald eine sportlich angehauchte Marke, die mit dem permanenten Allradantrieb quattro dem Image des Beamten-Mercedes in Sekundenschnelle davonfuhr. Doch vor den vier angetriebenen Rädern standen die 5 Freunde mit 2.2 Liter Hubraum und 136 PS. Der klassische Audi-Fünfzylinder in der klassischen Verpackung des Audi 100 bedeutete den Beginn einer Dynamiserung der gesamten Modellpalette. Man muss jetzt zuschlagen, will man noch einen halbwegs günstigen und gut erhaltenen Hunderter ergattern.

Rudolf Leiding war ein Fuchs. Der frisch ernannte Nachfolger des glücklosen Kurt Lotz, der lieber auf die Pirsch als auf die Suche nach einem Käfer-Nachfolger ging, beauftragte Kraft seines Amtes als Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG 1971 zwei Entwicklerteams mit der Nachfolgeregelung des Audi 100. Der Clou: Keines der beiden Teams wusste von dem jeweils anderen. Am Tag der Präsentation seiner Arbeit rollte zuerst Team 1 sein 1:1-Modell in den Ring – als sich plötzlich die Saaltüren öffneten und Team 2 mit seiner Interpretation des neuen 100 die Szenerie betrat. Am Ende vereinte Leiding die Vorzüge beider Entwürfe in der endgültigen Seriengestalt des neuen Audi 100.

Leiding erzählte diese Anekdote bis zu seinem Lebensende 2003, und dies mit sichtlichem Vergnügen. Durch den Rauch seiner HB konnte man das Lächeln sehen, das seine Mundwinkel dabei umspielte. Als der neue Audi 100 1976 die Bühne der Weltöffentlichkeit betrat, war Leiding nur noch Zaungast: Frustriert durch die Blockade- und Tarifpolitik der VW-intern mächtigen IG Metall hatte der jahrelange VW-Manager 1975 das Handtuch geschmissen.

Stattlicher, größer und vor allem sportlicher als sein Vorgänger war der intern Typ 43 genannte 100 geworden. Besondere Leckerbissen stellten die vitalen Funfzylinder-Maschinen dar, die in der Vergaserversion 115, in der Einspritzversion 136 PS leisteten. Wer einmal einen solchen Fünfender unter der Haube hatte, schaut sich noch heute nach dem blubbernden Sound um, wenn ein alter Hunderter um die Ecke biegt.

Das ist relativ selten geworden, weshalb auch unser heutiger Netzfang so interessant ist. Nicht nur, dass es sich um einen seltenen Typ 43 mit besagtem 136-PS-Triebwerk handelt – die Limousine fährt uns auch noch in der Topversion CD 5E entgegen. Das heißt: Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber, Servolenkung, Colorverglasung, Kopfstützen im Fond. Und Power.

Angenehm ungestüm zerrten die Pferde des längs eingebauten 5E an den vorderen Antriebswellen. Der Motor war so lang, dass er nur eben so in den Vorderwagen des 100 passte – und dies auch nur, weil die Konstrukteure den Kühler kurzerhand quer neben dem Motor platziert hatten. Mühelos dagegen hatte der gleiche Vorderwagen einen weiterentwickelten Ro-80-Wankelmotor zu Versuchszwecken aufgenommen. Doch dieses Kapitel beendete Ferdinand Piëch, damals Audi-Entwicklungschef, als er auf der Promotiontour des Wankel-Audis in Amerika den Journalisten einfach die Hauben und Türen vor der Nase zuschlug und das Auto absperrte. So blieb den Audi-Spitzenmodellen der (ein Zufall?) von Piëch konstruierte Fünfzylinder vorbehalten. Die Maschinen waren langlebig und vollgasfest, allerdings trug der Vergaser-5S seine inoffizielle Bezeichnung "S für Strudel im Tank" nicht zu Unrecht. Er soff ungebührlich, der stärkere Bruder wies immens manierlichere Trinksitten auf.

Der angebotene CD 5E, Baujahr 1980, ist bereits ein geliftetes Modell mit herumgezogenen Chromstoßstangen und weißen Blinkergläsern. Er trägt die klassische Farbe des Jahrzehntwechsels, Inarisilbermetallic, und ist auch sonst ein typischer Vertreter seiner Generation: Durchrostungen und Rost an Dämpferdomen, Schwellern und Radläufen. Das sind alte Bekannte für Kenner dieser Modellgeneration, und sind die Schäden nicht schon zu weit vorangeschritten, ist's auch halb so schlimm. Aber: Der Audi Typ 43 gehört zu den Fahrzeugen, in denen der Gilb immer wieder kommt, sobald er sich erst einmal eingenistet hat. Man muss also, eine nicht allzu zimperliche Nutzung vorausgesetzt, damit rechnen, alle zwei Jahre erneut das Schweißgerät ansetzen zu müssen. Das klingt anstrengend und ist es auch. 

Ansonsten ist der Audi unkaputtbar. Motor und Mechanik sind Dauerrenner, Verschleißteile günstig zu bekommen. Ein sensibles Thema sind die Innenausstattungen, die nur noch äußerst schwer zu beschaffen sind. Finger weg von runtergerittenen Exemplaren, denn die oftmals ausgefransten Bezugsstoffe, UV-Licht-empfindlichen Kunststoffe und klapprigen Haltegriffe etc. sind Konsequenz der minderern Materialqualität, die Audi damals verbaute. Es sollte noch eine Fahrzeuggeneration dauern, bis die Ingolstädter zu den Stuttgarter Sternenfahrern aufschließen konnten.

Der angebotene 100 weist diese Verbrauchsspuren weder im Außenbereich noch beim Interieur auf. Außerdem ist das Fahrzeug original und komplett, bis hin zu den originalen CD-Alufelgen, Nebelscheinwerfern und Waschhörnern. Wichtig: Die schwer zu beschaffenen Chromstoßstangen sind weder verbeult noch hoffnungslos korrodiert. Alles in allem ein spannendes Angebot, bei dem der geneigte Limousinenfan der Vier Ringe und fünf Zylinder gezielt mitbieten solte. 

Das Angebot finden Sie hier.