Airbag und Gurtstrammer: Weltpremiere im März 1981

Airbag und Gurtstrammer: Weltpremiere im März 1981

Mercedes-Benz stellt 1981 als weltweit erster Automobilhersteller die Rückhaltesysteme Airbag und Gurtstrammer in einem Serienautomobil der Öffentlichkeit vor. Diese beiden Meilensteine für die passive Sicherheit haben auf dem Automobil-Salon Genf im März 1981 in einer S-Klasse Limousine der Baureihe W 126 Premiere.

2011 feiern wir bereits 125 Jahre Auto. Hinter uns liegt ein langer Weg mit bahnbrechenden Erfindungen und zahlreichen Innovationen. Besonders im Bereich der Insassen-Sicherheit haben die stetigen Verbesserungen wie Airbag und Gurtstraffer schon zahlreiche Menschenleben gerettet.

Mit dem Mercedes-Benz W 126 beginnt 1981 bei Mercedes-Benz die Einführung des modernen Airbags als Element der passiven Fahrzeugsicherheit in das gesamte Personenwagen-Programm: Bereits 1982 sind Airbag und Gurtstrammer als Sonderausstattung für alle Mercedes-Benz Personenwagen lieferbar. Bis zum Jahr 1992 wird der Fahrerairbag Serienausstattung in allen Mercedes-Benz Modellen, 1994 folgt der Beifahrerairbag als serienmäßiges Sicherheitsmerkmal, danach verwirklicht Mercedes-Benz zahlreiche weitere Anwendungen der Airbag-Technik.

Die Forschung am Airbag startet bei Mercedes-Benz im Jahr 1966, praktische Versuche beginnen 1967. Damit reagiert der Hersteller seinerzeit auf die stark steigenden Unfallzahlen in den 1960er Jahren. hat bereits in den Jahren zuvor durch Innovationen wie die Sicherheitskarosserie mit gestaltfester Fahrgastzelle und Knautschzonen an Front und Heck Maßstäbe für die passive Sicherheit gesetzt. Der Airbag wird ebenfalls ein entscheidender Baustein im kontinuierlichen Einsatz der Marke für die Verbesserung der Fahrzeugsicherheit.

Phasenfoto der Funktionsweise von Lenkrad-Airbag und Gurtstraffer, 1981

Zusätzliches Gewicht bekommt die Forschung am neuen Rückhaltesystem durch den Plan der Vereinigten Staaten von Amerika, vom Jahr 1969 an für jedes Auto ein automatisches Insassenschutzsystem vorzuschreiben. Airbags gelten als eine vielversprechende Technik, um die neuen gesetzlichen Anforderung einlösen zu können. Das Prinzip des Luftsacks, der Fahrer und Passagiere bei einem Unfall schützt, ist schon in den 1950er Jahren zu Patenten angemeldet worden. Wegbereiter waren hier vor allem der Deutsche Walter Linderer (Patent DE 896312 vom 6. Oktober 1951) und der Amerikaner John W. Hedrik (Patent US 2649311 vom 18. August 1953).

In den 60er Jahren wurde von zahlreichen Automobilherstellerun und Zulieferern Grundlagenforschung betrieben um den Airbag reif für den Serieneinsatz zu machen. Vor allem die Sensorik und Gaserzeugung stellten die Ingenieure vor große Herausforderungen.  In den USA werden bereits erste Testwagenflotten mit druckluftbetriebenen Airbags ausgeliefert. In Deutschland setzt man Treibsätze und nicht auf unter Druck gespeichertes Gas. 

Bereits 1970 berichtet Mercedes-Benz in einem Brief an ein deutsches Auto-Fachmagazin aus der Erfahrung der Unfallversuche: „Die Wirksamkeit des Luftsack-Systems in Verbindung mit einem Beckengurt und einer Kopfstütze beim Frontal- beziehungsweise Heckaufprall kann als gut bezeichnet werden.“

Erste Erprobungen des Airbags im Frontalunfall, 1969 Erste Erprobung des Airbags im Frontalunfall 1969 Foto: (c) Daimler AG

Von 1967 an laufen die praktischen Versuche zur Gaserzeugung mit Chemikalien, wie sie so ähnlich auch als Festtreibstoff für Raketen verwendet werden. Im Gegensatz zu mit Gas gefüllten Patronen erweist sich diese Form der Treibladung als zuverlässiger und schneller Gaserzeuger. Die zentralen Erkenntnisse der frühen Versuche gehen in das Patent DE 2152902 C 2 ein, das die damalige Daimler-Benz AG am 23. Oktober 1971 anmeldet.

Seine volle Leistung, das zeigen die Versuche bald, erreicht der Airbag tatsächlich nur in Kombination mit dem Sicherheitsgurt. Und der Gurt spielt auch bei der zweiten Innovation eine entscheidende Rolle, die Mercedes-Benz 1981 in Genf vorstellt – dem Gurtstrammer. Ursprünglich für den Beifahrer entwickelt gehört auch dieser schnell zur Serienausstattung moderner Fahrzeuge.

Das erste Serienfahrzeug ausgestattet mit Airbag und Gurtstrammer ist die S-Klasse der Baureihe 126 von [[Mercedes-Benz]]. Die Sonderausstattung kostete damals 1525 DM. Zum Vergleich: Das damalige Spitzenmodell, der MB 500 SEL, kostet im Juli 1981 rund 61.000 Mark.

Damit tritt der Airbag seinen Siegeszug an. Beide Systeme werden stetig weiter entwickelt so folgte z.B. der Gurtstraffer mit Gurtkraftbegrenzern, Seitenairbags und zahlreiche weitere Innovationen. 

Fotos: (c) Daimler AG
Quelle: Daimler AG