Vorstellung: Clio V6 Phase 2 (2003 - 2005)

Vorstellung: Clio V6 Phase 2 (2003 - 2005)


>>le superbe Clio<<

Ein Clio mit 254 PS, Mittelmotoranordnung und 250 Km/h Spitze ? Naturgemäß wird jetzt mit der Stirn gerunzelt, denn dieser Clio hat so gut wie nichts mit seinen Artgenossen gemein.

Design und Formensprache

So richtig unscheinbar ist er nicht, der Kleine. Die pausbackige Karosserie mit extrovertierter Luftansaugung vor den hintern Kotflügeln in Kombination mit der doppelflutigen Auspuffanlage unterscheidet ihn deutlich von den zivileren Clio-Brüdern. Renault Sport Fans sehen hier sogar einige Parallelen zum legendären Renault 5 Turbo, welche ebenfalls pausbackig und übermotorisiert daherkam.

Im Innenraum hat man sich bemüht, die Serienausstattung möglichst hochwertig erscheinen zu lassen. Geglückt ist das allerdings nur bei den mit Alcantara aufgewerteten Sitzen und der Alupedalerie. Die Verwandtschaft zur kostengünstig produzierten Großserie lässt sich hier leider nicht vereiteln.

Motor und Fahrdynamik

Der kräftige Motor stellt bereits im Keller seiner Drehzahlen ein solides Drehmoment zur Verfügung und lässt den Clio daher auch leichtfüßig nach vorne sprinten. Oberhalb von 6000 Umdrehungen fühlt sich der Motor aber zugeschnürt und zahnlos an. Schuld daran trägt der aus der Großserie entnommene V6 Motor, welcher eher auf Drehmoment als auf Drehzahl ausgelegt ist. Spaß macht er trotzdem, denn der Klang des direkt hinter dem Fahrer sitzenden Motors macht geradezu süchtig. Die Höchstgeschwindigkeit in Höhe von 250 Km/h und eine Beschleunigung von 5,8 s von 0-100 Km/h machen zwar Spaß, sind aber bei genauerer Betrachtung verhältnismäßig durchschnittlich. Der Haken ist das hohe Gewicht des rundum verstärkten Clio V6. Sage und schreibe 1.475 Kg Leergewicht wuchtet der kleine Rennzwerg auf die Waage.

Ein kurzer Radstand gepaart mit dem Mittelmotorprinzip lässt bereits erahnen, wie sich der Clio V6 fährt. Man könnte auch sagen, dass ein Brummkreisel im Grenzbereich mehr Vertrauen suggeriert. Dies ist auch der Grund dafür, warum der Clio V6 beim Test von TV-Legende „the Stick“ in den Graben pilotiert wurde. Die Gewichtsverteilung von 40/60 tut dabei ihr Übriges. Trotzdem lässt sich der Clio ausgeglichen und sanft auf der Autobahn, selbst bei hohen Geschwindigkeiten, fahren. Nur von spitzen Kurvenwinkeln, insbesondere auf nasser Fahrbahn, sollte man Abstand nehmen. Er ist eben mehr GT als Kurvenflitzer.

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Eine Frage des Standpunkts

Die Höchstgeschwindigkeit fasziniert, die theatralische Beschleunigungsakustik macht süchtig und die optische Erscheinung zaubert jedem benzinbegeisterten Menschen ein Lächeln ins Gesicht. Doch die fehlende Alltagstauglichkeit und der hohe Preis in Höhe von 39.000 EUR stießen bei vielen potentiellen Käufern auf Unverständnis. Die abgesetzte Menge von weltweit nur 2.900 Exemplaren bestätigt dies noch einmal mehr.

Wer sich für diesen Clio interessiert, achtet eben nicht auf derartige Details. Antrieb ist viel mehr der Wunsch, den wahrscheinlich letzten Clio-Exoten mit Mittelmotorprinzip zu ergattern. Dabei ist dann auch egal, dass die Ersatzteilpreise (wenn das gewünschte Teil überhaupt noch zu beziehen ist) auf Porscheniveau liegen.

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Fazit:

Im Prinzip ist dieses Auto das genaue Gegenteil seiner zivileren Großserien-Brüder. Kein nennenswertes Kofferraumvolumen, keine Rücksitzbank, hoher Spritverbrauch, geringer Alltagsnutzen und  ein hoher Preis lassen nur eine Schlussfolgerung zu: Kaufen! Denn dieser Clio ist der letzte seiner Art. Leider muss man davon ausgehen, dass derartige Exoten-Konstrukte der Renault Sport Abteilung in Zukunft dem Rotstift zum Opfer fallen werden. (So zu sehen auch am Beispiel des Clio R.S. 16).

Text: Carsablanca Redaktion
Bilder: Renault Press