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DeLorean

DeLorean

Ein umweltschonendes Auto wollte er bauen, verkündete John Zachary DeLorean recht vollmundig. Der Mann war zweifellos ein Visionär, denn anno 1974 sprach kaum einer von Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung – jedenfalls gewiss kein Manager der Autoindustrie.

Sein Autoprojekt war sicherlich gut gemeint. DeLorean war ein Automensch durch und durch, einer jener Car Guys, ohne die die Autoindustrie nicht auskommen kann. Er hatte für Chrysler und Packard gearbeitet, bevor er 1956 zu Pontiac kam, wo er erheblichen Einfluss auf den fulminanten GTO nahm. 1965 war er Vizepräsident bei Pontiac, 1972 Vorstand der Automobil- und Nutzfahrzeugsparte bei General Motors. 1974 war er draußen – wahrscheinlich wollte sich der Konzern nicht seinen Vorstellungen fügen. Er rechnete mit einem bitteren Buch ab (“On a clear day you can see General Motors”), hatte sicherlich mit vielen Kritikpunkten Recht, machte sich damit aber die gesamte US-Autoindustrie zum Feind. Das waren schlechte Voraussetzungen für sein eigenes Projekt, mit dem er zeigen wollte, dass Autos haltbar, schön, sicher und zugleich ökonomisch sein konnten.

Widerstand führte Delorean ins Ausland

In seiner Heimat traf DeLorean deshalb auf massive Widerstände, da würde er nie mehr ein Bein auf den Boden bekommen. So wandte er sich ans Ausland. Der glücklichste Kontakt dabei war der Designer Giorgio Giugiaro , dessen Firma Italdesign die Karosserie zeichnete. Lotus in England übernahm die technische Entwicklung, und damit ging es bergab. Als europäische Ingenieure den ursprünglich vorgesehenen Wankelmotor für unbeherrschbar erklärten, brauchte DeLorean dringend eine Alternative. Die fand er im Douvrin-V6 , auch Euromotor genannt, weil er eine gemeinschaftliche Entwicklung von Peugeot , Renault und Volvo ist. Einen Standort für sein Werk zu finden, war deutlich schwieriger. Schließlich schloss DeLorean mit der britischen Regierung ein Abkommen: Das DeLorean-Werk mit 3000 Arbeitsplätzen würde nahe dem nordirischen Belfast entstehen. Die englische Regierung hoffte, durch neue Arbeitsplätze ein wenig Ruhe in diese strukturschwache und von Bürgerkrieg zerrissene Region zu bringen, und ließ sich das Projekt enorme Summen kosten.

Anfang 1981 lief die Produktion an, zunächst noch sehr stockend. Doch ein Wunder hätte geschehen müssen, um den DeLorean DMC -12 zu einem erfolgreichen Produkt zu machen: Das Chassis hatte die Quaitätsmängel von Lotus ohne dessen technische Brillanz; der Motor galt in den Limousinen von Peugeot, Renault und Volvo als anfällig und temperamentlos; die Edelstahlkarosserie verhält sich wie eine Küchenspüle – sie rostet nicht, aber jeder Tropfen Wasser, jeder Fingerabdruck will sorgfältig auspoliert werden, damit die Oberfläche nicht stumpf und schmierig aussieht; die Belegschaft im Werk machte keine Anstalten, während der Arbeitszeit den Bürgerkrieg ruhen zu lassen, den sie in ihrer Freizeit betrieb.

Schlechte Nachrichten aus den USA

DeLorean hatte eine enorme PR-Maschine angeworfen, die Zündschlüssel zu den ersten ausgelieferten Fahrzeugen wurden den Vertragshändlern aus den Fingern gerissen – und bald schon wieder zurückgegeben. Eine derartige Häufung von Macken und Mängeln mochte selbst die geduldige US-Kundschaft nicht hinnehmen. Als der DMC -12 endlich in vorgesehener Stückzahl vom Band lief, war der US-Markt zusammengebrochen. In den Häfen an der Ostküste füllten sich die Halden mit DeLorean-Wagen. Die britische Regierung, inzwischen unter Premierministerin Thatcher , erkannte keinen Gewinn in den ausufernden Subventionen und strich die Gelder ersatzlos. Im Oktober 1982 übernahmen die Insolvenzverwalter das Werk und ließen die Presswerkzeuge im Meer versenken, auf dass nie wieder ein DMC -12 entstehen möge. John Z. DeLorean hatte seine Fortüne endgültig verloren. Bis zu seinem Tod im März 2005 musste er sich immer wieder vor Gericht verantworten, in Großbritannien lag lebenslang ein Haftbefehl gegen ihn vor. “Gut gemeint” – das steht auf vielen Wegweisern in Richtung Hölle.

DeLorean Modelle

  • DMC-12

    Was für ein Auto! Welch eine Pleite. Giorgio Giugiaro , der große Autodesigner, hat viele ...