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Bristol

Bristol

Ursprünglich ist die Bristol Aircraft Company ein britischer Flugzeughersteller. Im September 1946 begann man auch mit der Produktion von Autos. Der Autozweig koppelte sich später vom Luftfahrtunternehmen ab. Ein Bristol ist unverwüstlich, für viele ein handwerkliches Meisterstück. Insgesamt sind bisher nur 9.400 Bristols gebaut worden. Es gibt nur einen Showroom in der Kensington High Street in London. Und ein Händlernetz? Wer einen Bristol kaufen will, muss sich schon in der Kensington High Street bequemen.

Der Ursprung: Ein Flugzeugproduzent

Die 1910 von Sir George White gegründete Bristol Aeroplane Company in Filton bei Bristol gehörte zu den bekanntesten britischen Flugzeugproduktionsfirmen zwischen den beiden Weltkriegen. Sie produzierte für die Royal Air Force die leichten bis mittleren Bombermodelle Bristol Blenheim und Beaufighter. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stellte die Firma Zivilflugzeuge wie Freighter, Brabazon und Brittania sowie Flugzeugmotoren her. Doch der rapide Rückgang der Auftragslage zwang Bristol sich neuen Betätigungsfeldern zuzuwenden.

Hinwendung zum Automobilbau

Bristol entschloss sich – ähnlich wie Saab – in den Automobilbau einzusteigen, zunächst als Bristol Aeroplane Company (Car Division). Die Briten erwarben daraufhin die Rechte an einigen Entwürfen von Vorkriegs- BMW -Modellen. So entstand diese Firma aus einer Partnerschaft zwischen Bristol Aeroplane Company Ltd und AFN Ltd., dem Hersteller von Autos der Marke Frazer Nash, der vor dem Krieg BMW -Konzessionär in Großbritannien gewesen war. 1945 nahm Bristol/AFN mehrere BMW -Konstruktionen als Kriegsreparation in Besitz.
Das kam so: Mitte der dreißiger Jahre hatten die Gebrüder Aldington, die unter dem Markennamen Frazer-Nash selbst Sportwagen in geringer Stückzahl herstellten, die BMW -Vertretung in Großbritannien übernommen und damit begonnen, die Autos aus Deutschland als Frazer-Nash- BMW zu vermarkten und BMW -Triebwerke in die eigenen Sportwagen einzubauen. Der Zweite Weltkrieg stoppte diese für beide Seiten gedeihliche Partnerschaft.
Nach dem Krieg wurde sie fortgesetzt, wenngleich unter anderen Vorzeichen: Während des Krieges arbeitete D. A. Aldington durch seine Tätigkeit in einem Ministerium eng mit dem Flugzeughersteller Bristol Aeroplane Co. zusammen, wo man sich mit dem Gedanken trug, nach dem Krieg – sozusagen als zweites Standbein – in die Autobranche einzusteigen.
Daher vermittelte D. A. den Kontakt zwischen seinem Bruder H. J. Aldington und Bristol – mit dem Ergebnis, dass H. J. als einer der Direktoren bei Bristol einstieg. Seine Mitgift: gute Verbindungen zu BMW . So erhielt Bristol dank seines neuen Direktors nicht nur die Konstruktionspläne der BMW -Modelle 327 und 328 als deutsche Reparationsleistungen, sondern noch ein bisschen mehr: der vormals als Konstrukteur für BMW tätige Dr. Fritz Fiedler soll auf Aldingtons Betreiben hin aus der Internierung entlassen worden sein und entscheidend an der Konstruktion des ersten Automodells der neuen Firma beteiligt gewesen sein.
Der Bristol 400 von 1947 hatte den vom BMW 326 übernommenen Plattformrahmen mit Kastenträger und eine auf dem BMW 327/80 basierende Aluminiumkarosserie, wohingegen der 6-Zylinder l.971ccm-Motor mit Umlenkhebeln vom BMW 328 kam. Alle Bestandteile des Fahrzeugs gingen durch das Konstruktionsbüro von Bristol, das die metrischen Maße durch britische ersetzte, mehrerer Modifikation vornahm und besseren Materialien nach Flugzeugbaumassstäben anwendete. Das Auto konnte so von den reichen Erfahrungen profitieren, die Bristol im Flugzeugbau gewonnen hatte.
Dieser Bristol 400 erinnerte nicht nur technisch, sondern auch optisch stark an den BMW 327/328. Erst mit dem 1953 vorgeführten Bristol 404 schwamm sich die Firma endgültig frei: Das sportliche Coupe wartete mit einer wunderschönen Außenhaut auf, deren Linienführung in vielen Details daran erinnern sollte, dass Bristol eigentlich Flugzeuge herstellte!
Der Motor wurde in verschiedenen Versionen bis 1961 produziert (und war bei Autorennen sehr erfolgreich). Von seinen ursprünglich 75PS (85 Version) bis 125 PS (100C und 100D2 für AC) wurde er ständig weiterentwickelt, beim Fahrgestell blieb hingegen alles beim Alten. In Sportwagenversionen wurde er sogar auf bis zu etwa 155PS gebracht (BS4) Doch wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Philosophie währte die Partnerschaft zwischen Bristol und AFN nicht lange. AFN hatte einen von BMW entwickelten 2,5-Liter dohc 6-Zylinder-Reihen-Motor verwenden und einen sportlicheren Wagen als Bristol bauen wollen. AFN wandte sich daher wieder dem Bau von Frazer Nash-Sportwagen zu und wurde später der englische Importeur von Porsche.

Als Flugzeughersteller war Bristol Spezialist für Aerodynamik, und die 401 Sportlimousine mag das erste in einem Windkanal entwickelte Auto gewesen sein. Das ab 1953 gebaute 404 Coupé war das erste Auto ohne BMW Niere und hatte auch keine optische Ähnlichkeit mit einem BMW .
Der ab 1954 verkaufte 405 war das erste viertürige Fahrzeug von Bristol. Es war einer der wenigen Wagen auf der Welt, der den ganzen Tag mit einer Reisegeschwindigkeit von 150 km/h und vier Insassen fahren konnte. Der 405 war aber der letzten Serienwagen, der mit dem 2-Liter-Motor von BMW 328 bestuckt war, wenn man vom 2216-ccm-Motor des Bristols 406 einmal absieht. Indes, auch dieser Motor (110) mit seinen Zylinderabmessungen von 68,69 × 99,64 mm basierte auf dem 328-Aggregat.
In Januar 1956 ging Bristol Cars als hundertprozentige Tochter aus der Bristol Aeroplane Company hervor.
Um 1960 wurde die Flugzeugindustrie von der Regierung, die Hauptauftraggeber war, gezwungen sich zu rationalisieren und die Tage unabhängiger Hersteller waren vorbei. Zu dieser Zeit fanden zahlreiche Fusionen statt (Bristol Aircraft zum Beispiel fusionierte mit Vickers und English Electric zu British Aircraft Corporation und Bristol Engines mit Armstrong-Siddeley Engines zu Bristol-Siddeley Engines Ltd) und internationale Projekte standen an. Bristol wurde der britische Partner bei der Produktion der Concorde. Heute ist Filton ein Standort von Airbus UK und Rolls-Royce.
Ein Unternehmenszweig für Luxuswagen machte keinen Sinn mehr. Zudem standen keine Mittel für die Produktion eines 3,65-Liter dohc-6-Zylinder-Reihenmotors zur Verfügung. Sir George White, Präsident von Bristol Aircraft und verantwortlich für die Entwicklung des Motors, kaufte die Bristol Cars Ltd. Der ehemalige Rennfahrer Tony Crook, bei vielen Autorennen Sieger in einem Frazer Nash-Bristol, wurde Direktor und 1966 Teilhaber. White zog sich 1973 zurück und überließ es Tony Crook, Bristol’s Geschicke zu lenken. Er konzentrierte sich auf die mit Chrysler-Motoren ausgestatteten Luxus-Autos, eine Produktlinie, mit der 1962 begonnen wurde.
Basis für diese Modelle war eine Weiterentwicklung des Originalfahrgestells des BMW 326, versehen mit einem V8-Motor von Chrysler und Automatikgetriebe. In den letzten Jahren wurden sie in kleinen Stückzahlen produziert. Wenngleich viele Interessenten den Eindruck hatten, dass der Stil der Karosserie und die Qualität dem hohen Preisniveau nicht gerecht wurden, war ein Bristol ein solides, gut aussehendes Auto, dessen Linienführung von einem Zagato-Design abgeleitet war. Das Auto war nicht als Sportwagen konzipiert, war aber komfortabel genug, um einen leitenden Angestellten stilvoll und schnell von einem Termin zum anderen zu befördern. Es hatte einen klaren, konkurrenzlosen Platz auf dem Markt.

Bristol Cars heute: Konzentration auf exklusive Kleinserien

Nach 1973 war Tony Crook der alleinige Eigentümer der Firma. Im Jahr 2001 verkaufte er die Firma jedoch an den Geschäftsmann Toby Silverton, um sich 2007 in Alter von 87 endgültig zu Ruhe zu setzen. Crook und Silverton haben die Tradition, sehr hochwertige Autos in kleine Serie zu bauen, bis heute fortgesetzt. Getreu dem Motto „nie mehr als drei pro Woche“.
Zum Produktportfolio zählen 2008 der Blenheim 3 (ein viersitziges Coupé), der Fighter (schneller Zweisitzer mit 8 l V10 Motor) und der Blenheim Speedster (Zweisitzer-Cabrio im Retro-Design). Die Herstellung des Kleinserienherstellers erfolgt weitgehend in Handarbeit und auf Bestellung. Der heutige Firmensitz liegt in Kensington High Street, London. Dort gibt es auch ein Showroom. Das Werk befindet sich in Filton bei Bristol und der einzige offizieller Werkstatt in Chiswick, West London.
Es ist bemerkenswert, dass noch heute der Name Bristol auf den exzellenten konstruierten Autos aus Filton basiert. So konnte die vor über 60 Jahren begründeten Traditionen gewahrt werden, obwohl kein Flugzeug mehr den Namen Bristol trägt.

Bristol Modelle

  • 412

    Warum mussten die wackeren Mannen von Bristol sich ausgerechnet an Zagato wenden? ...

  • Britannia


  • 406