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Bricklin

Bricklin

Wenn die Nächte lang werden, die Cocktails bunter, die Damen auch, und trotzdem der Kontostand nicht sinken will – dann kommt man auf seltsame Ideen. Zum Beispiel ein Auto zu bauen. Als Vorbild für Umweltfreundlichkeit und Sicherheit. Mit Flügeltüren. Nein, die Rede ist nicht von John Z. DeLorean. Malcolm Bricklin, ebenfalls ein Automann mit sehr kantigem Kinn, hatte das bizarre Schickal, dieselbe Havarie zu erleiden wie DeLorean , nur ein halbes Jahrzehnt eher.

Die Parallelen sind mehr als seltsam, sie sind gespenstisch: Malcolm Bricklin hatte sein Vermögen mit der Gründung des US-Vertriebs für Subaru gemacht. Bevor er nun der Langeweile verfiel, beschloss er, die Welt mit einem besseren Auto zu beglücken. Zumindest hatte er den Verstand, den Motor vorn unter die Haube zu setzen. Ein US-V8 sollte es sein, vom Standpunkt der Teileversorgung und Wartung sinnvoll – zuerst nahm er ein AMC -Aggregat, später eins von Ford . Die Karosserie besteht aus GFK , mit eingefärbtem Harz, was die Lackierung erspart, dafür schwer zu verarbeiten ist. Die vorderen Räder sind immerhin einzeln aufgehängt, hinten rumpelt eine Starrachse an Blattfedern. Auf den zweiten Blick fällt die vordere Stoßstange ins Auge, die sich idealerweise höflich in den Wagenbug zurückzieht, wenn ein Passant im Weg steht. Die Krönung aber: Flügeltüren. Warum denn nur? Jedes dieser Dinger wiegt 47 Kilo, der Hebemechanismus fällt gern aus und wenns regnet, regnets auch drinnen.

*Eine Fabrik geschenkt
*

Insgesamt wiegt das Bricklin SV-1 (Safety Vehicle 1) knapp 1,6 Tonnen, weshalb die auf Emissionsarmut gedrosselten V8 richtig die Ärmel hochkrempeln müssen, damit sich überhaupt was tut. Heute würde ein Bankmanager Herrn Bricklin hohnlachend zur Tür begleiten, wenn der mit seinem Anliegen käme. Damals fand er in Kanada einen passenden Notstand (ähnlich wie später John DeLorean in Großbritannien). Dort, am Rand von Montreal im abtrünnlerischen Quebec, hatte nämlich Renault ein Werk geschlossen und viele Arbeitslose hinterlassen. So bekam Bricklin viel Geld und eine Fabrik.1974 begann die Produktion – nur zwei Jahre nachdem Malcolm Bricklin den ersten Prototypen zusammengezimmert hatte. Entsprechend nervtötend waren die Autos – Bricklin fehlte einfach das Know How des Autobaus. 1975 war Schluss nach nicht einmal 3000 Einheiten. Malcolm Bricklin widmete sich danach solch inspirierten Projekten wie der Einführung des Wankelmotors und des Zastava Yugo in die USA .

Bricklin Modelle