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Brennabor

Brennabor

Die Gebrüder Reichstein gründeten 1871 in Brandenburg/Havel ein Werk zur Herstellung von Kinderwagen und ähnlichem Gerät. Ihrem Werk gaben sie den sorbischen Namen ihrer Heimatstadt. Bald kam Fahrradproduktion hinzu (die die Automobilherstellung lange überdauern sollte), gefolgt von Motorrädern und 1908 Dreirädern nach dem Modell der Cyclonette, mit Motor über dem gelenkten Vorderrad. Im selben Jahr stellte Brennabor das erste Serien-Vierradauto auf die Räder, den Typ B1.

In dichter Folge brachte man nun eine Reihe Vierzylinderwagen, die sich auch bei Sportveranstaltungen recht ordentlich schlugen und entsprechend gut verkauften. Kurz vor Kriegsausbruch erschien der erste wirklich fortschrittliche Brennabor, der Typ M3 5/15 PS. Nach Beendigung der Kampfhandlungen übernahm die zweite Generation der Reichstein-Familie die Firma. Besonders Eduard Reichstein beeinflusste die folgende Entwicklung: Im Verlauf eines langen Aufenthaltes in den USA hatte er amerikanische Produktionsmethoden studiert, die er nun auf das eigene Werk übertrug. Er reduzierte das Angebot auf zwei Typen, die nach Kundenwunsch ausgestatten werden konnten, und strukturierte die Fertigung so um, dass eine Großserie möglich wurde.

Die modernste Autofabrik Deutschlands

Damit war Brennabor 1921 die modernste und leistungsfähigste Autofabrik Deutschlands und rangierte selbst im europäischen Vergleich nah an der Spitze. Drei Jahre später führte Opel in Rüsselsheim die Fließbandfertigung ein, was Brennabor auf den zweiten Platz zurückwarf. Im Bestreben, einen tragfähigen Vertrieb und Service zu etablieren, schloss man sich 1928 mit NAG und HansaLloyd zu einer Gemeinschaft zusammen – die allerdings nicht den gewünschten Erfolg brachte. Das mochte mit der Weltwirtschaftskrise zu tun haben, die Ende desselben Jahres einsetzte. Opel genoss zu der Zeit bereits Unterstützung aus Detroit, während Brennabor voll von der Krise getroffen wurde. Es folgten Versuche mit Frontantriebsautos und einem aufwendigen Achtzylinder, jedoch half es nichts. 1932 lag die Fertigung acht Monate lang still; 1933 versuchte man einen Rettungsversuch mit dem Kleinwagen Typ D, auch ohne Erfolg. Im selben Jahr stellte Brennabor die Autoproduktion ein, produzierte weiter Fahrräder und erlitt später schwere Bombenschäden. Die Reste des Werks wurden später ins IFA -Traktorenwerk Brandenburg eingegliedert.