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Bentley

Bentley

Als Walter Owen Bentley 1919 seine eigene Automobilmarke gründete, wollte er schnelle Sportwagen für das britische Königreich bauen. Der begeisterte Rennfahrer hatte bis zu diesem Zeitpunkt gemeinsam mit seinem Bruder einen Autoimporthandel betrieben und wollte mit seinen eigenen Fahrzeugen anderen Geschwindigkeitsenthusiasten ein entsprechendes Fahrzeug anbieten.
Das erste Modell, welches das neue Bentley Werk in Cricklewood/London verließ, war ein Bentley 3 L. Dieser erreichte damals die magische Geschwindigkeitsgrenze von 100 Meilen, was sehr ungewöhnlich für ein Serienfahrzeug war. Insgesamt verkaufte Bentley 1622 Fahrzeuge von diesem Modell, wahrlich keine Großserie. Das war auch nicht die Absicht, die hinter Bentleys Modellpolitik stand. Vom Nachfolgemodell Bentley 6 ½ wurden gerade einmal 545 verkauft. Trotz dieser geringen Verkaufszahlen erlangte Bentley zahlreiche Erfolge im Rennsport. Legendär wurden die Bentleys durch ihre Mehrfachsiege im 24h-Rennen von Le Mans, die sie insgesamt fünf mal gewannen. Kein Konkurrent konnte zu dieser Zeit mit den robusten Autos der britischen Sportwagenmarke mithalten, was bei Langstreckenrennen wie dem in Le Mans entscheidend für den Sieg war.
Allerdings hatte die Marke, genau wie die meisten Hersteller in der Automobilbranche, gegen Ende der 20er Jahre Absatzprobleme, dazu kamen die hohen Produktionskosten. Die extravaganten und teuren Bentleys waren zwar technisch sehr ausgereift, dennoch konnte die kleine Automarke den Konkurs im Jahr 1931 nicht mehr abwenden. Die Käufer solcher Fahrzeuge waren zur Zeit der Weltwirtschaftskrise rar gesät und die Investoren Bentleys sahen keine Zukunft mehr in der Marke. So kam das unausweichliche Ende von Bentley.

Schlimmer hätte es nicht kommen können

Nicht dass die Pleite seiner Firma für W.O. Bentley schon genug gewesen wäre, nach der Insolvenz kaufte der Konkurrent Rolls Royce die Marke samt Namensrechten auf. Dies konnte der Firmengründer nicht verkraften und verließ 1935 die Firma. Fortan wurde die Produktion der Bentleys nach Derby (30km westlich von Nottingham) ins Stammwerk von Rolls Royce verlagert. Technisch basierten die jetzt entwickelten Modelle größtenteils auf Rolls Royce Technik, wie der Bentley 3 ½ L und der 4 ¼ L. Die einst angestrebte Sportlichkeit der frühen Bentleys wurde von den neuen Hausherren nicht mehr berücksichtigt. Während des 2. Weltkrieges ruhte die Produktion und man baute erst nach dem Krieg wieder Autos, fortan jedoch im neu gebauten Werk in Crewe, 45km südwestlich von Manchester.
1946 erschienen dann der Bentley Mark VI und der legendäre R-Type. Anfang der 60er Jahre wurden neue V8 Motoren von Rolls Royce mit 6230 ccm entwickelt. Diese Motoren hatte man auch in den neuen S-Typen von Bentley verbaut. Die Bentleys unterschieden sich mittlerweile technisch nicht mehr von einem Rolls Royce, einzig der Kühlergrill verwies noch auf die ehemalige Sportwagenschmiede.
Markengründer W.O. Bentley wechselte nach der Übernahme von Rolls Royce zur englischen Automobilfirma Lagonda, welche 1947 in die englische Automarke Aston Martin integriert wurde. Er starb im August 1971 im Alter von 83 Jahren.

Ein neuer Aufschwung

Ende der 80er Jahre erlebten die Modelle von Bentley einen unerwarteten Aufschwung. Erstmals seit der Übernahme verkauften sich mehr Bentleys als Rolls Royce. Dies resultierte aus der neuen Eigenständigkeit der Marke und der Besinnung auf ihre sportlichen Wurzeln. Fortan gewann die Marke Bentley mit sportlichen Modellen, wie etwa dem Continental T, weitere Marktanteile. Zielgruppe waren unter anderem luxusverwöhnte Rolls Royce Fahrer, die lieber selbst hinter dem Steuer sitzen wollten, anstatt chauffiert zu werden. Mit einem Bentley waren sie in der Lage, das Auto trotz des hohen Gewichtes auch einmal schnell zu bewegen, und mussten trotzdem nicht auf den gewohnten Komfort verzichten. Die Bentleys von heute besitzen turboaufgeladene großvolumige Motoren mit einem gewaltigem Drehmoment, die den Spagat zwischen Sportlichkeit und Komfort in einer Luxuskarosserie schaffen.
1998 wurde das Unternehmen Rolls Royce inklusive Bentley vom Mutterkonzern Vickers an VW verkauft. Einzig die Namensrechte an der Marke Rolls Royce gingen an BMW , dem einzigen Mitinteressenten.
Mittlerweile hat Bentley in der Luxusklasse eine große Anhängerschaft gefunden, nicht zuletzt durch die einzigartige Kombination von Sport und Luxus. Mit dem Flying Spur entwickelte Bentley, wie schon in den 50er Jahren, die derzeit schnellste in Serie gefertigte Limousine der Welt. Mit 312 km/h lässt sie die meisten Sportwagen hinter sich.
Bentley ist bis heute Hoflieferant für das Britische Königshaus, ein Ausdruck für die Qualität der Bentleys, die immer noch in Handarbeit hergestellt werden. Viel wichtiger aber für die Marke war die erneute Teilnahme bei den 24 Stunden von Le Mans im Jahr 2001 unter Audi. 2003 konnte Bentley an die Rennsporterfolge der 20er Jahre anknüpfen und wiederholte den Sieg bei diesem traditionsreichen Rennen. Damit war die Rückkehr zu den sportlichen Wurzeln der Marke gelungen.

Bentley Modelle

  • 3 1/2 litre

    Nach der Übernahme von Bentley durch Rolls-Royce 1931 rang sich die Firmenleitung zu einer ...

  • R-Type

    Der Bentley R-Type stellt den direkten Nachfolger des revolutionären und gleichermaßen ...

  • Corniche


  • R Turbo


  • Mk VI


  • Speed Six


  • 4 1/2 litre

    Mit dem 4 ½ litre stellte Walter Owen Bentley 1927 den finalen Entwicklungsschritt seiner ...

  • T


  • S


  • Mulsanne


  • Mk V