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AC

AC

Mehr als nur Cobra

Wer heute von der Marke AC spricht, meint eigentlich die Cobra, entstanden in den frühen Sechzigern in Zusammenarbeit mit dem Texaner Carroll Shelby und seitdem in einer unüberschaubaren Anzahl von mehr oder weniger guten, mehr oder weniger offiziellen Neuauflagen bis heute produziert. So ist die Cobra auch heute noch Produkt der AC Cars Group Ltd., die bis vor kurzem ihren Sitz in Hal Far auf Malta hatte, jetzt aber wieder nach England zurückkehren will.
Es war das Jahr 1903, als die Marke, die später als Auto Carriers Ltd. firmieren sollte, auf der Motorshow in Crystal Palace ihr erstes Fahrzeug vorstellte. Der Tourenwagen mit 20 HP trug noch den Namen der Gebrüder Weller, deren Geldgeber Portwine allerdings nicht mit dem Bau eines so teuren Fahrzeugs einverstanden war. Statt dessen regte er an, ein kleines Lastendreirad zu bauen. Das so entstandene und ab 1904 produzierte Fahrzeug trug den Namen Auto-Carrier und der Hersteller firmierte als Autocars and Accessories. Schnell erfreute sich der Wagen einer gewissen Beliebtheit und wurde zum finanziellen Erfolg. 1907 erschien dann eine Passagierversion, die sich A.C. Sociable nannte und statt der Gepäckbox über einen zweiten oder über zwei zusätzliche Sitze verfügte.
1911 zog man um nach Thames Ditton in der Grafschaft Surrey und nannte sich fortan Auto Carriers Ltd. Ab diesem Zeitpunkt benutzte man auch das bekannte AC-Logo. 1913 erschien dann auch das erste „richtige“ Auto, ein sportlicher Zweisitzer mit Antriebsstrang in Transaxle-Bauweise. Doch der Weltkrieg beendete die Autoproduktion dieses AC Ten nach nur 100 Fahrzeugen zugunsten von Granaten.

Entwurf eines Jahrhundert-Motors

Die Produktion von Autos wurde nach dem Krieg wieder aufgenommen und war schnell so erfolgreich, dass die kleine Firma expandieren musste. Ein Grund dafür war sicherlich der von John Weller entworfene neue Sechszylinder mit obenliegender Nockenwelle, der bereits 1919 Prüfstandsläufe absolvierte. Dieser Motor sollte bis 1963 produziert werden und hielt zunächst Einzug im AC Six, welcher als 16/40, 16/56 und 16/66 verfügbar war. Daneben produzierte man den Typ 12 HP mit zugekauften Motoren von Anzani und später Cubitt.
1921 kaufte sich Selwyn Edge, vorher bei Napier, bei AC ein und wurde zum Direktor ernannt. Weller und Portwine stiegen in der Folge aufgrund von persönlichen Differenzen mit Edge aus dem Unternehmen aus, das ab 1922 als AC Cars Ltd. firmierte. Auch das sollte nur bis 1927 halten, als Edge die Firma für £135.000 ganz kaufte und als AC (Acedes) Ltd. weiterführte. Die Verkäufe waren aber trotzdem weiter stark rückläufig und die Weltwirtschaftskrise von 1929 tat ein Übriges, um die Firma in den Konkurs zu zwingen. In den folgenden Jahren entstanden noch eine Handvoll Fahrzeuge, die man aus Lagerbeständen zusammenschraubte. Erst 1932 kam eine neue Modellreihe auf den Markt, nachdem man sich mit Standard über die Lieferung von Chassis geeinigt hatte. Der neue AC Six war in den Varianten 16/60, 16/70, 16/80 und 16/90 (mit Arnott-Kompressor) lieferbar und hatte statt des Dreiganggetriebes an der Hinterachse eine Viergangbox, die mit dem Motor eine Einheit bildete. Bis 1940 entstanden gut 600 Fahrzeuge von diesem Typ.

Neuanfang mit staatlicher Unterstützung

Nach dem II. Weltkrieg nahm man die Produktion mit dem 2 Litre wieder auf. Daneben wurde der Bau von Krankenfahrstühlen (bis 1976) mit BSA -Motoren für die britische Regierung zu einer wichtigen Einnahmequelle. Der Petite, ein kleines Rollermobil mit Aluminiumkarosserie, rundete die Modellpalette ab. 1953 erschien der Ace, ein Entwurf von John Tojeiro, den es ab 1957 auch als Ace-Bristol mit dem von BMW adaptierten Bristol-Motor gab. AC nahm mit dem Ace-Bristol 1957 und 1958 auch in Le Mans teil.
Als Bristol 1961 die Produktion eigener Motoren aufgab, musste man bei AC reagieren und bediente sich eines Sechszylinders aus dem Ford Zephyr (AC Ace 2.6), mit dem der Wagen immerhin über 200 km/h Spitze erreichte. Um den Motor überhaupt verbauen zu können, waren Änderungen an Rahmen, Schnauze und Lenkung nötig.
Neben dem Ace gab es seit 1954 auch noch die Coupé-Variante Aceca und den viersitzigen Greyhound auf einem verlängerten Chassis. Deren Stückzahl blieb aber verschwindend gering.

Aus Ace wird Cobra

1962 schließlich kam Carroll Shelby auf AC zu und regte an, einen Ford V8 Small Block in das Chassis des Ace zu setzen. Daraus entstand die Cobra, die es mit der Corvette auf der Rennstrecke aufnehmen konnte und der heute oft die Schuld für die Einführung einer 70 mph-Geschwindigkeitsbegrenzung auf britischen Autobahnen gegeben wird. Ein Cobra-Coupé war damals unangenehm mit 196 mph aufgefallen…
Trotz allem wurden die Cobras in der Rennsaison 1964 von Ferrari deklassiert. Ein größerer Motor musste her. Doch der 390 cui-V8 machte den Wagen absolut unfahrbar, weshalb man sich zum Bau eines neuen verstärkten Chassis entschied, was von AC mit Ford-Hilfe konstruiert wurde und am Ende mit dem 427 cui- NASCAR „Side-Oiler“-V8 zur Cobra Mk III vereinigt wurde. Auch wenn die Homologation für die Saison 1965 scheiterte, wurde diese Cobra zur fast unschlagbaren Waffe, die bis in die 70er Jahre hinein Rennen gewinnen konnte. Für die gesuchteste Cobra-Version sorgte wiederum Carroll Shelby, der Ende 1966 auf 31 unverkauften Rennversionen sitzen geblieben war und diese als Cobra 427 S/C für die Straße veräußerte.

Das Leben nach der Cobra

Bei AC ging die Ära der Cobra mit 27 AC 289 genannten Small-Block-Varianten für den europäischen Markt zu Ende. Man verlegte sich auf die Produktion eines Gran Turismo mit Namen 428, für dessen Design Pietro Frua verantwortlich zeichnete. Das Kleidchen saß auf dem um 150 mm verlängerten Chassis der Cobra Mk III und wurde 1965 in Turin der Öffentlichkeit präsentiert. Durch den Transport der Chassis nach Italien und die Endmontage in England war der Wagen allerdings so teuer, dass bis 1973 nur 80 Exemplare gebaut wurden.
Ein neues Konzept musste her, das sich auch wieder profitabler verkaufen ließ. So kaufte man die Rechte an dem von Peter Bohanna und Robin Stables entworfenen Diablo-Prototypen mit Mittelmotor-Layout und stellte ihn auf der London Motor Show 1973 leicht abgewandelt als AC ME3000 vor. Bis zur Serienreife dauerte es bis 1976, doch dann scheiterte der Prototyp an den neuen Crashtests, so dass die ersten Fahrzeuge als 3000 ME erst 1979 ausgeliefert werden konnten. Doch die Konkurrenz war inzwischen in Form des Lotus Esprit auch im eigenen Land stark und so musste die Firma 1984 nach gerade einmal 71 Fahrzeugen die Produktion einstellen. Seither wurde immer wieder an einer Auferstehung der Marke gearbeitet, Mitte der Neunziger auch mit einem neuen Ace, dazwischen immer wieder mit Neuauflagen der Cobra. Im Moment schwebt die ehrwürdige Marke wieder einmal im Ungewissen…

AC Modelle

  • Ace

    Bereits 1953 hatte der traditionelle Fahrzeughersteller AC wieder ein neues Modell im Programm, ...

  • 3000 ME


  • Cobra


  • Aceca