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Rumpler

Rumpler

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs fanden sich eine ganze Reihe von deutschen und österreichischen Luftfahrtingenieuren auf dem Boden wieder. Dafür hatten die Friedensverträge von Versailles bzw. Saint-Germain-en-Laye gesorgt, nach denen eine Entwicklung von Flugzeugen und Kriegsgerät praktisch unmöglich war. Und so sahen sich die kreativen Köpfe, die durch den Krieg gutes Geld verdient hatten, plötzlich auf der Suche nach einen neuen Wirkungskreis. Bei der “Edmund Rumpler Flugzeugbau” in Berlin-Johannisthal war der Weg schnell klar, schließlich hatte der Chef Edmund Rumpler seine Karriere in der Automobilentwicklung begonnen. Am 4. Januar 1872 in Wien geboren, hatte Rumpler ein Maschinenbaustudium an der TH Wien absolvierte und seine Karriere bei der Nesselsdorfer Waggonfabrik gestartet, wo er an der Entwicklung des ersten Autos aus böhmischer Produktion beteiligt war. Später war er zur Allgemeinen Motorwagen-Gesellschaft nach Berlin gewechselt, hatte 1902 Abstecher nach Frankfurt am Main zu Adler begnnen, ehe er sich 1906 mit einem eigenen Konstruktionsbüro in Berlin-Lichtenberg selbstständig bemacht hatte.

Luftfahrt und Entdeckung der Aerodynamik

 Durch den Einstieg in die Flugzeugentwicklung und ab 1910 die Lizenzfertigung der dann nach und nach verbesserten Etrich-Taube in Berlin und Augsburg kam der Erfolg. Dieser sollte auch beim Umstieg auf den Bau von Automobilen anhalten, und so war es nur logisch, dass man versuchte, die erfolgreichen Konzepte, insbesondere auf dem Gebiet der Aerodynamik, in die Entwicklung von Autos einfließen zu lassen. So sicherte sich Rumpler 1919 Patente auf die in der Luftfahrt schon bekannte Tropfenform. 1921 erfolgte der offizielle Eintrag der “Rumpler-Motoren GmbH Berlin” ins Handesregister.

Paukenschlag in Berlin

 Ins Rampenlicht der Berliner Automobil-Ausstellung trat am 23. September 1921 das R-T-Au (Rumpler-Tropfen-Auto, intern 0A 104), ein kompromisslos auf Aerodynamik ausgelegter Wagen. Dem Gefährt, das schon von der äußerlichen Form her nichts mit den damals gängigen Modellen gemeinsam hatte und wie aus einer fernen Zukunft schien, sollte jedoch kein großer Erfolg beschieden sein. Neben dem extravaganten Äußeren verhinderten dies vor allem die unausgereifte Technik und ein Preisschild von 17.000 Reichsmark, was den Gegenwert von praktisch zwei Mercedes darstellte – nach der Hyperinflation 1924 eine unverschämte Summe. Kein Wunder, dass sich kaum Käufer einstellten.

Rettungsversuche und Niedergang

 Eine Kooperation mit Benz , von wo man ab 1924 Reihenvierzylindermotoren bezog, die die anfälligen W-Sechszylinder von Siemens&Halske ersetzten, half nichts mehr. Der 1926 in einer Handvoll Prototypen entstandene Nachfolger 4A 106 sollte wieder mit zeittypischer Karosserie antreten, dafür aber mit Frontantrieb, was Rumpler einfach durch das Umdrehen des Tropfen-Auto-Fahrgestells bewerkstelligte. Zu einer Serie sollte es aber nicht mehr kommen, die Geldgeber hatten genug und drehten den Geldhahn zu. Die Betriebsstätten in Berlin wurden 1926 an die Udet-Flugzeugwerke verkauft und die Firma liquidiert. Edmund Rumpler versuchte zwischen 1928 und 1930 noch einmal mit der “Vornantriebs- und Vertriebs GmbH Berlin-Charlottenburg” auf seine Patente zum Frontantrieb zurückzugreifen. 1929 entstand Auto  mit Rumpler-Vornantrieb auf einem Fahrgestell der Plauener Firma Vomag, das auf der Prager Verkehrsausstellung zu sehen war. Nach der Abwicklung der Vornantriebs-GmbH 1930 übernahm Henschel die Patentrechte. Für den Juden Edmund Rumpler sollten unter den Nationalsozialisten schwere Zeiten kommen. Am 7.9.1940 starb er in Neu-Tollow. Seine Automarke aber hatte es geschafft, sich trotz nur rund 100 gebauter Autos in vier Jahren (plus 20 gleich wieder verschrottete Fahrgestelle), von denen auch nur ein Bruchteil tatsächlich verkauft werden konnte, einen Platz in der Geschichte des Autos zu sichern. Dort steht sie heute noch als Mahnmal an all jene Ingenieure und Designer, die über ihren Idealismus und ihrer Technikverliebtheit keine Kompromisse eingehen wollen und die Bedürfnisse des Kunden zu vergessen drohen.

Rumpler Modelle

  • Tropfen-Auto

    Heinz Rühmann, Marlene Dietrich, Emil Jannings, Zarah Leander, Hans Albers, Rumpler-Tropfen-Auto. ...