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Phänomen

Phänomen

1888 gründete Gustav Hiller in Zittau ein Unternehmen zum Vertrieb der neuartigen Rover-Sicherheitsfahrräder, die ohne mannshohe Vorderräder auskamen. Der zunächst gewinnträchtige Markt war bald gesättigt, so beschäftigte Hiller sich mit Motorrädern. 1903 begann er mit der Serienfertigung, suchte aber bald nach Entwicklungsmöglichkeiten. Die fand er 1907 im Dreirad – wobei er auf ein simples Rezept kam: Man nehme den Antriebsstrang des Motorrads, verplanze ihn auf die Gabel und ersetze den Motorradrahmen durch einen tragfähigen Rahmen, der hinten auf einer Zweiradachse ruht. Dabei ließ er sich vermutlich von der Cyklonette inspirieren, die die Berliner Cyklon Maschinenfabrik 1904 vorgestellt hatte. Hillers Lösung für sein Phänomobil fiel aber deutlich einfacher aus und verkaufte sich daher besser. Das Phänomobil erhielt zunächst den V2-Motor der Motorräder, fand aber 1912 mit einem neukonstruierten 12 PS-Reihenvierzylinder als 6/12 PS seine endgültige Form, die trotz sparsamer Weiterentwicklung bis 1927 im Programm blieb, als wichtigste Einnahmequelle der Marke Phänomen. Parallel entwickelte Phänomen ein Vierradauto, das 1910 marktreif war. Die Krönung des Personenwagenbaus bei Phänomen ist sicherlich der Typ 412 mit 50 PS-ohc-Vierzylinder. 1927 gab Phänomen die PKW -Produktion auf, drei- und vierrädrig, um sich auf die Entwicklung und den Bau von Kleinlastern besonders für die Reichspost zu widmen. Letzte Ausprägung dieser Serie war der Robur, der 1990 eingestellt wurde – womit die lange Geschichte des Phänomenwerks ein Ende fand.