120 Packard

120

Technische Daten

Hersteller Packard

Die Packard Motor Company wurde 1899 gegründet und etablierte sich vor dem Ersten
Weltkrieg als führender Anbieter von Luxus-Automobilen. Nach einer langen Reihe erfolgreicher Modelle in den oberen und obersten Marktsegmenten zwang die Wirtschaftskrise Packard als weltgrößten Hersteller von Luxusfahrzeugen, umzudenken. Ein erster Versuch mit dem „Light Eight“ (Serie 900) von 1932 scheiterte. Nicht, dass das Auto schlecht gewesen wäre – es vereinigte vielmehr alle Vorzüge eines Packard zu einem wesentlichen günstigeren Preis als die „regulären“ Eight, Super Eight und Twin Six. Und das schadete in erster Linie den eigenen Verkäufen.

Den zweiten Versuch ging man gründlicher an und begann sozusagen mit dem sprichwörtlichen weißen Blatt Papier. Der neue „One-Twenty“ – der Name bezieht sich auf den Radstand in Zoll des ersten Modells, eben 120 – war der erste nach modernen Produktionsmethoden entwickelte Packard. Dazu wurde das Werk um Anlagen für die Fliessbandfertigung erweitert (die großen Modelle entstanden weiterhin weitgehend von Hand). Die Konkurrenz wurde nach Produktionsfachleuten abgegrast und vor allem von GM wurden viele Ingenieure abgeworben.

Das neu entwickelte Chassis hatte eine unabhängige Vorderradaufhängung, vor allem aber einen nach vorne gerückten Motor („Cab Forward“ gab es auch damals schon), der zu mehr Innenraum verhalf. Der neue, kleinere Reihen-Achtzylindermotor mit 282 cui (4580 ccm) war selbstverständlich bei Packard entstanden (die Marke genoss einen hervorragenden Ruf auf diesem Gebiet und baute auch Flugzeug-, Boots- und Marine-Dieselmotoren). Er war leistungsfähig, laufruhig, langlebig und seriös konstruiert bis zur letzten Schraube.

Auch das Design entstand im eigenen Haus unter dem langjährigen Chefdesigner Werner Gubitz (einem gebürtigen Deutschen).

Der „One-Twenty“ bekam also alles mit auf den Weg, was ein richtiger Packard brauchte: Den typischen Kühler, eine zeitlose, ruhige Linienführung, einen starken Motor, viel Komfort und das Prestige eines ganz großen Namens. Das einzige, was ihm fehlte, war das Preisetikett seiner großen Brüder: Das billigste Modell kostete gerade noch unter 1’000 $. Ein Kampfpreis in der Mittelklasse, die er sofort gehörig aufmischte..

Packard betrieb eine jährliche Modellpflege, änderte optisch hier und da etwas (aber nie zuviel auf einmal) und baute den „One-Twenty“ bis in das (wegen dem Kriegseintritt der USA ) verkürzte Modelljahr 1942. Ab 1940 konnte ein Borg-Warner-Overdrive geordert werden.

Nach und nach wurden auch die großen Modelle immer mehr auf die Fliessbandfertigung umgestellt. Dabei profitierte man von den Erfahrungen mit dem „One Twenty“. 1937 wurde das Konzept auf einen noch kleineren Packard übertragen, den „One-Ten“ (später: „One-Fifteen“) mit einem Sechszylindermotor ganz ähnlicher Konstruktion.

Auch der 1941 vorgestellte „Clipper“, dessen Design zu einem echten Meilenstein werden sollte, hatte nicht nur den Motor des „One-Twenty“ erhalten, auch sein Chassis war von diesem abgeleitet.

Elemente des „One Twenty“ überlebten im „Clipper“ und seinem Nachfolger bis 1950; der zuletzt auf 288 cui (4719 ccm) aufgebohrte Motor blieb sogar bis 1954 im Programm.

Besonderheiten

Streng genommen gibt es keinen „One-Twenty“ im Modelljahr 1938 -die Firma war gerade wieder einmal an einer Umbenennung aller Modellreihen. Also hieß er halt in diesem Jahr schlicht „Eight“. Schon für 1939 kehrte man zum alten System zurück….

Obwohl eigentlich ein Grosserienmodell, gab es doch auch auf dem Chassis des „One-Twenty“ luxuriöse Sonderaufbauten. Einzelstücke entstanden zB bei Franay in Frankreich. Die New Yorker Traditionsfirma Rollson fertigte Chauffeurlimousinen mit einem ultra-konservativen Aufbau, der an die frühen Zwanzigerjahre erinnert – ein eigenartiger Kontrast zu den modernen Kotflügeln. Am spektakulärsten sind aber die von Karossier Howard Darrin entworfenen Convertible Victoria, die fast zur hälfte aus Motorhaube bestanden und eine wunderschöne, sportliche Linienführung mit ausgeschnittenen Türoberkanten aufwiesen. Diese „Darrin-Packard“ wurden mit der 18. Serie (1940) in den Werkskatalog aufgenommen.

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