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NSU

NSU

Der deutsche Fahrzeughersteller NSU ist heute meist nur noch in Oldtimerkreisen bekannt. Dabei war der ehemalige Strickmaschinenhersteller Mitte der 50er-Jahre sogar der größte Zweiradhersteller der Welt und machte sich auch bei der Autoproduktion einen Namen. Der Markenname NSU ergab sich aus dem später gewählten Hauptsitz in NeckarSUlm. Das bekannteste Auto der Marke ist der NSU Prinz, welcher auch Motorsportfreunden noch in Erinnerung sein dürfte.

Von der Strickmaschine zum Fortbewegungsmittel

Die 1873 von Christian Schmidt und Heinrich Stoll gegründete Firma hieß zu Beginn „Mechanische Werkstätte zur Herstellung von Strickmaschinen“ und hatte ihren Hauptsitz in Riedlingen. 1880 trennten sich die beiden Firmengründer und Christian Schmidt siedelte die Firma in Neckarsulm an. Ab 1886 stellte man am neuen Standort zusätzlich Fahrräder her und entwickelte schließlich ab 1901 Motorräder. Der Markenname wurde im Zuge der veränderten Produkte 1897 in „Neckarsulmer Fahrradwerke AG“ geändert und tat dies im Laufe der Zeit noch des öfteren. Im Rückblick spricht man aber immer allgemein von NSU , wenn man den Hersteller aus Neckarsulm meint.
Ab 1906 wendete sich NSU auch der Entwicklung von Automobilen zu. Das erste Modell war das Sulmobil mit einem Einzylinder-Viertaktmotor mit 451 ccm und 3,5 PS. Es folgten weitere Modelle mit Vierzylinder Motoren, wie zum Beispiel der zweisitzige Sportroadster NSU 5/15, der bis 1925 gebaut wurde. Die Motorräder der Marke waren inzwischen sehr beliebt und immer noch der Schwerpunkt der Marke, ab 1927 wurden die Maschinen ganz zeitgemäß im Fließbandverfahren hergestellt. Trotzdem erkannte man bei den Neckarsulmern die Zukunft des Automobils und baute 1925 ein neues Werk in Heilbronn zur Herstellung von Autos. Auf Grund wirtschaftlicher Probleme übernahm der italienische Hersteller Fiat 1928 das Werk und es entstand eine Zusammenarbeit der beiden Firmen. NSU trennte sich vom Automobilbau und Fiat betrieb das Werk in Heilbronn alleine weiter. Fortan beschränkte man sich wieder auf den Bau von Fahrrädern und Motorrädern, womit die Firma einst groß geworden ist. Während des 2.Weltkrieges stellte man bei NSU wie in den meisten Industriebetrieben in Deutschland die Produktion um und produzierte bis Kriegsende Fahrzeuge für das Militär.

Der Wandel des Zweiradexperten

Nach Kriegsende konnte man bereits ab 1947 in den im Krieg schwer zerstörten Produktionshallen wieder Fahrzeuge herstellen, man begann die Produktion zunächst mit Vorkriegsmodellen. Das Unternehmen wuchs und wie schon erwähnt war man mit circa 6600 Mitarbeitern und 350.000 produzierten Fahrzeugen 1955 der größte Zweiradhersteller weltweit. Es wurden natürlich auch neue Maschinen entwickelt, unter anderem auch Motorräder mit neuartiger Stromlinienverkleidung, wie zum Beispiel die „NSU Sportmax“. Trotz der erfolgreich verkauften Motorräder und Fahrräder wurde die Motorrad-Produktion wegen der geringer werdenden Nachfrage im Inland 1963 eingestellt. Die Fahrradproduktion endete ebenfalls kurz darauf. Grund dafür war das Auto, denn es wurde im anhaltenden Wirtschaftsboom zum neuen Fortbewegungsmittel der Deutschen. Zunächst konstruierte man ab 1953 einen Kabinenroller, der aber für untauglich befunden wurde. Daraufhin entwickelte NSU mit dem Prinz ein vollwertiges Auto und stellte den vielversprechenden Kleinwagen 1957 vor. Dieser wurde von 1958 bis 1973 in verschiedenen Versionen verkauft. Die als NSU Prinz 1200 TT von 1967-1972 gebaute Variante gewann in der Rennversion 29 nationale Meisterschaften und brachte dem kleinen Prinzen den großen Erfolg im Rennsport. Zum ersten Mal seit der Aufgabe der Automobilsparte vor dem 2. Weltkrieg hatte NSU nun wieder ein erfolgreiches vierrädriges Fahrzeug im Programm. NSU brachte 1964 sogar das erste Fahrzeug mit Wankelmotor auf den Markt, vom Wankel Spider wurden bis 1967 insgesamt 2375 Stück gebaut.

NSU lebt weiter

1969 fusionierte NSU schließlich mit der Auto Union GmbH, welche heute als Audi AG bekannt ist. Den zuletzt entwickelten K70 musste NSU an VW abgegeben, da dieses Fahrzeug im neuen Konzern Eigenkonkurrenz zum neuen Audi 100 gewesen wäre. Das letzte gebaute Fahrzeug, welches ein NSU -Logo trug, war der NSU Ro 80 der mit einem Wankel-Motor. Er war mit seiner aerodynamischen Karosserie seiner Zeit voraus. Sein richtungsweisendes Design diente vielen Fahrzeugherstellern als Inspiration, bei den aktuellen Audi-Modellen sieht man auch heute noch das markante hintere Dreieckfenster. Der Ro 80 lief 1977 zum letzten Mal vom Band.
NSU lebt auch heute noch im Audi Konzern weiter. Am Standort in Neckarsulm werden im nun zum Audi-Konzern gehörenden Werk verschiedene Modelle der Marke hergestellt, unter anderem auch Fahrzeuge der neuen Tochterfirma Lamborghini. Der Hauptsitz von Audi befindet sich aber mittlerweile in Ingolstadt.
1985 wurde die NSU GmbH neu gegründet und befasst sich seitdem ausschließlich mit der Traditionspflege des Standortes Neckarsulm.

NSU Modelle