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Mini

Mini

Die Enttäuschung über den Zusammenschluss der bedeutenden Massenhersteller Englands zur British Motor Corporation ( BMC ) bewog den einstigen Vorzeige-Entwickler Alec Issigonis 1952 zur Kündigung bei Morris. Schon 1955 konnte ihn Leonard Lord, der Chef von BMC , zur Rückkehr bewegen, zum einen mit der verheißungsvollen Aufgabe, eine neue Fahrzeugklasse entwerfen zu dürfen, zum anderen wegen der angespannten Situation bei seinem bisherigen Arbeitgeber Alvis, der sich keine neuen Fahrzeugentwicklungen mehr leisten konnte.
Die Suez-Krise 1956 hatte eine schmerzhafte Verteuerung des Erdöls zur Folge, weshalb als Entwicklungsziel ein Kleinwagen ausgegeben wurde, der mit den 40 Litern Benzin, die jedem Briten zustanden, sparsam umging. Issigonis und sein Team nahmen die im Minor begonnenen Konstruktionsprinzipien auf und dachten sie konsequent zu Ende. Wie beim Minor kam auch hier eine selbsttragende Bauweise zum Einsatz. Da die zum Antrieb vorgesehenen Motoren über 90 cm lang waren und deren Verkürzung nicht möglich war, wurden sie kurzerhand quer eingebaut. Auf die Kardanwelle mochte Issigonis aus Gründen der Raumökonomie verzichten, daher wurden die Vorderräder angetrieben. Weder die Schweißnähte der Karosserie noch die Scharniere der Türen sollten den Passagieren Platz streitig machen und mussten folglich Draußen bleiben.
Für eine kompakte Antriebseinheit ging Issigonis so weit, das Getriebe direkt an den Vierzylinder zu verblocken und beide einem einzigen Ölkreislauf zur Schmierung anzuvertrauen. Die beiden Vorderräder waren an einem Hilfsrahmen befestigt, der auch den Motor beherbergte. Die Federung übernahmen von Alex Moulton entwickelte Gummikegel. An den Hinterrädern, jedes an einer eigenen, gezogenen Längsschwinge aufgehängt, kamen ebenfalls die Gewicht sparenden Gummifedern zum Einsatz. Die winzigen 10-Zoll Räder von Dunlop wurden zur Maximierung des Innenraums an die äußeren Begrenzungen der Karosserie verbannt. Einfache Seile dienten der Entriegelung der Türen, die offenen Türblätter dienten als seitliche Ablageflächen. Das einsame Zentralinstrument war in der Mitte des Armaturenbretts angebracht und konnte diese Position sowohl bei rechtsgelenkten Exemplaren für den heimischen Markt als auch bei linksgelenkten Fahrzeugen für den Export behalten.
Die Vielzahl der eingebrachten Ideen und Innovationen führten zwar zu einem Fahrzeug mit exzellenter Raumökonomie, überforderte die Zeitgenossen mit deren radikalen Umsetzung aber ein wenig. Weder der Austin Se7en noch der Morris Mini Minor stießen anfangs auf große Begeisterung, doch nach und nach sprachen sich die praktischen Vorzüge und das besondere Fahrvergnügen des minimalistischen Konzepts herum.
Die Ausfahrt der Queen 1959 im Hyde Park mit Issigonis am Steuer eines Mini tat ein Übriges, den günstigen Kleinwagen ins rechte Licht zu rücken. Für Aufsehen sorgten aber auch die Bemühungen John Coopers, der dem Mini erfolgreich zu sportlichem Ansehen verhalf. Der Mini feierte einen regelrechten Triumphzug durch verschiedene Rallyeveranstaltungen und fast wäre im ein Hattrick in den Jahren 1964 bis 1966 bei der Rallye Monte Carlo gelungen, wäre ihm im letzten Jahr nicht der Sieg wegen unerlaubter Halogen-Zusatzscheinwerfer aberkannt worden.
Als im Jahr 2000 die Produktion endete, waren circa 5,4 Millionen Minis hergestellt worden.