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Mercedes

Mercedes

Hier geht es nicht um Mercedes-Benz . Die Produkte der Daimler-Benz AG finden Würdigung an anderer Stelle im Carsablanca-Lexikon. Hier sind wir bei den Ursprüngen. Die Daimler Motoren Gesellschaft zählt nach offizieller Geschichtsschreibung als schwäbische Keimzelle des Automobils. Von badischer Seite kommt dazu – und in dieser Hinsicht ist es ein Segen, dass Daimler und Benz sich 1926 zu einem Unternehmen zusammenschlossen: Hätten sie es nicht getan, die Streitigkeiten nähmen kein Ende, wer das Auto erfunden habe. Wir stehen hier also nicht nur am Anfang einer Marke, sondern gleich am Anfang des Automobils. Gottlieb Daimler ging diese Sache dabei etwas anders an als Carl Benz – während jener sich vor allem für das Auto als System interessierte, war Daimler vornehmlich am Motor interessiert. Seine Motoren baute er in ein vierrädriges Vehikel ein, nachdem er zuvor schon Boote, Schienenwagen, Feuerspritzen und ein Motorrad (den Reitwagen) ausprobiert hatte. So kam es, dass er ein Jahr später als Carl Benz Auto fuhr: 1887 rumpelte er in seiner Motorkutsche durch Cannstatt. Dieses Fahrzeug trug seinen Namen zu Recht, war es doch tatsächlich nichts anderes als eine Pferdekutsche mit Daimler-Motor.

Motoren für die Welt

Die Daimler Motoren Gesellschaft blieb ihrem Namen lange treu, und warum auch nicht: Die französische Autoindustrie verwendete in ihren frühen Jahren fast nur Daimler-Motoren. Sofern man ein Auto verkaufen wollte, das auch zuverlässig lief, muss man hinzufügen – natürlich gab es allerlei andere Motorenbauer, aber nur mit Daimler-Motor konnte man davon ausgehen, das man auch ans Ziel kam. Aufgrund seiner ausgezeichneten Motoren konnte Daimler bald seinen Namen lizensieren lassen, vornehmlich für die Daimler Motor Ltd. in England und Austro-Daimler in Österreich. Beide schlugen jedoch bald gänzlich eigene Wege ein. Während nun in Frankreich die Automobilindustrie entstand, sprengte man im Kaiserreich auf hohem Ross einher, ganz wörtlich. Das Geburtsland des Automobils interessierte sich für Pferde, aber kaum für Pferdestärken, weshalb die Daimler Motoren Gesellschaft nur langsam wuchs. Der Serienbau von Autos begann erst 1895 zaghaft mit dem Riemenwagen, offiziell noch immer Daimler Motor-Kutsche genannt.

Auftritt des Konsuls

1900 verstarb Gottlieb Daimler, und eigentlich hatte seine Firma noch immer kein richtiges Auto im Angebot. Doch zu dem Zeitpunkt hatte Konsul Jellinek bereits seinen Auftritt gehabt. Im Grunde hatte Emil Jellinek dieselbe zentrale Bedeutung für Daimler, die Charles Rolls für die Autos von Henry Royce hatte: Ohne sein Gespür für Entwicklungsmöglichkeiten, ohne sein Verkaufstalent hätte die DMG sich nicht zu der Größe entfalten können, die sie bald gewann. Jellinek hatte 1897 einen Riemenwagen gekauft und kurz darauf inoffiziell den Daimler-Vertrieb für die Cote d’Azur aufgenommen. Das lief hervorragend, obwohl Jellinek genau um die Schwächen des Daimler-Autos wusste. Aufgrund seiner Kaufkraft hatte er bald erheblichen Einfluss in Cannstatt und trieb damit die Entwicklung voran. Um allerdings ein Automobil zu bekommen, das seinen Vorstellungen entsprach (und mit der französischen Konkurrenz mithalten konnte), regte er eine völlig neue Konstruktion an.

Der erste Mercedes

Chefkonstrukteur Wilhelm Maybach setzte Jellineks Vorschläge um, und der durfte 1901 seinen Daimler 35 PS entgegennehmen. Mit diesem Auto gelang Daimler gewissermaßen aus dem Stand der Sprung von einem der hintersten Plätze an die Spitze der Autoindustrie. Der 35 PS war dermaßen fortschrittlich, dass die Konkurrenz sprachlos danebenstand, wenn Konsul Jellinek zu Demonstrationsfahrten einlud. Als Dank gestattete man dem Konsul, das Auto unter dem Namen seiner Tochter Mercédès zu vertreiben. Damit hatte die Daimler Motoren Gesellschaft die Marke für ihre Autos gefunden – und schrieb sie übrigens noch lange mit den französischen Akzenten. Bis 1915 unterlag Daimler demselben Wildwuchs an Typen und Varianten, der sich bei fast allen europäischen Herstellern breitmachte; wie üblich begleitet von geringen Stückzahlen und veralteten Herstellungsmethoden. Paul Daimler , der Sohn des Firmengründers, löste 1907 den inspirierten Wilhelm Maybach als Chefkonstrukteur ab und begann bald, mit Schiebermotoren nach System Knight zu experimentieren.

Schwächelnd in die Fusion

Aufgrund struktureller Schwächen aus der Vorkriegszeit schaffte die Daimler Motoren Gesellschaft nach dem Krieg keinen wirklichen Neuanfang, sondern legte Vorkriegskonstruktionen neu auf – auch in dieser Hinsicht nicht anders als die meisten deutschen Hersteller. Das einzig bemerkenswerte Auto war der Mercedes 28/95, im Prinzip auch eine Vorkriegskonstruktion, aber fortschrittlich und leistungsstark genug, um bis Mitte der Zwanziger zu überleben. Mit dem 28/95 begann Daimler die Phase der Spitzkühler-Autos – und wurde favorisierte Marke der erblühenden Nazi-Bewegung. Daimler kam in diesen Jahren auf keinen grünen Zweig. Als sich immer deutlicher abzeichnete, dass die DMG sich nicht aus eigener Kraft auf dem Markt behaupten würde, verordnete Mehrheitsaktionär Deutsche Bank eine Kooperation mit Benz&Cie. Man zierte sich in Mannheim nicht weniger als in Untertürkheim, doch als man sich im Juni 1926 dann endlich zusammengerauft hatte, war die Grundlage für einen der erfolgreichsten Autohersteller des 20. Jahrhunderts geschaffen.