110 Cosmo Mazda

110 Cosmo

Technische Daten

Hersteller Mazda

NSU hatte zusammen mit dem genialen Eigenbrötler Felix Wankel den ersten lauffähigen Drehkolbenmotor entwickelt und der staunenden Welt 1957 präsentiert. Da der Wankelmotor sich offensichtlich anschickte, das Erbe des Hubkolbenmotors anzutreten, glaubten viele an eine Zeitenwende im Motorenbau und erwarben Lizenzen für das technische Wunderwerk aus Neckarsulm. Darunter 1961 auch der bis dato in Europa unbekannte japanische Hersteller Mazda , der bislang nur Kleinwagen und Lieferwagen für den heimischen Markt produziert hatte. Während man bei NSU die Entwicklung des neuen Motors unter enormen Druck vorantreiben musste, um möglichst schnell an Lizenzgelder zu kommen, konnte sich Mazda für den Weg zur Serienreife etwas mehr Zeit lassen. Ein Jahr nach der Premiere des NSU Wankel Spiders stellten sie 1964 ihren Wankelsportwagen Cosmo 110 vor, ließen aber noch weitere drei Jahre bis zum Serienanlauf verstreichen. Diese Zeit nutzten die japanischen Ingenieure zur Verbesserung der Haltbarkeit des Motors und zur Behebung seiner zahlreichen Kinderkrankheiten, schließlich wurde mit ihm unbekanntes Terrain betreten. Der Cosmo hatte den ersten Serien-Zweikammer-Wankelmotor der Welt, aus dem knappen Arbeitsvolumen von zwei Mal 491 ccm kitzelten die Entwickler standfeste 110 PS. Und anders als die Deutschen vermied es Mazda, die Kunden als unfreiwillige Testfahrer zu missbrauchen.
Mit dem Verkaufstart 1967 setzte man NSU erneut unter Druck, die Präsentation des ersten deutschen Zweikammermodells, der Ro80 , wurde hektisch vorgezogen und im selben Jahr konnte man die innovative Limousine auf der Frankfurter IAA bewundern. Abgesehen von den futuristischen Karosserien und der eingesetzten Motorentechnik zeigten diese beiden Wankelautos wenige Gemeinsamkeiten.
Der Japaner stellte sich als ein durch und durch konservativ gestalteter Sportwagen in Szene, der klassische Hinterradantrieb, hintere Starrachse und hintere Trommelbremsen schienen nicht an bisherigen Konventionen rütteln zu wollen. Auch im Innenraum folgten zahlreiche Rundinstrumente und ein Holzlenkrad dem tradierten Sportwagenmuster. Mazda konnte aber auf die Vorzüge des neuen Motors hinweisen, die in diesem Umfeld besonders gut zur Geltung kamen. Sein nahezu vibrationsloser Lauf, das turbinenartige Hochdrehen und die ab etwa 3.500 Umdrehungen einsetzende Leistungsexplosion waren ein schlagkräftiges Argument für den Japaner. Wenn auch sein Fahrwerk auf neumodische Spielereien verzichtete, so kam es seiner Aufgabe nach, den Wagen auf der Straße zu halten. Zeitgenössische Tester attestierten gar eine überragende Fahrwerksqualität, die den sportlichen Konkurrenten vom Schlage eines Porsche oder Lotus in Nichts nachstand.
Da sich Mazda nicht zu einem Export in fremde Länder durchringen wollte und den Cosmo einzig auf dem japanischen Markt anbot, blieb es für den Wankelsportler bei einem Exotendasein, nlediglich 1.519 Exemplare entstanden bis 1972. Dabei hätte der Cosmo wegen seiner Zuverlässigkeit eine Lanze für den Wankelmotor brechen können.