Esprit Lotus

Esprit

Technische Daten

Hersteller Lotus
Baujahr 1975 - 1978
Motorisierung Lotus 907

Als der Esprit 1975 vorgestellt wurde, bewunderte die Öffentlichkeit diese kantige Giugiaro-Skulptur – wusste aber nicht genau einzuschätzen, was sich darunter verbirgt. Die Leitidee von Colin Chapman, dem Gründer und genialen Kopf von Lotus, war ein möglichst leichtes Fahrzeug. Um diesen neuen Lotus leicht zu machen, hatte man einen Rahmen aus Stahlprofilen konstruiert und darauf eine Karosserie aus kunstharzverstärkten Glasfasermatten gesetzt. Im Interesse des Leichtbaus wählte man den neuen hauseigenen Zweiliter-dohc-16V-Vierzylinder der Baureihe 907, klein aber leistungsfähig mit immerhin rund 160 PS. Damit wog der Esprit 960 Kilo, war in 8,6 Sekunden auf 100 km/h und konnte eine Spitze von 222 km/h erreichen. Diese Werte waren damals eines Sportwagens würdig. Aber der Leichtbau zahlte sich nicht nur in der Höchstgeschwindigkeit aus, vor allem Handling und Kurvenlage profitierten davon. Eine typische Lotus-Konstruktion ist die Aufhängung, bei der die Antriebswellen zugleich als Querlenker dienen. Colin Chapman gab, seinem Zentralthema folgend, gern einem Bauteil mehrere Aufgaben, notwendigerweise auf Kosten der Zuverlässigkeit. Oder auf Kosten der Wartungsfreundlichkeit: Die hinteren Bremsscheiben sind getriebeseitig montiert – das reduziert die ungefederten Massen und verbessert die Straßenlage, erhöht aber den Aufwand erheblich, wenn der Esprit in der Werkstatt steht – und das war anfangs häufig der Fall. Lotus experimentierte zuerst auch mit eingefärbten Harzen bei der Karosseriefertigung, was die Lackierung überflüssig machen sollte, weiteres Gewicht sparte und darüber hinaus auch kleine Parkrempler unsichtbar bleiben ließ. Das Verfahren war aber viel zu teuer und kam nicht in die Serienfertigung. Der Esprit hatte das große Pech, wegen seines Vierzylinders nicht recht ernst genommen zu werden – obwohl er vergleichbaren Sportwagen problemlos davonfuhr. 1980 setzte Lotus dem Motor daher einen Garrett-Turbolader auf, der nun 210 PS leistete und in brutalen 5,6 Sekunden auf 100 kam. Diese Kraftexplosion verlangte massive Eingriffe im Chassis und Fahrwerk, der Turbo Esprit wog damit knapp 200 Kilo mehr, war also kein Leichtgewicht mehr – und hatte trotzdem den Makel der kleinen Maschine nicht abgelegt. Gleichzeitig begann die wundervoll scharfkantige Optik aufzuweichen. Der Esprit entwickelte sanfte Rundungen, die sich im Verlauf der kommenden Jahre verstärken sollten. Dennoch: Der Esprit wurde mit Abstand der langlebigste Lotus (wenn man den Seven nicht mitrechnet, der aber seit 1973 von Caterham gebaut wird). Zwanzig Jahre nach seinem Debüt erhielt er einen 350 PS-dohc-Turbo-V8 aus hauseigener Konstruktion, mit dem der Wagen endlich die Töne produzierte, die man von ihm erwartete. Ironischerweise macht der V8 den Esprit nicht wesentlich schneller – Sprintzeiten von unter fünf Sekunden bringen auch die Vierzylinder-Esprit der neunziger Jahre. Als der Esprit 2004 eingestellt wurde, konnte man in manchen Magazinen Titel lesen wie “Nachruf auf einen Dinosaurier”. Mit der agilen Fahrmaschine der ersten Serien haben die letzten Versionen nicht mehr viel gemein. Der Esprit der Serie 1 bleibt in seiner kantigen Eleganz eine der Stil-Ikonen der 70er Jahre, und bei aller Fragilität eine großartiger Sportwagen. Der frühe Esprit ist ein echter Charakterkerl, dessen Qualitäten sich einem Fahrer erst mit der Zeit erschließen; hat man diese aber erkannt, will man sie nicht mehr missen. Lotus selbst hatte ein Einsehen und kehrte 1996 mit der Elise zum extremen Leichtbau und den alten Qualitäten zurück.

Modellvarianten Esprit

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