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Lagonda

Lagonda

Der Name des britischen Automobilherstellers entstammt nicht wie man meinen könnte dem romanischen Sprachraum, vielmehr ist er indianischen Ursprungs. Der Gründer, Wilbur Gunn, kam 1894 aus Amerika nach England, um eine Karriere als Opernsänger zu beginnen. Daraus wurde nichts und er musste sich anderweitig über Wasser halten. Er begann 1907 in Staines, Middlessex, die Fertigung von Motorrädern und Dreirädern mit DeDion-Motoren. Als denen ein großer Erfolg beschieden war, benannte er sein kleines aufstrebendes Unternehmen nach dem Fluss La Ohonda in der Nähe seiner Heimatstadt Springfield, Ohio.

Die ersten Versuche einer Automobilfertigung entsprangen dem nachlassenden Absatz der Tricycles; auch mag ein Besuch des Konkursverwalters ein überzeugendes Argument für die Suche nach neuen Beschäftigungsfeldern gewesen sein.

Ein neuer Geldgeber aus dem Brauereigewerbe ermöglichte die Entwicklung von Automobilen. Zunächst entstand ein klassischer Tourer mit einer 1100er Maschine, der beim Publikum keinen großen Eindruck hinterließ. Durch den ersten Weltkrieg zu einer Kreativpause gezwungen, verbesserte Gunn zunächst Bewährtes noch einmal ein wenig, bis ihm 1926 der große Wurf mit dem Two Litre 14/60 HP gelang, der trotz seines hohen Preises einige technische Glanzleistungen mit guter Fahrbarkeit und sportlichen Fähigkeiten verband. Ein Two Litre errang 1930 den prestigereichen Alpenpokal.

Neustart mit W.O. Bentley

Durch diesen Erfolg beflügelt, konnte das Unternehmen auch mit der nächsten Konstruktion überzeugen, die erstmals in der Markengeschichte von einem Sechzylindermotor angetrieben wurde. Die Technik des Three Litre bot der anspruchsvollen Kundschaft indessen wenig Überraschendes, ausgenommen das Achtgang-Schnellgetriebe von Maybach. Die einsetzende Weltwirtschaftskrise verkleinerte die Zahl solventer Kunden und wieder stand der Konkursverwalter vor der Tür; 1935 überbot der Anwalt Alan Good knapp Rolls-Royce und gründete die Lagonda Motors (Staines) Ltd. Für den Neuanfang konnte er W.O. Bentley abwerben, der nach der Übernahme seiner eigenen Marke Angestellter bei Rolls-Royce geworden war.

Bentleys immenses Talent floss in die Entwicklung eines 12-Zylinder-Motors, der allerdings die finanziellen Mittel des kleinen Herstellers bei weitem überstieg und auch nicht durch die Verkaufszahlen der übrigen Modelle der Marke gedeckt werden konnte. Lagonda stand wieder einmal am Abgrund, wieder stand ein Konkursverfahren an und wieder fand sich ein Retter: Der Traktorentycoon David Brown verleibte seinem Konzern, zu dem auch schon Aston Martin gehörte, 1947 die kleine Edelschmiede ein – vor allem, um Bentley für sich zu gewinnen und dessen jüngste Konstruktion, einen 2,6–Liter dohc-Sechszylinder für den neuen Aston Martin DB2 . Ein neuer Lagonda, der 2.6 litre, erhielt denselben Motor, fand aber nur wenig Käufer. 1958 endete die Produktion von Autos der Marke Lagonda.

Der Rapide: ein misslungener Versuch

Ein Versuch, die Tradition sportlich-luxuriöser Limousinen wieder aufleben zu lassen, misslang 1961 mit dem Lagonda Rapide , der auf einer Aston Martin-Bodengruppe aufbaute und eine äußerst gewöhnungsbedürftige Karosseriegestaltung von Touring erhielt. Bis 1965 wurden nur 55 dieser prachtvollen Monstrositäten auf Bestellung gebaut. Mr. Brown warf entmutigt das Handtuch und das Leichentuch senkte sich über Lagonda. Die Marke war Geschichte geworden – an die man bei Aston Martin allerdings immer wieder erinnert, indem man viertürigen Modellen den Namen Lagonda gibt und – wider alle Erfahrung – auf deren Erfolg hofft.

Lagonda Modelle

  • Rapide

    Die David Brown Group, dank reicher Einkünfte aus dem Traktorenbau mit dicken Finanzpolstern ...

  • V-12


  • 2 litre


  • 11.1 HP