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Jensen

Jensen

Als die Brüder Allan und Richard Jensen 1923 von ihrem Vater einen Austin Seven Chummy geschenkt bekamen, ahnte sicherlich noch niemand, was sich aus diesem Geschenk entwickeln sollte.

Den Brüdern war das geschenkte Fahrzeug jedenfalls nicht sportlich genug. Sie begannen es umzubauen und bei Wettbewerben einzusetzen, wo sie dem Chefingenieur der Standard Motor Co. auffielen, der daraufhin einen ähnlichen Umbau bei den Brüdern bestellte. Dieser Umbau auf Basis eines Standard Nine-Fahrgestells war ein voller Erfolg, man bat um eine Produktionsversion für die Firma Avon, bei der dann der Avon Standard produziert wurde.

Das erste eigenständige Modell

Da den Jensen-Brüdern die Entwicklung neuer Karosserien offensichtlich lag, begannen sie dieser Tätigkeit professionell nachzugehen und erwarben die Karosseriefirma W.J.Smith&Sons, die sie 1934 in die Firma Jensen Motor Co. umbenannten. Bereits 1935 konnten die Jensens ein Modell mit einem V8 3.6l vorstellen, dessen glamouröse Ausstrahlung mit sportlichem Anspruch einherging. Die Brüder hatten den V8-Motor von Ford mitsamt Fahrgestell modifiziert und mit einer klassisch-sportlichen Karosserie versehen. Der Wagen verkaufte sich bis nach Amerika, unter den illustren Interessenten fand sich auch Clark Gable, der letztendlich den Wagen aber nicht kaufte. Die Jensen-Ford V8 waren ein Übergang zu Fahrzeugen mit dem alleinigen Namen “Jensen”. Im Jahr 1935 wurde die Modellreihe “S” geboren, deren erster Prototyp als “White Lady” heute als der berühmteste Jensen gilt. Motorisiert waren die S ebenfalls mit dem 3,6l Ford V8. Insgesamt wurden bis zum 2. Weltkrieg etwa 50 Jensen S mit verschiedenen Karosserien hergestellt. Wahrscheinlich haben 8 Autos bis heute überlebt. Noch exclusiver waren die größeren H-Typen, von denen mit unterschiedlicher Motorisierung ab 1938 etwa 13 Stück gefertigt wurden. Wie die S ebenfalls mit Aluminiumkarosserie.

Der zweite Weltkrieg setzte der Produktion von Luxuswagen zunächst ein Ende, Jensen stellte Ambulanzen und Schwimmpanzer her und sicherte damit einen Neuanfang mit dem Modell PW, kurz für Post War. Jensen bezog nun seine Motoren vom britischen Hersteller Meadows, der für den PW einen Reihenachtzylinder lieferte. Die Karosserie war konservativ-elegant, auch die Technik zeigte keine aufsehenerregenden Innovationen. Leider entwickelte der Motor unschöne Vibrationen, so dass bald Nash -Motoren eingebaut wurden, die kurze Zeit später Austin -Triebwerken wichen. Die Kunden konnten dem PW nicht viel abgewinnen, der Absatz blieb hinter den Erwartungen zurück, nur 19-mal wurde der PW gebaut. Um das Weiterleben der Firma zu sichern, entwickelte Jensen ein sportlicheres Fahrzeug auf Austin-Basis.

Erfolg mit Chrysler-Kraft

Dieser erste Interceptor entsprach dem sportlichen und gestalterischen Konzept der Marke viel besser, wenn auch seine Form nicht bei jedem Betrachter Beifallsstürme auslöste. Die Verkäufe blieben mit 88 Stück ebenfalls überschaubar, erst der 1955 vorgestellte 541 , dessen Form von Eric Neale gestaltet worden war, ließ sich besser verkaufen. Dessen bewährte Austin-Technik empfand man jedoch als nicht sehr aufregend, und auch die Fahrleistungen enttäuschten. Mit dem Jensen C-V8 kehrte man zu großvolumigen amerikanischen Motoren zurück, die nun von Chrysler geliefert wurden. Endlich versprach das Äußere nicht mehr als das Innere halten konnte. Man hatte sich entschlossen, die Karosserie aus Kunststoff herzustellen, das Rückgrat des Wagens bildet ein Stahlrohrrahmen. Die Chryslermotoren haben Kraft ohne Ende – die PS vermehrten sich sogar von Jahr zu Jahr, worunter allerdings die Fahrbarkeit des C-V8 etwas litt. Um diesem Manko beizukommen, bezog man 1965 einen Allrad-Antriebsstrang vom Konstrukteur Ferguson .

Im Jahr 1966 wurde der C-V8 durch den FF abgelöst, der ebenfalls den Antrieb von Ferguson nutzte. Die Karosserie des FF war von der renommierten Designschmiede Touring gezeichnet worden, die ersten Karosserien wurden auch dort hergestellt. Unter der Haube des FF treibt ein Chrysler-V8 sein überschwengliches Geschäft; er wird durch ein mechanisches ABS von Dunlop im Zaum gehalten, das eigentlich in Flugzeugen Verwendung finden sollte. Ab 1968 gab es den FF mit leicht modifiziertem Vorderwagen als konventionellen Hecktriebler. Dieses elegante Coupé namens Interceptor blieb bis 1976 im Programm des Herstellers und wurde 6727mal gebaut. Dem Drang nach großen Stückzahlen entsprang 1972 der Jensen-Healey , dem die amerikanischen Sicherheitsverordnungen unschöne Plastikstoßfänger diktierten.

Unverdienter Untergang

Der Wagen war einem Patchwork gleich aus Einzelteilen vieler Hersteller zusammengefügt: Das Getriebe stammte aus dem Baukasten der Rootes-Gruppe , die Vorderradaufhängung aus dem Vauxhall Viva und der Motor von Lotus . Mit letzterem hatte man sich keinen Gefallen getan, er zerrüttete mit seiner Unzuverlässigkeit den Ruf des Jensen-Healey nachhaltig; eine Neigung zu starkem Rost festigten die Vorbehalte gegen den kleinen Jensen. Die letzten Exemplare erhielten ein 5-Ganggetriebe von Getrag und zählen zu den begehrtesten, da am besten verarbeiteten und ausgereiften Exemplaren. Aufgrund sinkender Verkaufszahlen wurde die Produktion 1976 eingestellt. Damit war auch das Ende von Jensen gekommen, es wurden sporadisch von wechselnden Nachfolgefirmen noch einige Interceptoren gebaut; ab und an geistert mal ein neuer Prototyp über eine Automesse, zu einer Serienfertigung kam es dennoch nie.

Jensen Modelle

  • C-V8

    1962 ersetzte Jensen Motors Ltd. den Typ 541 mit Austin -Sechszylinder durch den Typ C-V8 mit ...

  • Interceptor


  • FF