Kabine Heinkel

Kabine

Technische Daten

Hersteller Heinkel

Wer zum ersten Mal eine Heinkel Kabine stehen oder fahren sieht, wird mit Sicherheit denken: Ah, eine Isetta und beim genauen Hinsehen erkennen, dass es ein Irrtum war. Mit Sicherheit wird jedoch der Durchschnittsautofahrer dieses kleine Nachkriegswunder belächeln und vermutlich auch etwas Mitleid mit den Insassen haben. Dabei haben heutige Kleinwagen außer Komfort und ausgereifter Technik auch nicht mehr zu bieten. Die Zielgruppe in der ganz kleinen Klasse waren aber nicht etwa Zweitwagenkäufer oder sparsame Autofahrer wie heutzutage, sondern Leute, die damals 2750 Mark hatten, um ihren Roller gegen ein überdachtes und relativ preiswertes Vehikel einzutauschen. Außerdem konnte sich nicht jeder ein vollwertiges Auto leisten, und so waren die Fahrzeuge von Heinkel, BMW und Messerschmitt in den Wirtschaftswunderjahren sehr beliebt.

Innovation auf kleinem Raum

Der Grundgedanke, einen bewährten Motor aus der Rollermotorenpalette in einen Kleinstwagen zu verpflanzen, wurde ähnlich wie bei der BMW Isetta in Heinkels Kabinenroller umgesetzt . Dabei bediente man sich aus dem Teileregal des bekannt gewordenen „Heinkel Tourist“, ein Roller, der für seine Robustheit bekannt war. Natürlich hatte sich Ernst Heinkel bei der Konstruktion des Kabinenrollers von der 1954 auf dem Genfer Autosalon vorgestellten Isetta inspirieren lassen. Mit der Kabine hatte er jedoch nicht die Absicht, einfach nur zu kopieren, sondern etwas Neues und Innovatives auf die Räder zu stellen. Dies konnte er auch zu Recht von seinem Kabinenroller behaupten, denn er war mit ca. 86 km/h einer der schnellsten Vertreter seiner Zunft zu dieser Zeit und auch der niedrige Verbrauch mit 3,5 l/100km sowie das geringe Gewicht von 245 kg waren konkurrenzfähige Werte. Zum Vergleich: die Konkurrentin Isetta wog über 100 kg mehr, was ihm eindeutig als zu schwerfällig erschien. Damit konnte Heinkel seine Erfahrungen im Leichtbau bei seinen früheren Flugzeugkonstruktionen eindrucksvoll unter Beweis stellen. Allerdings hatte der Leichtbau auch seine Nachteile: Auf Dämmaterial wurde weitestgehend verzichtet, sodass bei hohen Geschwindigkeiten ein ohrenbetäubender Lärm zu den Insassen durchdrang. Dann gab es da noch das Problem mit dem Regen: Der Fahrer musste sich entscheiden, ob er durch die Scheiben etwas sehen wollte, dazu das Dach öffnen und nass wurde, oder die Kabine im Blindflug steuerte. Dafür sorgte das Faltdach bei starker Sonneneinstrahlung für einigermaßen erträgliche Temperaturen im Innenraum. Der damals geläufige Begriff Käseglocke sollte wohl ein Ausdruck für das Klima und Raumgefühl in den beliebten Kabinenrollern sein.

3 Modellvarianten

Die Produktion der Kabine startete im März 1956, nachdem die allgemeine Betriebserlaubnis erteilt wurde. Zunächst baute man die Variante „Kabine 150“, welche noch 3 Räder und einen 174 ccm Motor besaß. Ab Oktober 1956 konnte man sich dann zwischen der „Kabine 153“ (198ccm, 3 Räder) und der „Kabine 154“ (204ccm, 4 Räder) entscheiden. Im März 1957 wurde dann der Hubraum der 154er Variante aus steuerlichen Gründen auf 198ccm gesenkt. Der Preis von damals 2750 DM blieb bei allen Modellvarianten bis zum Schluss unverändert. Die Klauenschaltung erlaubte es dem Fahrer, die Gänge schnell und leicht wechseln zu können, zudem galt diese Getriebeform als robust. Der Motor wurde bei der Kabine zugunsten des Platzangebotes für die Passagiere relativ weit hinten im Heck untergebracht. Den Einstieg realisierte man über die Fahrzeugfront, ähnlich wie beim Konkurrenten Isetta, nur dass beim Heinkel das Lenkrad fest verbaut war und sich nicht mit der Tür bewegte, was den Einstig nicht gerade erleichterte. Die Fahrberichte der damaligen Zeit bescherten der „Heinkel Kabine“ überwiegend positive Testurteile, insbesondere der geringe Verbrauch und das Temperament des Kleinwagens wurden gelobt.

Modellvarianten Kabine