1004 Glas

1004

Technische Daten

Hersteller Glas

Die Welt ist ungerecht. Würde Genie stets gebührlich honoriert, Glas wäre heute noch eine feste Größe im Automobilbau. Die 04er-Reihe ist ein anschauliches Beispiel.

Mit dem Isar hatte Glas einen schönen Kompaktwagen geschaffen. Mit ihrem ständigen Drang nach Weiterentwicklung wollte Familie Glas höher hinaus und begann schon bald nach Isars Serienstart mit der Entwicklung eines Autos der unteren Mittelklasse, das etwa auf den Opel Kadett zielte. Am Anfang stand der Motor: ein wassergekühlter Reihenvierzylinder, fünf Hauptlager. Der Clou ist der Leichtmetall-Zylinderkopf mit seinen V-förmig hängenden Ventilen, die über Kipphebel von einer obenliegenden Nockenwelle gesteuert werden. Für die Ventilsteuerung ging Glas völlig neue Wege und brachte in Zusammenarbeit mit Continental den ersten Zahnriemenantrieb zur Serienreife.

Ein wundervoller Motor

Dieser Motor hatte das Zeug zum Dauerläufer; ein großer Hersteller hätte endlose Varianten draus geschnitzt und das Triebwerk drei Jahrzehnte lang in Produktion behalten – Ford tat mit seinem vergleichbaren Kent-Motor nichts anderes. In kleinerem Umfang versuchte Glas dasselbe, der Motor wuchs über mehrere Schritte bis zu einem Volumen von 1,7 Litern und ließ sich schließlich sogar in zwei Bänken zu einem V8 konvertieren. Als kurzhubiger ohc-Querstrommotor ließ er sich tunen, weshalb er im Glas 04 noch lange nach dem Untergang der Marke als Rennmotor Erfolg hatte.

Zunächst jedoch hatte er einen Liter Hubraum und stellte sich in einem eigenwillig gestalteten Coupé auf der 1961er IAA der Öffentlichkeit. Die staunte ein wenig über diese arg scharfe C-Säule, äußertes sich nach den Erfahrungen mit dem Isar skeptisch über die Verarbeitungsqualität und wartete ab. Glas hatte jedoch diesmal peinlich genau die Entwicklung zu Ende getrieben und konnte nun ein ausgereiftes Auto präsentieren. Dem bizarren Coupé folgte bald ein wundervolles Cabrio und Anfang 1963 eine ausgewogen gestaltete Limousine. Bald gab es auch stärkere Motoren, dem 1004 mit 42 PS folgten 1204 und 1304 .

Am Glas-Vierzylinder können Rennsport- und Tuningfreunde viel Vergnügen finden. Ab Werk mit einer Leistungsspitze bei rund 5000/min angegeben, ließen sich die Aggregate fast beliebig tunen. Das erkannte natürlich die Familie Glas zuerst und bot jede der drei Hubraumgrößen auch als TS-Version mit zwei Vergasern an. Das sportliche Spitzenmodell war damit der 1304 TS mit bis zu 85 PS.

Ein Fahrwerk mit Tücken

Leider fanden besonders die TS viele Freunde unter betuchten Jungautomobilisten, die von der enormen Kraft des Motors überfordert waren. Das Fahrwerk hat nämlich seine Tücken, im Grenzbereich kann der 04 bissig werden dank hinterer Starrachse an Blattfedern in Kombination mit dem kurzen Radstand von 2100 mm, der wiederum ein Produkt der Fertigungsstruktur in Dingolfing ist: Der 04 musste auf derselben Straße lackiert werden wie der Isar, die keinen wesentlich größeren Radstand zuließ.

Der genialste 04 ist aber zweifellos der CL, den Glas ab 1963 anbot: kein Kombi, aber eine Schräghecklimousine mit großer Heckklappe. Etwas Vergleichbares hatte damals nur der Renault 4 . Aber auch der CL half Glas nicht aus der chronischen Klammheit. Der 04 erhielt im Unterschied zu anderen Glaswagen nie das BMW -Logo, obwohl er nach der Übernahme 1966 noch zwei Jahre in Produktion blieb. Insgesamt entstanden nur etwa 40.000 Stück.

Modellvarianten 1004

weitere Glas Modelle

  • 1700

    Die Hans Glas GmbH stellte 1963 auf der IAA in Frankfurt das neue Mittelklassenmodell 1500 vor. ...

  • V8

    HansGlaswar sich wohl bewußt, dass sich sein kleines Unternehmen nicht mit Mittelklassenmodellen ...

  • 1300 GT


  • 1204


  • Isar

    Andreas Glas, Sohn des Firmengründers, hatte ein Faible für US-Autos. Er fuhr Oldsmobile , so geht ...

  • Goggomobil

    Der Name ist vielleicht ein wenig unglücklich gewählt. Ein “Goggomobil” kann einfach nichts anderes ...

  • 1304