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Elite

Elite

Die Elite Motorenwerke AG geben in ihrer verwickelten Geschichte ein gutes Beispiel für die Möglichkeiten und Widerstände, die die Weimarer Republik ihren Wirtschaftsunternehmen bot – beides in einem Maß, das heute kaum mehr vorstellbar ist.

Rüstungsproduktion bringt Kapitalpolster

1918 hatten die Elitewerke in Brand-Erbisdorf dank Rüstungsproduktion ein ordentliches Kapitalpolster. Man begann nun, durch Zukauf von Unternehmen zu expandieren und baute sich einen Kleinkonzern zusammen, dessen Portfolio sich mit “allgemeiner Maschinenbau” beschreiben lässt und das sich zwischen Thüringen, Sachsen und Berlin erstreckte. Im sehr breit gefächerten Produktangebot versteckte sich auch ein Vorkriegs-Personenwagen. Zugleich begann der talentierte Entwicklungsingenieur Lesage mit der Konstruktion von neuen Automobilen, die insgesamt konservativ ausfielen, aber von sehr guter Qualität waren, und entsprechend nicht billig. Im Zweigwerk Ronneburg baute man Lastwagen unter dem Namen Elite, die aber technisch mit den Elite- PKW aus Brand-Erbisdorf nicht verwandt sind und auch so gut wie keine Gleichteile nutzten. 1925 beschäftigte allein das Automobilwerk in Brand-Erbisdorf 3000 Menschen, die vier verschiedene Autotypen herstellten. Diese Typen sind zwar miteinander verwandt, aber auf verwickelte Weise voneinander abgeleitet und selbst auf zweiten Blick kaum voneinander zu unterscheiden – kurz: Es herrschte Wildwuchs im Konzern-Portfolio wie im Produktprogramm.

Die Zweige des Konzerns begannen einander zu behindern, bald wurden Entlassungen umumgänglich. Ingenieur Lesage, zwischenzeitlich aufgrund von Spannungen mit der Direktion ausgeschieden, kehrte zurück und legte sich nochmals ins Zeug. Er entwickelte die Typen S10 und S12, moderne und kraftvolle Sechszylinderwagen, die dennoch beim Publikum nicht ankamen. 1928 musste der Konzern in großem Umfang Aktien abstoßen, die von der Adam Opel AG gekauft wurden. Diese ging kurz darauf in US-Besitz über; auf Geheiß von der neuen Mutter General Motors stellte Elite die Produktion und Entwicklung sämtlicher Automobile ein. Heute sind die Fahrräder Marke Diamant das letzte lebendige Überbleibsel des vorübergehend eindrucksvollen Konzerns.

Elite Modelle