E23 Siebener BMW

E23 Siebener

Technische Daten

Hersteller BMW
Baujahr 1976 - 1979
Werkscode E23

Olympische Gedanken

Mitte der Siebziger Jahre setzte BMW an zum Sprung an die Spitze der Automobilbaukunst. Vorhang auf für die neue Siebener-Reihe.

Die Bayerischen Motoren Werke in München hatten sich in den Sechzigern einen Namen als Anbieter sehr sportlicher, fahrerorientierter Autos gemacht und diesen auch durch die erste Ölkrise hindurch behauptet. 1977 endlich fühlte man sich stark genug, um es auch mit der S-Klasse aus Stuttgart aufnehmen zu können. Mit Sympathie für die Schwaben war es in München nicht weit her, seitdem Adenauer das Projekt 505 zugunsten des hutfreundlichen Mercedes 300 beerdigt hatte. Auch die Beinahe-Übernahme Ende der Fünfziger verlieh dem Feindbild zusätzliche Schärfe. Für BMW -Chef Eberhard von Kuenheim war klar: Man musste ein besseres Auto bauen als Daimlers W116, aber es musste bitteschön ein typischer BMW bleiben!

Vielversprechendes Paket

Die Vorgänger der Baureihe E3 waren als sehr agile, sportliche Limousinen bekannt, boten im Fond aber keinen Platz für die adäquate Unterbringung von Geschäftsleuten. Die neue, intern E23 genannte Baureihe war hinten deutlich großzügiger gestaltet. Chefdesigner Paul Bracq hatte es zudem verstanden, dem Wagen trotz der gewachsenen Dimensionen ein sportlich-knappes Kleid zu schneidern. Die Front war dabei der im Jahr zuvor präsentierten Baureihe E24 wie aus dem Gesicht geschnitten.
Die Fahrerorientierung des Cockpits war geblieben, und für die „Freude am Fahren“ sorgte eine sehr ordentliche Grundausstattung. Mit an Bord war auch das bereits aus dem Sechser bekannte „Check Control“-System, das mit allerlei Lämpchen Auskunft über den ordnungsgemäßen Betriebszustand des Autos gab. Dazu gab’s ein agiles Fahrwerk, das ab dem zweiten Modelljahr gegen Aufpreis noch einmal gestrafft wurde und ab 1978 auch mit ABS geliefert werden konnte.

Potenzprobleme

Zum Griff nach den Sternen fehlte also nur noch ein vernünftiger Antrieb. Die passenden V8- und V12-Triebwerke standen auch fix und fertig im Regal – doch die Lehren aus der Ölkrise ließen den Vorstand den Daumen senken. So mussten die Kunden auf den 4,5-Liter-V12 M66 mit 272 PS verzichten und es kamen zunächst nur die Sechszylinder zum Einsatz, die sich bereits in der Baureihe E3 bewährt hatten. Als Einstieg gab es den 728 mit 170 PS, darüber den 730 mit 184 PS und schließlich den 197 PS starken 733i mit Bosch L-Jetronic. Vor allem für Behördenkunden gab es unter der Hand auch noch einen 725 mit der 150-PS-Maschine aus dem Fünfer.
Dank 400 Extra-Pfunden lag die Spurtstärke des Topmodells noch unter der des alten 3.0 Si und der Wagen musste sich auch dem 350er Daimler geschlagen geben. Klar, dass der Spott der Stuttgarter Werbetexter nicht lange auf sich warten ließ: „Auch 1977 war es nicht möglich, ein noch besseres Auto zu bauen“, frotzelte man.
Zumindest merkwürdig war auch der Verzicht auf eine Langversion, die es beim Vorgänger noch gegeben hatte. Auch mit dem Thema Kombi hatte man sich nur in der Lehrwerkstatt beschäftigt, wo man einen 728i umbaute, der dann unter dem Namen „Resi“ im Kundendienst eingesetzt wurde. Kombiumbauten gab es als Einzelstücke auch von Euler in Frankfurt (3 Autos), Welsch in Mayen und der Garage du Bac in Frankreich.

Unter Zugzwang

Auch wenn der Abstand zur inzwischen sechs Jahre alten S-Klasse noch nicht ganz aufgeholt war, entschloss man sich bei Daimler, den Start des neuen W126 auf 1979 vorzulegen. Grund genug auch für BMW , bereits nach zwei Jahren die Motorenpalette aufzufrischen. Den intern E23/1 genannten Wagen gab es nun als 728i mit 184 PS, den 732i mit 197 PS und der ersten Bosch-Motronic sowie als 735i mit 218 PS. Zu den 240 PS des neuen 500er Mercedes klaffte aber immer noch eine Lücke.
Die sollte 1980 mit dem Topmodell 745i geschlossen werden. Hinter dieser 252-PS-Mogelpackung verbarg sich ein aufgeladener 732er, der mit allen Schikanen ausgestattet werden konnte. ABS , Bordcomputer und Niveauregulierung waren serienmäßig, dazu konnte man auch noch die neuen Michelin TRX -Niederquerschnittsreifen ordern. Der Ruf des 745i war trotzdem nicht besonders. Die Motoren hatten mit Überhitzungsproblemen zu kämpfen und schluckten um die 20 Liter.
1981 hatte das Vorsprechen bei der bayerischen Staatsregierung endlich Erfolg, denn nun gab es für Franz-Josef Strauß und seine Entourage auch gepanzerte 745i. Die weniger wichtigen Herrschaften mussten mit dem 725i Vorlieb nehmen, der eigentlich nur auf den Export zielte.

Zweiter Frühling

Zum Modelljahr war es Zeit für ein moderates Facelift. Die Blechnase verschwand beim E23/2, dafür gab es etwas mehr schwarzes Plastik. Der 735i kam mit geändertem Bohrung/Hub-Verhältnis daher und bildete fortan auch die Basis für den 745i, was dessen Verbrauch auch dank geänderter Hinterachsübersetzung reduzierte. Optional war nun eine Viergang-Automatik lieferbar.
Ab 1984 gab es ABS in allen Modellen serienmäßig. 735i und 745i waren nun in „Executive“ und später „Highline“-Ausstattung mit viel Holz und Leder zu haben. Für den 735i war nun auch ein Kat erhältlich, der den Wagen aber auf eher asthmatische 185 PS kastrierte. Den 240 km/h schnellen E23S, dem man im Werk Rosslyn in Südafrika das Herz des M635CSi mit 286 PS eingepflanzt hatte, gab es in Deutschland nicht. Nur eines der knapp 200 Exemplare dieses Über-Siebeners soll den Weg nach Europa gefunden haben.

Zu kurz gesprungen

Was bleibt? BMW hatte ein Auto auf die Beine gestellt, das zumindest nah an den Platzhirsch herangekommen war, ohne ihn allzu sehr zu gefährden. Insgesamt konnte man bis 1986 285.029 Exemplare absetzen, während Mercedes die S-Klasse locker doppelt so oft verkaufte. Daran konnte auch Kommissar Derrick nichts ändern, der sich in 281 Folgen des E23 bediente. Der Nachfolger E32 war wieder in Langversion zu haben und verfügte endlich über den prestigeträchtigen V12 – doch es sollte alles nichts nützen…

Modellvarianten E23 Siebener

  • 728i A

    Auch im 7er BMW leistet der M30 Reihensechszylinder seinen Dienst. Hier in der 2,8 Liter Variante ...

  • 728

    Der e23 728 wurde von 1977 - 1979 gebaut. Der 2,8 Liter Reihensechszylinder leistet 170 PS und 235 ...

  • 732i


  • 732i

    Der 732i leistete 197 PS und ein maximales Drehmoment von 285 Nm. Dank der 3,2 Liter Hubraum in ...

  • 730

    Der 730 leistete mit seinem M30 Vergasermotor 184 PS bei einer Verdichtung von 9,0:1. Die ...

weitere BMW Modelle

  • 2000 C

    1965 wurde das Coupe der neuen Klasse vorgestellt. Zu Beginn gab es nur die leistungsstarke 2000 CS ...

  • 1600 GT

    Als BMW 1966 die Glas Werke übernahm, entschied man, den Glas GT mit der ausgereifteren BMW Technik ...

  • E34 Fünfer

    Im Januar 1988 stellte BMW die 5er-Baureihe E34 als Nachfolger des E28 vor. Die Baureihe E34 ...

  • E28 Fünfer

    Die zweite Generation des erfolgreichen 5er BMWs wurde von 1981 - 1987 produziert. Neben 2 ...

  • 3/15 PS Dixi

    Der BMW 3/15 Dixi war das erste Automobil der bayrischen Motorenwerke. Der 15 PS starke Dixi war ein ...

  • E21 Dreier

    BMW E21 “Dreier” Schweres Erbe Nachfolger haben es oft nicht leicht: dies gilt besonders für die ...

  • Barockengel

    Der wunderschöne BMW 501/502, der den Spitznamen "Barockengel" trug, war ein Oberklasse-Fahrzeug für ...

  • M 1

    Der BMW M1 ist ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte von BMW. Neben den herausragenden ...

  • E9

    Der BMW e9 wurde zwischen 1968 - 1975 gebaut und mit M30 Reihensechszylinder Motoren mit 2,5 - 3,2 ...

  • Neue Klasse

    Die sogenannte Neue Klasse von BMW war der Aufbruch dieser Marke zu neuen Inhalten und einer ...

  • 600

    Der Versuch, ab 1957 eine Isetta mit mehr Innenraum und größerem Motor anzubieten, führte zu einem ...

  • Isetta

    In den frühen Fünfzigern steckten die Bayrischen Motorenwerke in einer Absatzkrise. Man hatte das ...

  • 335

    Der BMW 335 wurde zwischen 1939 und  1941 in den Bayrischen Motorenwerken hergestellt. Die ...

  • 328

    Bei BMW fehlte es an sportlichen Hoffnungsträgern. Zwar hatte der 327 einen adäquaten Motor, ...

  • 326

    Der BMW 326 war eine Mittelklasse Limousine mit 2,0 Liter Reihensechszylinder. Der 50 PS starke ...

  • 503


  • 319


  • 3/20 


  • E31 Achter

    BMW 850i Zuvor präsentierte Studiendesigns und Erlkönigbilder schienen der Öffentlichkeit nicht ...

  • Z 1

    Zwischen 1988 und 1991 wurden ca. 8000 Z1 gebaut. Das Fahrzeug verfügte über den bekannten M20 ...

  • E32 Siebener

    Der von Claus Luthe gestaltete BMW E32 wurde im Jahr 1986 als Nachfolger der Baureihe E23 ...

  • E30 Dreier

    Der BMW E30 ist der legitime Nachfolger des BMW E21. Dieses Erfolgsmodell wurde in verschiedenen ...

  • E24 Sechser

    Bis 1976 hatte man als Käufer eines Neuwagens im obersten Preissegment meist die Wahl zwischen zwei ...

  • 02

    Die BMW 02er Reihe Dass die „Bayrischen Motoren Werke heute vor allem sportliche Assoziationen ...

  • E12 Fünfer

    Der erste 5er BMW folgte auf die "neue Klasse", war zeitgemäß designt und bietete dank bis zu 218 PS ...

  • E3

    Der BMW e3 ist eine Oberklasse Limousine aus den Jahren 1968 - 1977. Der legitime Nachfolger des BMW ...

  • 3200 CS

    Die Gedankengänge in der BMW -Zentrale zu Ende der Fünfziger ist schwer nachzuvollziehen. Trotz ...

  • 700

    Wie bedeutend dieses Auto für BMW war, ist ziemlich in Vergessenheit geraten. Es löste den BMW ...

  • 507

    Nach dem Zweiten Weltkrieg war für BMW eine schwierige Phase angebrochen: Die Fertigungsstätten ...

  • 321

    Der BMW 321 erschein 1939 als Nachfolger des erfolgreichen BMW 320. Dieses Mittelklasse Modell ...

  • 327

    Der BMW 327 wurde zwischen 1937 und 1941 in Eisenach gebaut. In dieser Zeit wurden ca. 2800 ...

  • 329

    Eigentlich ist der 329 eine ungeplante Zwischenlösung. Nachdem der 326 erschienen war, klaffte ...

  • 315

    Im Mai 1934 wurde der BMW 315 als Nachfolger des BMW 303 auf der Berliner Automobilausstellung ...

  • 320


  • 309


  • 303