Heiße Träume in Kofferräumen

Heiße Träume in Kofferräumen

Natürlich lieben wir alle unser Auto. Wir tätscheln es, drücken unseren Hintern in den Sitz und befummeln die Schweller. Aber manchmal geht die Autoliebe noch ein bisschen weiter. Zum Glück hat Wiebke Brauer jetzt eine Lösung für die erregte Männerwelt entdeckt

„Willst Du Sex mit Deinem Auto haben?“ Ha, lustige Frage, dachte ich, aber was antworte ich denn jetzt bloß. Ich würde lügen, wenn ich sagte, dass ich nicht schon einmal darüber nachgedacht hätte. Aber wenn ich antworte: „Ja, klar“ werde ich in die gleiche Schublade gesteckt wie diese Leute, die sich plötzlich in ihren Pürierstab verknallen und mit ihm eine Beziehung führen. Objektophile nennt man die. Bin ich objektophil? Oder läuft mein flacher schwarzer glänzender Mercedes noch unter Fetisch? Wäre das sozial verträglicher? Nein. Wahrscheinlich bin ich polymorph pervers und keinen Deut besser als jemand, der seinen Pürierstab begehrt.

Jetzt ist es zugegebenermaßen etwas schwierig, mit einem 380 SL intim zu werden. Als weibliches Wesen kriecht man um den Wagen herum und hält verzweifelt nach etwas Phallischem Ausschau. Früher oder später wird man dann entweder einen Heißhunger auf den Steuerknüppel verspüren – oder aber zur Frotteuse mutieren. Ach nein, kein angenehmer Gedanke.

Vielleicht ist der Auspuff ja die Schnittmenge des Begehrens und schenkt geschlechterübergreifend absolute Satisfaktion. Als ich neulich vor einem schwarzen E-Type mit vier Rohren stand, dachte ich schon – „Mensch, vier Rohre.“ Aber im Praxistest wird so ein Auspuff als Lustobjekt jämmerlich versagen – ich sage nur: Ruß, Krümel, Schlotz und Schmodder. Und schmeißt man den Wagen erst an wegen der Vibration? Das nenne ich mal eine kreative Form der Kohlenmonoxid-Vergiftung.

Grund für die Eingangsfrage war übrigens der COBRAlibre, auf den mich eine freundliche Kollegin hinwies. Was das ist? Ein Männer-Toy. So ein Ding, in das man gewisse Körperteile steckt und es super findet. Jetzt ist das COBRAlibre nicht irgendein Sexspielzeug, sondern eine Lustmaschine in Autoform. Allerdings sieht es mehr aus wie einer von diesen modernen kleinen Tischstaubsaugern – welches Auto es genau darstellen soll, erklärt der Werbetext: „...schließlich ist das Design des COBRAlibre an den legendären AC Cobra Sportboliden aus den 60er Jahren angelegt (Männer kennen dieses Auto). Ebenso kompromisslos wie der AC Cobra ist auch dieser Vibrator... kraftvoll, direkt, wunderschön und mit jeder Menge Gangreserve.“

Ich finde es ganz gut, dass im Text noch mal darauf hingewiesen wird, dass Männer den AC Cobra kennen. Und allein dieser Wortwitz mit dem Wagen und dem Drink – ein Ausbund an gut gelaunter Schöpferkraft, möchte ich sagen. Und so funktioniert der Lust-Bolide: „Als erstes müssen die Motoren gestartet werden, was doch tatsachlich an das kraftvolle Starten eines hubraumstarken Sportwagens erinnert.“ Ah ja. Das ist schön.

Also erstmal zünden und dann nichts wie rein in den Kofferraum. Das ist mal eine ganz neue Idee. Andererseits fände ich es persönlich anregender mir vorzustellen, ich wäre jetzt Carroll Shelby und würde meinen unglaublich starken V8-Motor in den AC schieben und damit autoerotische Geschichte schreiben. So kann ich nur mal eben den Cobra beladen gehen.

Aber trotzdem – was für eine wundervolle Möglichkeit, seiner unermesslichen Erregung Herr zu werden! Darauf muss man erstmal kommen, haha. Übrigens kostet der Kleine 94,95 Euro plus Versand und ist leider gerade nur in schwarz lieferbar – wegen der großen Nachfrage.

Tja, das Leben ist ungerecht. Ich gehe jetzt mal wieder in die Garage und krieche ein bisschen um den Wagen herum.

Dieser Artikel von Wiebke Brauer erschien am 12.04.2010