Die Komfortöffnung

Die Komfortöffnung

Neue Autos können ziemlich viel. Und oftmals rauben sie einem mit ihren modernen Funktionen den letzten Nerv. Aber hinterhältige Fensterscheiben gab es schon immer, meint Wiebke Brauer

Nichts gegen neue Autos. Sie wärmen den Hintern, leuchten im Dunkeln wie verrückt, sie springen ziemlich oft an und fahren meistens. Aber weil man sich als Fahrer eines älteren Wagens am liebsten über die Probleme amüsiert, mit denen sich Halter eines modernen Fahrzeugs herumschlagen müssen, freute ich mich neulich wie ein Schneekönig über die „defekte Komfortöffnung“, von der ich las. Bei der „Komfortöffnung“ handelt es sich keinesfalls um etwas Anatomisches, sondern laut Volkswagen um „elektrisch bedienbaren Fenster (einschließlich des elektrischen Schiebedachs), die sich öffnen bzw. schließen, wenn der Öffnungs- oder Schließknopf der Funkfernbedienung gedrückt gehalten wird. Beim Loslassen stoppt der Öffnungs- bzw. Schließvorgang sofort. Gleiches gilt bei Bedienung mit Schlüssel im Schloss.“

Das ist zwar etwas kompliziert formuliert, soll aber bedeuten, dass sich Fenster im Kollektiv bewegen lassen. Moderne Technik macht’s möglich! Die Notlage, in der man sich bei einem neuen Wagen öfter befindet, sieht so aus, dass man morgens zu seiner Karre kommt und alle vier Fenster offen stehen. Nein, es war keine laue Sommernacht. Natürlich hat es geregnet, die Sitze sind durchweicht, die Laune ist alles andere als gut. Natürlich liegt die Temperatur bei etwa sieben Grad. Es wird eine sehr sumpfige und recht kühle Fahrt zur Arbeit, die Fenster verharren standhaft unten. Der Wagen ist ein halbes Jahr alt. „Das ist ja rasend komisch“, dachte ich. „Bescheuerte Smartphones auf Rädern.“

Dann fiel mir ein, dass auch alte Autos ein gewisses Thema mit Fensterscheiben haben. Ich erinnerte ich mich an einen Vorfall in einem alten Ford, bei dem die Scheibe auf der Fahrerseite mit einem Rutsch bis auf wenige Zentimeter in der Tür verschwand. Nur mühsam und mit Breakdance-ähnlichen Bewegungen konnte die Scheibe dazu gebracht werden konnte, sich wieder nach oben in ihre alte Position zu begeben. Und wenn ich es mir recht überlegte: Das Fensterglas an sich ist hinterhältig. Manche Scheiben ignorieren Kurbeln oder zerstören sie heimlich, andere halten den Schließvorgang für ihrer nicht würdig und ziehen es vor, ein wenig Luft nach oben zu lassen. Dann wäre da noch die Kategorie von Scheiben, die mutwillig die Gummis verwüsten, die sie einfassen oder jene, die sich hartnäckig weigern, sich in eine Stellung zu gleiten, in der man die Autotür komplett verriegeln kann.

Soviel zum Thema „Komfortöffnung“ und zum Grinsen, was einem langsam vergeht, wenn man länger darüber nachdenkt, wie großartig Oldtimer sind. Wobei mir einfällt, dass mein Auto im Übrigen auch eine Art „Gangempfehlung“ besitzt – diese Funktion legt einem in modernen Fahrzeugen ans Herz, mal zu schalten, um Sprit zu sparen. Bei alten Kisten im Winterschlaf legt die „Gangempfehlung“ einem ans Herz, noch bis März zu Fuß zu gehen. Tja.