Das Märchen vom Porno-Stilzchen

Das Märchen vom Porno-Stilzchen

Wiebke Brauer wollte nicht über nackte Leiber und nassen Lack schreiben. Ehrlich nicht. Doch dann entdeckte sie ein neues Werk der erotischen Kalenderkunst

Es war einmal ein Müller, der war arm, aber er hatte eine schöne Tochter. Und weil die Zeiten hart waren und Geld für Kleidung rar, legte sich diese Tochter mit Gummihandschuhen und Bikini bekleidet auf einem Ford Mustang. Und ihre Freundin, eine ebenfalls mittellose Blondine, kniete vor einem Kadett. In der Hand hielt sie irgendetwas Längliches, das triefte. Das pinkfarbene Oberteil schien etwas zu heiß gewaschen worden zu sein – wahrscheinlich konnte sie sich auch kein neues leisten. Beherzt drückte sie die halb entblößte Brust an den Lack.


Dieses Szenario rief den Porno-Rumpelstilz auf den Plan: „Pornografie! Ausbeutung! Ich muss mich ereifern.“ Wobei: An den Mädels in dem neuen „Hot Carwash Kalender 2013“ war nichts auszusetzen. Ach so, wir sprechen hier über einen Kalender, der jedes Jahr von dem schwäbischen Waschanlagenhersteller Otto Christ AG an seine treuesten Kunden überreicht wird. Nein, an den Models, sie heißen übrigens Anna-Maria, Magdalena und Agnieszka, konnte man nicht herummosern. Die Damen machten einen guten Job. Da wurde geschäumt, was das Zeug hält. Mit Schwamm, Läppchen und sogar – wie bei Miss Dezember – mit einer überdimensionierten Zahnbürste. Nein, wirklich – die Äppel waren prall, die Hüften wurden im richtigen Winkel in die Höhe gestreckt, die Lippen öffneten sich im lustvollen Maß – und man wühlte sich auch aufs Manierlichste im feuchten Haupthaar herum. Sogar die Autos waren bemerkenswert. Da hatte sich jemand Mühe gegeben. Keine Smarts oder Civics, sondern schicke Karren: Zwei alte Mercedes-Benz, ein Kadett, ein Mustang. Das war durchaus anständig.


Der Porno-Rumpelstilz indes geriet in Rage, weil es die begleitenden Texte zum Kalender las. In der Beschreibung hieß es: „Fotografiert wurde der Kalender von Max Seam, einem der renommiertesten Fotografen, (...)  Dabei steht nicht die Nacktheit im Vordergrund, sondern die verführerische Natürlichkeit der Mädchen und die pure Lust und Freude am Autowaschen.“ Ach so. Der Rumpelstilz rieb sich die Hände und murmelte: „Ja, sicher. Natürlichkeit. Die Formulierung ’blank ziehen’ liest sich auch nicht so gut in einer Pressemitteilung. Und dann entblößt sich auch noch Magdalena für Christ. Das glaubt einem doch keiner.“ Dann rückte es sich sein Mützchen zurecht und las weiter: „The Real Car Wash Factory lautet der Slogan von Christ und das sieht man auch in der Bildsprache – Schöne Frauen waschen edle Autos aus allen Positionen heraus – eben Christ like in absoluter Perfektion.“


Herrjeh, da hüpfte der Porno-Stilz von einem Bein auf das andere und schrie: „’Schöne Frauen waschen edle Autos aus allen Positionen heraus’? Habt Ihr sie noch alle?! Und Magdalena hat verdammt noch mal keine pure Freude am Autowaschen. Magdalena bekommt eine Gage! Sagt doch, wie es ist: Männer mögen nackte Frauen und Autos. Darum legt man beides aufeinander – und Männer finden es toll.“ Dann packte das Porno-Stilzchen in seiner Wut den linken Fuß mit beiden Händen und riss sich selbst mitten entzwei.
Das kommt davon, wenn man sich zu sehr über Autowäsche-Kalender aufregt.

Mehr Informationen unter: www.christ-ag.com/Presse/Hot-Carwash-Kalender-2013/index,cat5317.html