Manta mal anders

Manta mal anders

Manta Montage aka. Coyote X
Auf den Spuren des legendären roten Sportwagens der Fernsehserie "Hardcastle & McCormick"

Manta mal anders
Viele Jahre später, seit längerem zu Mann gereift und noch einmal dieser Momente stiller Glückseligkeit eingedenk, nutze ich die Möglichkeiten moderner Informationstechnologie und innerhalb weniger Minuten stehen mir Informationen zur Verfügung, für die ich vor fast drei Jahrzehnten Wochen, eher noch Monate hätte investieren müssen, wenn ich denn die dafür notwendigen Ansprechpartner überhaupt gefunden hätte. Nun also: Auf den Flanken des Renners prangte einst gut sichtbar invers in weissem Grund "Coyote", und dieser Name bildet den Aufhänger meiner Recherche in den Weiten des Netz. Erster Treffer: Auf einer Homepage im Netz haben sich zahlreiche Besitzer, er war demnach kein Einzelstück, eines solchen Fahrzeuges eingefunden und erzählen die Geschichte dahinter.
Manta mal anders
Anfang der Siebziger schufen ihn die Brüder Brad und Tim Lovette in Kleinserie in ihrem Betrieb in Costa Mesa im sonnigen Kalifornien, wo sonst, und nannten ihn Manta Montage. Mike Fennel, Schöpfer von zahlreichen Filmfahrzeugen in Hollywood, nahm sich Anfang der Achtziger des Autos an und modifizierte es optisch in zahlreichen Punkten zum "Coyote X" für die erste Staffel der angesprochenen Fernsehserie "Hardcastle & McCormick". Technisch handelte es sich bei dem Wagen ein Kitkar auf Basis des VW Käfers. Alle Illusionen zerplatzen mit einem Schlag. Statt filigranem Rohrrahmen und vor Leistung platzendem V8 wohnt niedersächsische Hausmannskost unter der atemberaubenden Hülle. Plattformrahmen, Trommelbremsen hinten und ein leicht gesuperter Typ-4-Motor aus dem VW-Porsche, das sind die harten Fakten. Nie traf mich die kalte Härte der Illusionsmaschine Hollywood so heftig wie in diesem Moment. Körperdoubles sind legitim, aber sowas? Und dennoch, im Netz finden sich Filme: Diverse Manta Montage mit anderweitigen Antrieben, einem Hayabusa-Motor etwa oder, eben, so klingt doch nur ein V8. Aber wie kann sein, was technisch nicht sein kann? Ein US-V8-Motor, montiert an einem Käferfahrgestell? Undenkbar. Aber das Auto dort fährt, nein, es grollt eine Straße entlang, eindeutig in Europa gelegen. Italien? Ich schreibe Kommentare. Auf die niemand antwortet. Durchforste Facebook, kontaktiere, vergeblich. Monate später fällt mir die Lösung ein. Werde Mitglied der gemeinsamen Interessengruppe dort und meine Nachricht wird gesehen. Die Antwort ist reserviert, logisch. Ein Dialog entsteht nicht. Und dann kommt am nächsten Abend doch etwas, mitsamt einem halben Dutzend Fotos, die es in sich haben.
Manta mal anders
Giuliano Gruppo, Maschinenbauingenieur aus der Nähe von Mailand, war offenbar einst ebenso begeistert von der Fernsehserie wie ich, ging jedoch deutlich weiter. Er importierte sich einen Manta Montage, den vermeintlichen Traumwagen. Denn das Auto war für seine Begriffe unfahrbar, ganz abgesehen von der peinlichen Frage der Passanten nach dem Antrieb, bei der er dann die simple Käfertechnik offenbaren musste. Gruppo begriff dies als Herausforderung für sich und seinen Beruf und konstruierte in vier Jahren und unzähligen Nächten die technische Basis so wie diese bereits seit Jahrzehnten in unzähligen ,meist männlichen, Köpfen als Illusion ihre Runden drehte.
Manta mal anders
Optisch orientierte sich der Manta Montage einst am McLaren M6 GT, einem Anfang der Siebziger Jahre in Kleinstserie entstandenem Supercar. Und hier setzte Gruppo, in seiner Ehre als Techniker gepackt, an und besorgte sich einen baugleiches Triebwerk, einem Chevrolet-V8, mit 5,7 Liter Hubraum und 350 Ps. Flanschte daran das Sechsganggetriebe eines Audi RS 6, Kennbuchstabe 01E, konstruierte um diese Einheit einen Hilfsrahmen. Flanschte daran einen selbst konstruierten Rohrrahmen für die Fahrgastzelle sowie die Achseinheit am vorderen Ende. Gesamtgewicht 1100kg, vor allem der Motor-Getriebe-Einheit geschuldet.
Manta mal anders
Gut, 350Ps bewegen 1100kg. Ihr Eindruck, Guiliano Gruppo? "Fährt wie ein Gokart." Selbst Laien wird bei diesem Anblick offensichtlich, dass hier jemand all sein Können eingebracht hat. Ein technischer Leckerbissen, dabei ohne Airbags, ABS oder Traktionskontrolle, und all dies verschwand unter der bekannten GFK-Hülle des Manta Montage. Eine wahrhaft beeindruckende Leistung, von der bislang jedoch kaum jemand etwas weiß.
Manta mal anders
Ich bin jedenfalls versöhnt, dass jemand die Illusion, die einfach keine sein konnte, doch noch wahr gemacht hat: Danke! (c) Nils Berger http://www.jayohrberg.com/Hardcastle_and_McCormick.html